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Enttäuschende Zahlen Der Jo-Jo Effekt bei Apple

Apple verfehlt die Erwartungen, schuld ist ausgerechnet das iPhone. Warum man sich trotzdem nicht sorgen muss.

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Die besten Apps für das iPad
Downloads und Umsatz Mobile Apps in Deutschland
Screenshot der App Zattoo Quelle: Screenshot
Screenshot der Couchfunk-App Quelle: Screenshot
Screenshot Deutschlandfunk-App Quelle: Screenshot
Screenshot App von Twitter Quelle: Screenshot
Screenshot der App Hootsuite Quelle: Screenshot
Screenshot der Flipboard-App Quelle: Screenshot

Am Dienstagabend rauschte es mal wieder im US-Blätterwald oder vielmehr flimmerten die Internet-Seiten der US-Medien hektisch. „Apple enttäuscht die Anleger“, „Apple bleibt unter den Erwartungen“, „Apple bricht ein“. Fast hatte man den Eindruck, als ob nach Griechenland nun auch noch der Musterschüler aus Kalifornien am Abgrund stehen würde. Was hatte Apple nur getan?

Vor allen Dingen gute Zahlen vorgelegt. Der von April bis Ende Juni erzielte Profit stieg gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres um 20,7 Prozent auf 8,8 Milliarden Dollar. Dem Konzern gelang es, die neue Rekordsumme von 17 Millionen iPads weltweit abzusetzen, ein Plus von 84 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal und 44 Prozent mehr als von Januar bis März.

Und das, obwohl die Verkäufe der neuen iPad Generation mit dem Retina-Display im Wachstumsmarkt China wegen eines mittlerweile beigelegten Streits um die iPad Marke um mehrere Wochen verspätet gestartet waren. Doch die Marktbeobachter schossen sich auf einen Ausrutscher ein. 26 Millionen seiner Smartphones, ein Zuwachs von 28 Prozent, hat Apple von April bis Ende Juni verkaufen können. Analysten hatten allerdings zwischen 28 und 29 Millionen Stück erwartet. Weil das iPhone mittlerweile Hauptumsatzbringer des kalifornischen Konzerns ist, brach dessen Aktie nach Börsenschluss um bis zu fünf Prozent ein.

Was Apples "Mountain Lion" Neues bietet
Mac-Inhalte kommen groß rausMit dem kommenden Mac-Betriebssystem setzt Apple fort, was bereits mit Mac OS X Lion zu beobachten war: Funktionen aus dem mobilen Betriebssystem iOS für iPhone und iPad kommen nach auch auf den Mac. Dazu gehört bei OS X „Mountain Lion“ die Funktion Airplay Mirroring, die derzeit nur vom iPad beherrscht wird. Dabei kann mit Hilfe eines Apple TVs (119 Euro) der Bildschirminhalt des Macs in 720p-Auflösung auf einen Fernseher via WLAN gestreamt werden. Somit kann beispielsweise ein auf dem Mac vorhandener Film auf dem größeren TV-Gerät angesehen werden. Noch gibt es keine Apple-TV-Geräte, die Videos im zeitgemäßen Full-HD (1080p) unterstützen. Alle folgenden Screenshots des neuen Mac-Betriebssystems stammen von Apple.
Gemeinsam spielenAuch das von iPhone, iPad und iPod touch bekannte Game Center erhält Einzug auf dem Mac. In Spielen, die das Game Center unterstützen, können die Spieler via Internet gegeneinander antreten. Wie in einem sozialen Netzwerk gibt es im Game Center, Freunde. Somit lässt sich nicht nur gegen zufällige Gegner antreten, sondern auch gezielt gegen Freunde, die gerade online sind. Auch die Punktestände in verschiedenen Spielen von Freunden macht das Game Center transparent und fordert so zum Wettkampf heraus.
Speichern in der DatenwolkeApples Datenwolke iCloud ist bereits mit dem derzeit aktuellen Mac-Betriebssystem „Lion“ auf dem Mac eingezogen. Nachfolger „Mountain Lion“ soll sie noch besser integrieren. Die Idee der iCloud: Dokumente, Lesezeichen und Einstellungen werden nicht mehr lokal, sondern im Internet gespeichert - und sind somit immer überall auf jedem Gerät verfügbar, auch bei Verlust oder Zerstörung des Geräts. Nach wie vor ist die iCloud aber auch bei „Mountain Lion“ nur eine Option. Dokumente lassen sich auch weiterhin ganz normal auf die Festplatte speichern.
Speichern in der DatenwolkeApple verspricht, die iCloud lasse sich mit der kommenden Version leichter auf dem Mac einrichten. Es reicht, die Apple-ID einzutragen, die jeder Nutzer von iPad und iPhone bereits hat, um auf die auf anderen Apple-Geräten vorhandenen Kalender, Kontakte und Nachrichten zuzugreifen. Programme, die iCloud Documents unterstützen, speichern Dokumente auf Wunsch automatisch in verschiedenen Versionen im Internet statt auf der Festplatte. In der Datenwolke gespeicherte Dokumente sind auf allen Apple-Geräten vom Mac bis zum iPhone auf demselben Stand. Ältere Versionen lassen sich ebenfalls wiederherstellen. So soll nie wieder ein Dokument verloren gehen. Die Schnittstelle ist für alle Entwickler offen dokumentiert, sodass künftig viele Mac-Programme das Speichern in der Cloud unterstützen sollten.
Apples TorwächterNoch ist der Mac praktisch virenfrei. Schadsoftware gibt es trotz der steigenden Popularität des Apple-Betriebssystems bislang nur im Labor, nicht aber in freier Wildbahn. Dennoch arbeitet Apple weiter an der Verbesserung der Systemsicherheit - immerhin sagen Experten in schöner Regelmäßigkeit das Ende der virenfreien Zeit für den Mac voraus. Das mit „Mountain Lion“ neue eingeführte Programm Gatekeeper soll die Systemsicherheit des Macs erhöhen. Die Anwendung gibt dem Administrator eines Macs Kontrolle darüber, welcher Benutzer am Rechner das Rechte hat, welche Art von Programm zu installieren. Nutzer können so beispielsweise daran gehindert werden überhaupt Anwendungen zu installieren oder ihrem Account ist nur erlaubt, zertifizierte Anwendungen aus Apples App Store herunterzuladen. In jedem Fall werden mit der neuen Version des Mac-Betriebssystems alle Anwendungen vor der Installation auf bekannte Schadroutinen überprüft. Wird der eingebaute Virenscanner fündig, landet die Anwendung im Müll statt im Programme-Ordner.
Twitter an BordSchon für die aktuelle Version „Lion“ gab es Gerüchte über eine Integration von Facebook und Twitter. Beim „Mountain Lion“ ist der Kurznachrichtendienst mit an Bord und in andere Programm integriert. Wer in den Systemeinstellungen seinen Twitter-Account angibt, kann so beispielsweise ein Foto direkt aus einem Bild-Programm twittern.
Grenzenlos chattenMit der derzeit aktuellen Version von iOS hat Apple Messages eingeführt - auf deutsch Nachrichten. Es ist der zentrale Ort für alle Art von kurzen Textnachrichten. Neben SMS können zwischen mobilen Apple-Geräten iPhone, iPad und iPod touch unbegrenzt und kostenlos Textnachrichten, Bilder und Videos ausgetauscht werden. Mit „Mountain Lion“ kommt auch der Mac dazu, wo das Programm Nachrichten iChat ersetzt. Auf dem Mac werden allerdings auch weiterhin die Konkurrenz-Formate AIM, Jabber, Yahoo Messenger und Google Talk unterstützt, die iChat bislang unterstützte.

