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Duan Yongping Chinas unbekannter Smartphone-König

Oppo ist nach Samsung und Huawei an dritter Stelle der meistverkauften Smartphones der Welt. Quelle: imago images

Mit Oppo und Vivo beherrscht der chinesische Milliardär Duan Yongping zwei der größten Smartphone-Marken der Welt. Eine von ihnen hat nun sogar Apple abgehängt.

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Wie Tim Cook lebt auch Duan Yongping in Kalifornien. Genauso wie der Apple-Chef verkauft der 58-Jährige Smartphones. Das war es aber dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten.

Während Cook regemäßig Interviews gibt und neue Produkte gern höchstpersönlich vorstellt, hält sich Duan lieber im Hintergrund. Das einzige Mal, dass Duan tatsächlich international für Schlagzeilen gesorgt hat, liegt schon 13 Jahre zurück, als er 2006 für damals 620.000 Dollar bei Ebay ein Mittagessen mit der Investoren-Legende Warren Buffett ersteigerte.

Die zurückgezogene Art des chinesischen Milliardärs schmälert seinen Erfolg jedoch nicht, wie ein Blick auf die weltweiten Smartphone-Absatzahlen zeigt. Duans im südchinesischen Dongguan ansässige Firma BBK Electronics taucht nicht namentlich im Top-Ranking auf, ist dort aber dennoch ein Schwergewicht.

Mit den Marken Oppo und Vivo hat Duan unter dem Dach von BBK zwei Smartphone-Giganten geschaffen, die zuerst China erobert haben und sich nun im Rest der Welt breit machen.

Laut der Marktforscher von IHS verkaufte Apple im zweiten Quartal 2019 noch 35,3 Millionen iPhones, was einem saftigen Rückgang von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal entspricht. Der angeschlagene iPhone-Konzerns schaffte es damit gerade noch auf den vierten Platz in der Liste der größten Hersteller.

Neben Samsung und Huawei, die das Ranking anführen, ist Oppo mit 36,2 Millionen verkauften Geräten die neue Nummer Drei der Welt. Die Schwestermarke Vivo schaffte es auf den sechsten Rang. Zählt man beide zusammen, verkaufen sie zuletzt sogar mehr als der ebenfalls in China ansässige Huawei-Konzern, was Duan Yongping zum wahren Smartphone-König der Volksrepublik macht.

Dabei hatte Duan mit seinen Handys ursprünglich spöttische Bemerkungen geerntet. Sie galten als billige iPhone-Kopien für die Masse. Doch längst sind Chinas Verbraucher darauf aufmerksam geworden, dass die Geräte trotz kleinem Preis gute Leistung erbringen.

Der 1961 geborene Duan hat eine Ausbildung als Elektroingenieur. Seinen Master schloss er an der Pekinger Volksuniversität ab. Die Unternehmerkarriere begann als 28-Jähriger in der südchinesischen Provinz Guangdong. Innerhalb eines Jahrzehnts baute er zwei Marken auf, die in China heute noch jeder kennt: Den Spielekonsolen-Hersteller Subor sowie BBK Electronics, der lange vor allem für DVD-Player bekannt war. Mittlerweile stellt das Unternehmen auch Fernseher, MP3 Player, Digitalkameras – und eben auch die so erfolgreichen Smartphones unter anderen Marken her.

Chinesische Verbraucher haben jahrelang auf einheimische Marken gewartet, auf die sie stolz sein können, und Firmen wie Huawei, Xiaomi, Vivo und Oppo haben ihnen diesen Wunsch erfüllt.

Duan ist so erfolgreich, weil er die Expansionsstrategie der ausländischen Hersteller im China auf den Kopf gestellt hat. Während sich Apple und Samsung zunächst auf die Top-Metropolen Peking und Shanghai konzentrierten, und erst dann damit begannen, den Rest des Landes zu erobern, mischte Duan das Feld von hinten auf.

Mit massiven Werbebudget starte er in den zahlreichen aber weniger bekannten Millionenstädten der chinesischen Provinz, wo hunderte Millionen Menschen nur darauf warteten, endlich ein Smartphone zu besitzen, das technisch den Marken aus dem Ausland in nichts nachsteht, dafür aber erschwinglicher ist.

Ganze Straßenzüge ließ Duan quer durchs Land mit den typischen grünen Werbe-Schildern von Oppo und Vivo zupflastern. Zudem setzte er auf Verträge mit chinesischen Stars, die seine Smartphones bekannter machen sollten. Auch verzichtete Duan weitestgehend auf eigene Läden, und gewann dafür das ohnehin dichte Netz an freien Smartphone-Geschäften für sich, in dem er Händler mit Bonus-Zahlungen und anderen Vergünstigungen dazu animierte, ihre Läden mit Oppo- und Vivo-Schildern zu schmücken.

Seit auch Chinas Smartphone-Markt seit einigen Jahren erste Zeichen Anzeichen der Sättigung zu erkennen lässt, wiederholt Duan das gleiche Manöver in Indien und Südostasien, wo chinesische Hersteller vielerorts schon präsenter sind als Samsung und erst recht Apple. Mit seiner jüngsten Marke OnePlus, die 2013 an den Start ging, greift Duan Apple und Samsung nun sogar direkt im Premium Segment an.

Oppo, Vivo und OnePlus werden bald auch in Deutschland eine größere Rolle spielen: Oppo kündigte im Juni den Start seiner Europa-Zentrale in Düsseldorf an. Innerhalb von fünf Jahren will der Handyhersteller in Deutschland mit 400 bis 500 Beschäftigten vier Millionen Smartphones verkaufen und einen Marktanteil von 15 Prozent erreichen.

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