WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Einstiger Hoffnungsträger Surface verhagelt Microsoft die Bilanz

Zehn Monate nach Start muss das Surface Tablet verramscht werden, was den Softwarekonzern zusätzliche 900 Millionen Dollar kostet. Trotzdem hält Konzernchef Ballmer an seiner Hardware-Strategie fest. Die Risiken sollen jedoch mehr die Partner übernehmen.

Die Fakten zum Microsoft-Tablet
Das Surface stellt eine Zäsur in der Geschichte von Microsoft dar. Statt nur die Software zu liefern, bietet Microsoft jetzt auch gleich das Gerät mit an. Das tat Microsoft bisher nur in Ausnahmefällen wie Eingabegeräten und der Spielekonsole Xbox. Doch was kann das Tablet? Die Fakten im Überblick. Quelle: Reuters
Grundsätzlich kommt das 10,6 Zoll große "Surface" in zwei verschiedenen Versionen auf den Markt. Eine für Heimanwender mit ARM Prozessor und in der reinen Tablet-Version des neuen Betriebssystems Windows 8 - RT genannt. Das Modell für professionelle Nutzer ist mit 13,5 Millimeter etwas dicker (einfache Variante: 9,3 Millimeter), hat aber auch einen deutlich leistungsfähigeren i5-Prozessor von Intel und die Pro-Variante von Windows 8. Größtes Plus der Variante mit i5-Prozessor: Auch normale Windows-Software läuft auf dem Gerät. Quelle: dapd
Ein weiterer Hardware-Unterschied zwischen der RT genannten Einsteiger-Version und dem Pro-Modell sind die Anschlüsse. Das Surface RT muss mit einem USB 2.0-Anschluss und einem MicroSD-Slot auskommen, während das Surface Pro einen Anschluss mit USB 3 und einen microSDXC-Karten-Slot bietet. Einen Mini-Display-Port hat ebenfalls nur das Pro-Modell. Beide Varianten werden mit 32 oder 64 Gigabyte internem Flash-Speicher angeboten. Quelle: AFP
Eine Besonderheit gegenüber anderen Tablets, die beide Versionen des Surface haben: Der ausklappbare Ständer. Die 0,7 Millimeter dicke Metallklappe ist mit drei Scharnieren am Body befestigt und soll so laut Microsoft auch auf längere Zeit ausreichend Stabilität bieten. Quelle: AFP
Neben zwei Leistungs-Versionen gibt es auch zwei Varianten des Covers. Diese werden ähnlich wie das SmartCover bei Apples iPad magnetisch an dem Tablet befestigt. Doch die Microsoft-Cover sollen nicht nur das Display schützen, sie haben auch beide eine Tastatur integriert. Hier kommt auch der Unterschied: Das drei Millimeter dicke TouchCover (auf dem Bild in pink) hat keine fühlbaren Tasten, sondern reagiert nur auf Druck. Das TypePad (im Bild schwarz) ist mit fünf Millimetern zwar etwas dicker, hat aber im Gegensatz zum TouchCover richtige Tasten, die bis zu 1,5 Millimeter nachgeben. Quelle: dapd
Das Gehäuse beider Modelle ist aus einer Magnesium-Legierung, die Microsoft "VaporMg" nennt. Mit einem Gewicht von 676 Gramm liegt die RT-Version auf dem Niveau des iPad 3, das Pro-Modell wiegt mit 903 Gramm deutlich mehr. Allerdings soll sich das Surface Pro auch von seinen Leistungsdaten her gegen die Ultrabooks als gegen das iPad positionieren. Quelle: dapd
Zudem lässt sich das Surface Pro auch mit einem Stift bedienen. Quelle: dapd

Die Wette von Steve Ballmer ist nach hinten losgegangen. Zumindest fürs erste. Am 18. Juni vergangenen Jahres stellte der Microsoft-Chef in Los Angeles die Antwort seines Konzerns auf Apples iPad vor – das in Eigenregie entwickelte Tablet Surface. Um Apple zu kontern, setzte Ballmer sogar die langjährigen Beziehungen mit seinen Windows-Lizenzpartnern aufs Spiel.