Nachfragestau wegen Modellwechsel

Strauchelt Apple nach Jahren des Erfolgs? Macht sich der Verlust von Steve Jobs schon bemerkbar? Nein. Es zeigt aber, dass auch Apple nicht immun gegen Ängste seiner Kunden vor wirtschaftlich schweren Zeiten ist. Vor allem die miese Stimmung in Europa, klagt Finanzchef Peter Oppenheimer, habe dort die Verkäufe belastet. Doch weit schwerer wiegt, dass seit spätestens dem Frühjahr erwartet wird, dass der Konzern vermutlich im September eine neue iPhone-Generation mit voraussichtlich größerem Display auf den Markt bringen wird. Diese Spekulationen hätten die Verkäufe „nicht unbeträchtlich“ negativ beeinflusst, räumte Konzernchef Tim Cook ein.

Klar: Wieso sollen sich Apple Liebhaber jetzt ein iPhone 4s kaufen - und dabei ihren Mobilfunkvertrag verlängern – wenn das Modell in ein paar Monaten schon wieder veraltet ist? Mit anderen Worten: Sobald das iPhone 5 oder wie auch immer die schon sechste Generation von Apples Bestseller heißen wird, auf den Markt kommt, wird die aufgestaute Nachfrage die Verkäufe wieder schlagartig nach oben ziehen. Im nächsten Quartal wird sich das noch nicht zeigen. Aber im Weihnachtsgeschäft, zumal dann auch noch eine Mini-Version des iPad und eventuell ein Fernseher erwartet wird.

Abnabelung von Samsung geplant?

