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Ebay-Chef Donahoe "In Deutschland wird Ebay nicht richtig wahrgenommen"

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"In Deutschland hapert es noch"

Handel statt Auktion - Futuristische Einkaufsmeile in der Ebay-Zentrale Quelle: Pressebild

Wie oft passiert das?

Am Anfang waren das schon einige. In den USA wickeln Top-Seller mittlerweile die Hälfte aller Verkäufer ab. Die Top-Verkäufer steigern ihren Umsatz im Schnitt um 25 Prozent pro Jahr. Das ist ein wichtiger Anreiz, um den Status zu verteidigen. Viele dieser Kleinunternehmer beschäftigen 30 bis 100 Mitarbeiter und setzen zwischen 30 und 50 Millionen Dollar im Jahr um.

Als Sie 2008 CEO wurden, sah es so aus, als ob Ebay aus dem Tritt geraten war.

Wir waren nicht mehr so innovativ wie früher. Aber wir haben gegengesteuert. Innerhalb von drei Jahren haben wir viel verändert, haben die Tarife geändert, das Feedback-System, die Suche und die Benutzeroberfläche. Früher bestand Ebay zu 70 Prozent aus Auktionen und zu 30 Prozent aus dem klassischen Verkauf von Gebrauchtwaren. Heute ist es umgekehrt, es gibt weniger Gelegenheitsverkäufer und wesentlich mehr Top-Seller. Laut unseren Daten ist die Zufriedenheit der Käufer gestiegen. Als Resultat sehen wir einen signifikanten Turn-around. Leider wird in Deutschland nicht richtig wahrgenommen, dass Ebay längst kein reiner Online-Auktionsanbieter mehr ist.

Woran liegt das?

Sicherlich an unserer Werbekampagne mit dem Slogan „Drei, zwei, eins, meins“. Die Kampagne war unwahrscheinlich erfolgreich. Dadurch hat sich aber bei den Kunden das Bild vom Auktionsanbieter eingebrannt. Auktionen haben wir ja auch weiterhin. Aber mittlerweile besteht die Mehrheit des Sortiments aus Neuwaren zum Festpreis, angeboten von professionellen Händlern, die hinter Ladengeschäften nicht zurückstehen oder manchmal sogar besser sind. Wer ein neues Speiseservice oder Möbel kaufen will, kann das auf Ebay tun.

Skurrile Ebay-Auktionen
Ein schrottiger Mercedes für 182.000 EuroSchonungslose Ehrlichkeit kommt offenbar an: Ein privater Anbieter aus Großbritannien bietet auf Ebay seinen schon etwas ollen Mercedes E320 an - und kann sich bereits jetzt, 5 Tage vor Ende der Auktion über 54 Gebote freuen, die derzeit bei rund 182.000 Euro liegen (155.100 Pfund). Die Produktbeschreibung startet mit "Wenn Sie nach einem tadellosen, gut gepflegten Mercedes E320 CDI suchen... dann sind Sie hier falsch". Es folgt eine witzige Auflistung aller Beulen, Roststellen und sonstiger Makel mit unkonventionellen Bildern, bei denen sich etwa die füllige Besitzerin in den Kofferraum legt, um zu beweisen, wie groß er ist. Den Erfolg der Versteigerung hätte sich der Besitzer wohl nie träumen lassen. Quelle: Screenshot
warren buffett Quelle: REUTERS
Kaum einer Auktion ist so viel Beachtung zuteil geworden, wie der Versteigerung des Golf IV von Kardinal Ratzinger – später Papst Benedikt XVI. Mehr als 8,4 Millionen Mal wurde die Seite aufgerufen, das Auto für 188.938,88 Euro verkauft. Quelle: Screenshot
Die Mülheimer Verkehrsgemeinschaft (MVG) bot 2004 einen Straßenbahnwagen des Herstellers Düwag aus dem Jahre 1958 zum Verkauf an. Quelle: Foto: Oliver Weiken dpa/lnw
Der gelbe Pullunder war das Markenzeichen des Außenministers Hans-Dietrich Genscher (rechts). 1999 wurde ein Exemplar für 2.000 DM versteigert - der Erlös wurde an die Deutsche Herzstiftung in Halle gespendet. Quelle: dpa
Ein benutzter BH aus 91 selbstklebenden Unterlegscheiben fand für 12, 50 Euro seinen neuen Besitzer. Quelle: Screenshot
Der Orkan Kyrill im Jahre 2007 riss sogar im Berliner Hauptbahnhof Stahlträger aus ihren Halterungen. Im Sauerland zerstörte er Waldflächen, deren Bruchstücke ihren Weg auf Ebay fanden - der Erlös kam dem Wiederaufbau zugute. Quelle: Screenshot

Die Kunden in Deutschland würden dazu eher zu Amazon gehen.

Das ist leider so. In den wichtigsten Märkten wie den USA, Großbritannien und Australien haben wir den Imagewechsel hinbekommen, was sich positiv auf unsere Umsätze auswirkt. Nur in Deutschland hapert es noch...

...weswegen Sie mit Ihrem Geschäft hier unzufrieden sind?

Deutschland ist immer noch unser zweitgrößter Auslandsmarkt nach Großbritannien. Aber wir müssen mehr tun, um unser Angebot besser zu kommunizieren.

Amazon-Chef Jeff Bezos hat diversifiziert, ist in neue Märkte expandiert. Amazon ist an der Börse 100 Milliarden Dollar wert, Ebay nur halb so viel. Haben Sie sich zu sehr auf den Online-Handel verlegt?

Das sehe ich anders. Von 2008 bis 2010 haben wir den Ebay-Marktplatz neu aufgestellt. 2010 haben wir von der Defensive in die Offensive gewechselt. Im vergangenen Jahr haben wir Zahlungen im Volumen von fünf Milliarden Dollar über Mobilfunk abgewickelt, damit sind wir mit Abstand Marktführer. Unsere Ebay-App für Smartphones ist 78 Millionen Mal heruntergeladen worden. Wir haben die Preissuchmaschine Milo und die App Redlaser zum Scannen von Barcodes erworben.

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