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Einstieg Samsung greift Sharp unter die Arme

Der südkoreanische Unterhaltungselektronik-Hersteller Samsung will mit drei Prozent beim kriselnden Rivalen Sharp einsteigen. Noch in diesem Monat soll die Transaktion stattfinden.

Der um seine Zukunft kämpfende japanische Elektronik-Riese Sharp steht vor einer Investition des großen Rivalen Samsung. Quelle: REUTERS

Der südkoreanische Technologiekonzern Samsung greift dem angeschlagenen japanischen Wettbewerber Sharp unter die Arme. Samsung habe eine Vereinbarung zur Übernahme von drei Prozent an Sharp Corporation unterzeichnet, wie der weltweit führende Hersteller von Speicherchips, Handys und Fernsehern am Mittwoch in Seoul mitteilte.

Die Japan-Tochter von Samsung werde die Anteile im Wert von 10,4 Milliarden Yen oder knapp 120 Milliarden Won (rund 85 Millionen Euro) erwerben. Die Transaktion soll noch in diesem Monat über die Bühne gehen.

Zweck der Investition sei es, die Partnerschaft zwischen beiden Unternehmen zu festigen sowie „eine feste Grundlage für Samsung zur stabilen Versorgung mit LCD-Panels aus unterschiedlichen Quellen“ zu haben. Samsung werde nicht in Sharps Management einbezogen sein. Man hoffe, dass die Investition auch die „Profitabilität des japanischen Kerngeschäfts mit Flüssigkristall-Bildschirmen (LCDs)“ verbessern werde, hieß es.

Das lange Leiden von Japans Elektronikkonzernen
SonyDie einstige Technik-Ikone Sony hat sich zum Sanierungsfall gewandelt. In den 1950er Jahren brachte der Elektronikkonzern das erste Transistorradio im Westentaschen-Format auf den Markt. Mit dem legendären Walkman (Bild) wurde Sony in den 1980er Jahren das, was Apple heute ist. Mit der Playstation schuf das Unternehmen später einen Markt für Videospiele. Doch die glorreichen Zeiten sind vorbei. Der neue Chef Kazuo Hirai, seit Februar 2012 im Amt, will Sony in den drei Kernbereichen Smartphones, Digitalkameras und Computerspiele wieder zu einem schlagfertigen Wettbewerber machen. Quelle: Reuters
SonyKazuo Hirai (Bild) hat dem ehemaligen japanischen Vorzeigeunternehmen ein striktes Sparprogramm verordnet. Die Sanierung will sich Hirai allein im aktuellen Geschäftsjahr 700 Millionen Euro kosten lassen. 10.000 Stellen sollen abgebaut werden. Die TV-Sparte soll ihre Fix- und Betriebskosten drastisch senken. Gerade bei Fernsehern zeigt sich, wie weit Sony im internationalen Vergleich inzwischen zurückgefallen ist. Hirai will so schnell es geht wieder in die schwarzen Zahlen. Dafür hat der Manager, der zuvor das erfolgreiche Geschäft mit den Spielekonsolen führte, ehrgeizige Ziele. Sony soll Weltmarktführer bei Mobiltelefonen werden und auf neuen Geschäftsfeldern aktiv werden. Quelle: Reuters
SonyAbseits der klassischen Unterhaltungselektronik soll Sony vor allem in der Medizintechnik wachsen. Hirai kündigte Übernahmen und eine regelrechte Einkaufstour an, um bis 2015 auf einen Umsatz von einer halben Milliarde Euro zu kommen. Allerdings wird der Medizintechnik-Markt von mächtigen Konkurrenten beherrscht. Auf einem anderen Gebiet hingegen ist Sony mittlerweile abgeschlagen. Bei der Robotik waren die Japaner früher einer der Weltmarktführer. Doch auch das Aushängeschild, der Roboterhund Aibo (Bild), ist inzwischen in der Versenkung verschwunden. Hirais Vorgänger Howard Stringer stellte die Förderung der Sparte ein. Quelle: Reuters
Japanische ElektronikkonzerneMit den Problemen steht Sony nicht alleine da, sie sind symptomatisch. Die großen japanischen Konzerne haben in der Konsumelektronik die Vorherrschaft verloren. Die einstige Innovationsführerschaft bei den wichtigsten Produkten der vergangenen 30 Jahren, Fernsehern und Handy, ist Vergangenheit. Vor allem Apple und der südkoreanische Konzern Samsung haben den Japanern das Wasser abgegraben. Japans Konzerne müssten sich „neu erfinden, um wieder zu den Innovationsführern aufzuschließen“, schrieb die japanische Wirtschaftszeitung „Nikkei“. Stellenabbau und Konsolidierung, die klassischen Rezepte in der Krise, reichen dafür allein nicht mehr aus. Quelle: Reuters
SharpAuch der Elektronikkonzern Sharp (Bild: Elektronikgeschäft in Tokio) musste im abgelaufenen Geschäftsjahr 2011/12 einen Verlust verbuchen. Nach jüngsten Schätzungen beträgt das Minus 380 Milliarden Yen (3,6 Milliarden Euro). Ursprünglich hatte Sharp einen Gewinn in Aussicht gestellt. Das schwache Geschäft mit Solarzellen und Fernsehern macht dem Konzern zu schaffen. Dabei war Sharp einst führend in der TV-Technik. Quelle: dpa
Sharp Quelle: dpa
PanasonicDas schlechte TV-Geschäft bringt auch Panasonic ins Schlingern. Der Jahresverlust wird bei etwa 780 Milliarden Yen (8 Milliarden Euro) liegen. Wenige Monate zuvor hatte der Elektronikkonzern aus Tokio noch einen Gewinn in Aussicht gestellt. Der Konzern hat bereits 17.000 Stellen gestrichen. Jetzt machen Panasonic Abschreibungen zu schaffen. Quelle: Reuters


Sharp, das Samsung bereits mit Panels beliefert, rechnet für das Ende März auslaufende Geschäftsjahr mit dem zweiten Rekordverlust in Folge. Im Herbst musste Sharp davor warnen, dass die desolate Finanzlage den Fortbestand des Unternehmens gefährde. Seitdem hat sich die Lage vor allem mit dem schwächeren Kurs des Yen etwas gebessert. Den japanischen Fernsehproduzenten wie Sharp hatte Samsung, aber auch der südkoreanischer Hersteller LG, in den vergangenen Jahren auf den Auslandsmärkten zunehmend Marktanteile abgenommen.

Samsung hatte Ende Januar einen Anteil von fünf Prozent an dem japanischen Hersteller von Grafiktabletts, Wacom, erworben.

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