Die besten Smartphones im Überblick
Nokia Lumia 800/900 Quelle: REUTERS
A model displays HTC One X during a press conference in Taipei, Quelle: dapd
A worker moves an advertisement for the Samsung Galaxy SIII smartphone Quelle: REUTERS
Samsung Galaxy S2: Der Blick-FängerDer Vorgänger, das Samsung Galaxy S2, ging bereits weg wie warme Semmeln. Die Zehn-Millionen-Marke beim Verkauf hatte Samsung für Ende 2011 angepeilt, aber schon im September geschafft. Im April 2012 waren es bereits 20 Millionen verkaufte Geräte. Trotz des Riesendisplays ermöglicht das Top-Gerät knapp sechs Stunden Dauertelefonieren. Wegen seines Plastikgehäuses wirkt das extrem schlanke Handy allerdings nicht sehr wertig und fast schon zerbrechlich. Technik, Preis:Google Android 2.3 Elf-Zentimeter-Display 800 x 480 Bildpunkte neun Millimeter dick Acht-Megapixel-Kamera FullHD-Video Preis (online, ohne Vertrag): ab 440 Euro Quelle: Pressefoto
Huawei Ascend P1s Quelle: Pressebild
Apple iPhone 4 S - Das DesignerstückDas Gerät, an dem sich alle anderen messen lassen müssen, ist dagegen schon seit Oktober 2011 in Deutschland in den Läden. Obwohl das Smartphone "nur" die überarbeitete Version des iPhone 4 ist, rissen die Kunden es den Händlern nur so aus den Händen - sowohl in den USA als auch im Rest der Welt. In den ersten 24 Stunden gingen bei Apple mehr als eine Million Vorbestellungen für das 4S ein, die Deutsche Telekom warnte die Kunden schon vor Verzögerungen. Äußerlich ist das 4S nicht vom Modell 4 zu unterscheiden. Die Neuerungen stecken im Inneren. Wichtigste funktionale Verbesserung ist die Funktion Siri - ein persönlicher digitaler Assistent, der mit Stimmbefehlen gesteuert wird. Der neue A5-Doppel-Kern-Prozessor macht das Handy gegenüber den Vorgängern deutlich schneller. Allerdings sinkt die maximale Standby-Zeit des Gerätes um ein Drittel von 300 auf 200 Stunden. Die Kamera wurde deutlich verbessert und soll Videos in HD-Qualität aufnehmen können. Die Antenne ist nun ebenfalls deutlich leistungsfähiger. Technik, Preis:Apple iOS 5 Zehn-Zentimeter-Display 960 x 640 Bildpunkte Acht-Megapixel-Kamera mehr als 425.000 Apps Preis: 629 - 849 Euro (ohne Vertrag) Quelle: Pressefoto
Sony Xperia S Quelle: dapd

Apple hat also ein Luxusproblem. Sorgen müsste man sich, wenn die iPhone Verkäufe einbrechen würden, obwohl kein neues Modell in Sicht ist. Es bleibt natürlich die Gefahr, dass das iPhone 5 nicht überzeugt und hinter der Android-Konkurrenz von Samsung & Co. zurückbleibt. Doch da die Liebe vieler Fans zu Apple so stark ist, würde sich das erst dann bemerkbar machen, wenn abgeklärtere Käufer zuschlagen – also erst viele Monate nach der Markteinführung des neuen Modells.

Wesentlich interessanter ist, dass der Schlagabtausch zwischen Apple und dem neuen Handy-Branchenprimus Samsung trotz Vermittlungsbemühungen von Cook noch heftiger geworden ist. In allen wichtigen Märkten haben sich die Konkurrenten gegenseitig verklagt. Nächste Woche beginnt in einem Gerichtssaal in der Silicon Valley Metropole San Jose ein neuer Patent-Prozess, bei dem Apple mindestens 2,5 Milliarden Dollar Schadensersatz von dem südkoreanischen Konzern erstreiten will, weil dieser angeblich schamlos Apples Produkte kopiert habe.

Samsung ist allerdings einer der wichtigsten Zulieferer von Apple. Der Konzern stellt nach den Spezifikationen von Apple die Prozessoren her, die in den iPhones und iPads ticken. Das hat im Silicon Valley die Gerüchte verstärkt, dass Apple Samsung den Laufpass als Fertiger geben wird, sobald eine Alternative gefunden ist. Angeblich gibt es schon seit längerem Verhandlungen mit Intel.

Zwar müsste der Prozessorgigant, der die Chips für Apples Notebooks liefert, über seinen Schatten springen und Handy- und Tablet-Prozessoren fertigen, die auf Designs und Lizenzen seines britischen Konkurrenten ARM basieren.

Doch damit könnte Intel seine Fabriken auslasten und neben seinen eigenen Handy-Prozessoren, deren Markterfolg noch ungewiß ist, am Boom im Smartphone-Geschäft partizipieren. Allerdings ist das Apple-Management besorgt, dann wiederum zu stark von Intel abhängig zu sein. Denn fast hätte es im Notebook-Geschäft in diesem Quartal eine Schlappe gegeben. Die Macbook Pro und Macbook Air Verkäufe lagen wegen Spekulationen über Nachfolgemodelle bis Ende Mai unter den Planzahlen.

Weil Intels neue Ivy Bridge Prozessorgeneration später als von Apple erwartet zur Verfügung stand, konnte die neue Macbook-Pro Reihe erst im Juni auf den Markt kommen und nicht im April wie ursprünglich geplant. Doch die angestaute Nachfrage konnte die Scharte wieder auswetzen. Der übliche Jo-Jo-Effekt also, der im Weihnachtsquartal die Analysten und damit die Märkte vermutlich wieder jubilieren lassen wird.

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