PC-Hersteller wie Acer und Lenovo reagierten verschnupft, als Microsoft sich in das ohnehin schwierige Geschäft mit Hardware einmischte. Doch Ballmer und der damalige Windows-Chef Steve Sinofsky waren überzeugt, dass nur ein von Microsoft selbst mit seiner Software vermähltes Tablet das neue Betriebssystem Windows 8 zum Glänzen bringen würde. Doch das war zu viel des Neuen.

Die Quittung wurde am Donnerstagabend den Microsoft-Aktionären präsentiert. 900 Millionen Dollar muss der Konzern abschreiben, weil das Microsoft Surface Tablet – vor allem dessen schwachbrüstige RT Variante - sich als Ladenhüter entpuppt hat.

Das sind die neuesten Tablets auf dem Markt
Medion Lifetab S7852Am achten Mai kommt das Lifetab S7852 von Medion auf den Markt und wird in allen Aldi-Filialen erhältlich sein. Das Tablet hat ein 8 Zoll-Display mit einer Auflösung von 1024 mal 768 Pixeln. Das Lifetab wird einen Arbeitsspeicher von einem GByte betragen, außerdem gibt es einen 16 GByte Flash-Speicher. Auf dem Gerät läuft die aktuelle Android-Version 4.4. Kosten: 150 Euro Quelle: Presse
Samsung Ativ Tab 3 Pünktlich zur Internationalen Funkausstellung (Ifa) kam das neue Samsung Tablet Aktiv Tab 3 in Deutschland auf den Markt. In den USA wurde das 580 Gramm leichte Windows-8-Tablet bereits im Juni 2013 vorgestellt. Das zehn Zoll große Display hat eine Auflösung von 1.366 mal 768 Pixeln und eine 2-Megapixel-Kamera sowie eine Webcam für Videotelefonie Kosten: 770 Euro Quelle: AP
Microsoft Surface ProDie zweite Generation des Surface ist seit dem 31. Mai auf dem Markt. Das Gerät bietet anders als sein Vorgänger eine vollständige PC-Ausstattung und lässt sich sowohl als Tablet als auch als Notebook nutzen. Dank eines Core i5-Prozessors von Intel laufen auf dem Gerät auch gewöhnliche PC-Programme wie etwa Microsofts Office-Paket. Das Gerät soll in der Leistung und Ausstattung einem Windows-8-PC in nichts nachstehen. Der Display ist 10,6 Zoll groß und löst mit 1920x1080 Pixeln auf. Das Bild ist so klar, aber nicht entspiegelt. Ähnlich wie beim Galaxy S4 wird das Gerät mit einem Bedienstift, dem "Surface Pen" ausgeliefert, mit dem sich Texte markieren und beschriften, aber auch Zeichnungen und handschriftliche Notizen erstellen lassen. Kosten: Die 128-Gigabyte-Variante kostet 980 Euro, die kleinere Variante mit 64 Gigabyte Speicherplatz bietet Microsoft für 880 Euro an. Quelle: Presse
Asus FonepadMit einem 7-Zoll-Display ist das Fonepad mehr Tablet als Handy. Das Aluminiumgehäuse liegt gut in der Hand, zum telefonieren ist das Gerät allerdings etwas zu groß und unpraktisch. Hier lohnt sich die Anschaffung eines Bluetooth-Headsets. Das Asus Fonepad ist vor allem schnell im Netz unterwegs. Die Funkdatenverbindung schafft bis zu 21,6/5,76 Mbit/s. Installiert sind 1 Gigabyte Arbeitsspeicher sowie nach Wunsch 16 oder 32 Gigabyte Nutzerspeicher. Kosten: im Angebot ab 229 Euro. Quelle: Presse
Archos Family Pad213,3 Zoll groß ist das neue Tablet von Archos, doch die Auflösung liegt wie bei Standard-Tablets mit 8 Zoll weiterhin bei 1280x800. Das Family Pad 2 hat einen 1,6 Gigahertz schnellen Dualcore-Prozessor, 8 Gigabyte Speicher und läuft auf dem Betriebssystem Android 4.1. Der Speicher ist mit einer MicroSD-Karte auf maximal 64 Gigabyte ausbaubar. Kosten: 299 Euro. Quelle: Presse
Archos Platinum 97 HDMit der gleichen Pixeldichte wie das iPad 4 (2048x1536 Pixel bei einem 9,7 Zoll-Display) lässt das Tablet von Archos die meisten anderen Android-Tablets weit hinter sich. Der Prozessor verfügt über vier Kerne und läuft mit 1,2 Gigahertz. Ihm stehen 2 Gigabyte Arbeitsspeicher zur Seite. Der interne Speicher ist nur 8 Gigabyte groß. Ein MicroSD-Slot für Karten bis 64 GByte und eine Mini-HDMI-Schnittstelle sind vorhanden. Das Tablet hat ein Aluminiumgehäuse. Als Betriebssystem verwendet Archos Android 4.1 (Jelly Bean), ob es ein Update auf die aktuelle Version 4.2 geben wird, erwähnte der Hersteller nicht. Anders als einige andere Archos-Tablets hat das Gerät Zugriff auf den Play Store von Google. Kosten: unter 300 Euro. Quelle: Presse
Asus Padfone InfinityEine Kombination von Tablet und Smartphone bietet ab April Asus in den Farben Silber, Gold und Pink an. Das Smartphone verfügt über einen 5-Zoll-Full HD-Display und lässt sich in ein Tablet-Gehäuse einstecken, das dann einen 10,1 Zoll Full-HD Display hat. Die Tablet-Anzeige mit ihren 1920 × 1200 Pixel Auflösung ist auf den ersten Blick hochwertig. Der Akku soll bei 3G-Nutzung bis zu 19 Stunden durchhalten. Es läuft mit dem Android-Betriebssystem Jelly Bean. Kosten: 1000 Euro. Quelle: Presse

