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ESport-Chef von Schalke 04 „Das häufig bemühte Bild des Gamers ist längst überholt“

ESports-Spiele von Schalke 04 werden im Durchschnitt beispielsweise von rund 25.0000 Menschen live verfolgt. Quelle: obs

Schalkes ESport-Chef Tim Reichert spricht im Interview über mögliche Sanktionen von US-Präsident Trump gegen Game-Hersteller, die Gehälter von E-Sportlern und Vorurteile gegenüber der Branche.

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Der Bann des US-Präsident Donald Trump gegen Tiktok und Tencent erregte Gaming-Liebhaber weltweit. Erst auf Anfrage am folgenden Tag präzisierte das Weiße Haus, es ginge nur um Tencents Messaging-Applikation WeChat. Denn die Spiele-Sparte des chinesischen Konglomerats liefert mit League of Legends und Fortnite Spiele, die auch von Profis gespielt werden. In Deutschland betreibt Tencent die europäische Liga des Spiels League of Legends.

Hier spielt der Gelsenkirchener Fußballverein Schalke 04 mit einem eigenen Team. Ändert sich Trumps Haltung gegenüber Tencent, stünde das beliebte Spiel in Frage. Und falls die USA wie im Fall Huawei auch befreundete Staaten drängen würde, bei einem Bann mitzuziehen, stünde damit auch Schalkes Investment in das Franchise auf dem Spiel. Schalkes ESport-Chef Tim Reichert gibt sich unbesorgt, obwohl League of Legends-Macher Riot Games zu 100 Prozent Tencent gehört.

WirtschaftsWoche: Hat US-Präsident Donald Trumps Dekret gegen Tencent vom Donnerstag auch auf Schalke für Beunruhigung gesorgt?
Tim Reichert: Nein. Die Tencent-Spiele sind Teil einer globalen Industrie. Und dass zwischen China und den USA ein angespanntes Verhältnis herrscht, ist kein Geheimnis. Zudem beschränkt sich das Dekret ausschließlich auf den US-amerikanischen Markt – und auch dort nur auf den Messenger-Dienst WeChat.

Die Gamer in Amerika hatten sich zunächst große Sorgen gemacht, bis das Weiße Haus konkretisierte, dass es nicht um den Gaming-Bereich von Tencent geht. Aber Trump ändert seine Meinung gern und oft. Was wäre denn für Schalke das Worst Case?
An Spekulationen beteiligen wir uns nicht.

Haben Sie es denn im Geschäftsalltag überhaupt schon einmal gemerkt, dass Riot Games eine chinesische Mutter hat?
Riot Games ist vor allem amerikanisch geprägt, weniger chinesisch. Unsere unmittelbaren Ansprechpartner sitzen aber in Berlin. Dort ist auch die europäische Liga angesiedelt. Die Gesellschaft selbst hat ihren Sitz in Irland. Zu den amerikanischen Ansprechpartnern haben wir sehr selten Kontakt, mit den chinesischen Mitarbeitern bislang gar nicht.

Schalkes ESport-Chef Tim Reichert. Quelle: FC Schalke 04

Aber wenn man die Liga gewinnt, kommt man doch automatisch weiter und spielt gegen die amerikanische und chinesische Liga?
Leider haben wir die Liga noch nie gewinnen können, zweimal sind wir allerdings haarscharf an der Qualifikation für die Weltmeisterschaft vorbeigeschrammt. Bei den sogenannten „Worlds“ treten Teams aus der ganzen Welt an. Wir hoffen, uns in diesem Jahr erstmals zu qualifizieren. Wir haben in dieser Saison bereits gezeigt, dass immer mit uns zu rechnen ist. Über eine sehr lange Zeit waren wir auf dem letzten Tabellenplatz, haben dann aber sieben Spiele infolge gewinnen können, so dass wir uns schlussendlich erfolgreich für die Play-Offs qualifiziert haben. Gewinnen wir auch die nächsten beiden Spiele, qualifizieren wir uns für die Weltmeisterschaft, die in diesem Jahr im Oktober und November in China stattfindet. Das wäre ein riesiger Erfolg für unser junges ESport-Engagement.

Da drücke ich die Daumen. Hat man als Fußballverein im ESport einen Vorteil gegenüber anderen Teams?
Für uns gilt, was für jedes andere Team auch gilt: Um erfolgreich zu sein, müssen wir auf allen Ebenen sehr gute Arbeit leisten. Seit Mai 2016 bauen wir ein neues Geschäftsfeld für den FC Schalke 04 auf – und zwar ein wahnsinnig spannendes Geschäftsfeld mit einer vielversprechenden Perspektive: ESport wächst rasant und bekommt eine immer größere gesellschaftliche Relevanz. Da hilft es uns, in Deutschland schon eine starke Marke zu sein. Das hilft bei der Akquise von Sponsoren und beim Gewinnen neuer Fans. Auf wirtschaftlicher Ebene messen wir uns mit mittelständischen Unternehmen, hinter denen Investoren stehen, die ihr Business genauso vorantreiben wollen.

Aber als Fußballverein haben Sie Erfahrung im Coaching von Spielern und wie Körper und Geist zusammenarbeiten.
Als Sportverein haben wir weit über 100 Jahre Erfahrung in der Entwicklung und Förderung von Athleten. Im elektronischen Sport werden jedoch ganz andere Bedürfnisse an Spitzensportler und Trainingseinheiten gestellt als im klassischen Sport. Erkenntnisse aus dem klassischen Sport lassen sich also nicht eins zu eins auf den elektronischen Sport übertragen. Sicherlich war von Vorteil, dass wir in Gelsenkirchen bereits über eine große und starke Infrastruktur verfügen, aber auch das relativiert sich, denn die League of Legends European Championship (LEC) hat ihren Sitz in Berlin. Entsprechend mussten wir hier eine zweite Infrastruktur aufbauen. Aber wir haben ein gutes Netzwerk und wissen, wie man mit jungen Athleten umgeht – das ist unsere größte Stärke. Unsere Spieler haben oft das Alter der Internatsspieler der U23. Wir sind auch im ESport sehr erfolgreich in der Entwicklung neuer Spieler.

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