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Einigung mit Softbank Warum der T-Mobile-Aktiendeal für die Telekom Sinn ergibt

T-Mobile-Logo auf der Anzeigetafel der US-Technologiebörse Nasdaq Quelle: AP

Die Deutsche Telekom erlaubt Softbank, ein großes T-Mobile-Aktienpaket zu verkaufen – sichert sich aber Optionen für die absolute Mehrheit an T-Mobile. Warum es gut für die Telekom wäre, sich in den USA zu vergrößern.

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Eigentlich hatte die Deutsche Telekom schon bekommen, was sie brauchte: Beim Zusammenschluss ihrer US-Beteiligung T-Mobile mit Sprint hatte sie sich die Mehrheit der Stimmrechte ausbedungen und damit auch die Möglichkeit, deren Geschäft in ihrer Bilanz zu konsolidieren. Jetzt aber sichert sie sich Kaufoptionen, innerhalb der kommenden vier Jahre ihr bislang 43-prozentiges Aktienpaket um acht Prozent auf eine echte Mehrheit von 51 Prozent aufzustocken. Ein Feuerwehrverkauf durch Sprint-Großaktionär Softbank ermöglicht der Telekom den Deal, 44 Prozent der Optionen zum gestrigen Schlusskurs der T-Mobile-Aktie von 106 Dollar zu kaufen; die übrigen zum Marktpreis der Ausübung.

„Das ist ein gelungener Deal für alle Seiten“, sagt Wolfgang Specht, Telekommunikationsanalyst des Düsseldorfer Bankhauses Lampe, „Man merkt, dass Softbank Verkaufsdruck hatte, so konnte die Telekom sich günstige Konditionen sichern“. Übte die Telekom die gesamte Option zum gestrigen Kurs aus, wäre die Kaufsumme zehn Milliarden Euro - mehr als der gesamte diesjährigen Free Cash Flow der Deutschen Telekom von acht Milliarden Euro – und davon sind schon drei Milliarden vorgemerkt für die Dividende.

Deshalb ist es so wichtig, dass die Telekom ihre Optionen über vier Jahre verteilt ausüben darf: „Dadurch, dass die Telekom verschiedene Tranchen über vier Jahre verteilt kaufen kann, hat sie keinen Finanzierungsbedarf und auch die Dividende ist nicht in Gefahr.“ Dass die T-Mobile-Aktie nahe dem Allzeithoch bei 106 Dollar notiert, sieht er als Zeichen, dass der Markt die Aktien, die Softbank verkauft, gut absorbieren kann.

Die Margen in den USA sind derzeit sogar geringer als die in Deutschland. Warum macht die Übernahme dennoch Sinn? Aktuell erwirtschaftet die Deutsche Telekom in Deutschland wohl die besseren Renditen. Der Kampfkurs von T-Mobile unter dem früheren CEO John Legere hatte den Wettbewerb in vielen Preispunkten unterboten. Analysten schätzen grob, dass die Deutsche Telekom in Deutschland aktuell bis zu zwölf Prozentpunkte mehr Ebidta-Marge erzielt wird als in den USA.

Dennoch gelten die USA als perspektivenreicheres Umfeld: „Als Einwanderungsland sind die USA ein Wachstumsmarkt, darin unterscheidet es sich wesentlich von Deutschland“, sagt Specht, „Langfristig sind die USA renditeträchtiger.“ Auch sind die Beträge, die Haushalte in Amerika bereit sind, für Telemedien zu bezahlen, wesentlich höher. Im Durchschnitt ist das Ebitda der Telekom in den vergangenen vier Quartalen in den USA um 6,8 Prozent gewachsen. Im übrigen Geschäft ausgenommen der USA jedoch nur um 4,4 Prozent.

Zum anderen ist auch die Marktlage in den USA eine bessere: „In den USA gibt es weniger Wettbewerb“, sagt Torsten Gerpott, Professor an der Mercator School of Management in Duisburg. In den USA handelt es sich auf dem Mobilfunkmarkt vielerorts um ein Duopol, wo sich zwei Anbieter den Markt untereinander aufgeteilt haben. Insgesamt gibt es mit Verizon und AT&T zwei große Anbieter, gefolgt von der durch den Zusammenschluss mit Sprint gestärkten T-Mobile. Neu will sich der Satellitenanbieter Dish mit einem Billigangebot im Mobilfunk aufstellen.

In Deutschland dagegen gibt es neben den drei großen Netzbetreibern Telekom, Vodafone und O2 noch zwei netzwerkunabhängige größere Serviceprovider, nämlich Drillisch und Mobilcom. „Innerhalb Europas ist der Mobilfunkmarkt Deutschland für die Telekom von den Renditen her top“, so Gerpott. „Dies gilt aber nicht im interkontinentalen Vergleich. Deshalb ist ein größeres Telekom-Engagement im US-amerikanischen Mobilfunk sinnvoll“.

Die Telekom darf die T-Mobile-Aktien mit Deutsche-Telekom-Aktien bezahlen und kann eine Kapitalerhöhung . Bleibt die Frage, wie die Telekom den Kauf des Anteilspaket finanziert. Will sie sich am Anleihenmarkt refinanzieren, muss sie ihr Rating genau im Auge behalten, um zu vermeiden, dass  ihre Zinskosten aus dem Ruder laufen. Attraktiver könnte ein Verkauf anderer Assets sein. Analyst Specht hält das Funkturmgeschäft DFMG für einen spannenden Kandidaten – sei es als Börsengang oder als Minderheitenverkauf an ein Private Equity Unternehmen.

„Eine Aufstockung ist betriebswirtschaftlich rational“, sagt Gerpott – es handele sich im Gegensatz zu Deutschland um einen Wachstumsmarkt: „Aus streng betriebswirtschaftlicher Sicht stellt sich die Frage, ob Kunden in Deutschland lieber den Ausbau des Netzes in Deutschland sähen, für die Konzernführung so nicht. Das ist traurig für die Kunden und die deutsche Volkswirtschaft, aber Deutsche-Telekom-Chef Tim Höttges muss bei seinen Entscheidungen das Wohl des ihm anvertrauten Unternehmens in den Mittelpunkt rücken.“

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