Überraschend ist das nicht. Microsoft senkte kürzlich den Preis des im Oktober vorgestellten Surface RT von 500 Dollar auf 350 Dollar. "Wir glauben, dass die Preissenkung hilft, das Gerät stärker im Markt zu etablieren", bekräftigte Microsofts Finanzchefin Amy Hood bei der Vorlage der Quartalsergebnisse. Als Hewlett Packard sein TouchPad Tablet im August 2011 verramschte, waren die Geräte innerhalb von wenigen Tagen ausverkauft. Allerdings schleuderte sie HP für teilweise nur 99 Dollar auf den Markt.

Ob der 350-Dollar-Preis Microsoft wirklich hilft, ist fraglich. Zumal die RT Variante im Gegensatz zum Profimodell keine klassischen Windows-Programme unterstützt.

Die Mehrzahl der Kunden greift derzeit lieber zum iPad und dessen Android-Wettbewerbern. Nicht unbedingt, weil das neue Betriebssystem Windows 8 für viele noch gewöhnungsbedürftig ist. Sondern vor allem wegen der wesentlich größeren Auswahl von Programmen für iPad und Android Tablets. Wer sich von der Diskrepanz in seinem Sommerurlaub persönlich überzeugen will, muss nur die Stanford Shopping Mall in Palo besuchen, wo sich Apple und Microsoft mit eigenen Ladengeschäften gegenseitig Konkurrenz machen. Bei Microsoft herrscht meist gähnende Leere.

Die Abschreibung hat Microsofts Ergebnisse im vergangenen Quartal verhagelt. Zwar legte der Umsatz zehn Prozent auf 19,9 Milliarden Dollar zu. Doch Analysten hatten im Schnitt mit 20,7 Milliarden Dollar gerechnet. Die eigentliche Schwäche waren jedoch die schleppenden Verkäufe von Desktops und Notebooks, denen Tablets und Smartphones arg zusetzen. Das dezimiert den Markt für Windows-Software.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%