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Ex-Nokia-Chef Elop Der „trojanische Manager“

Mit dem Kauf von Nokias Handy-Sparte durch Microsoft kehrt Nokia-Chef Stephen Elop zu seinen Wurzeln bei dem Software-Riesen zurück. Das dürfte Gerüchte schüren, nach denen er im Unternehmen nur eingeschleust war.

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Wandler zwischen den Welt: Erst war Stephen Elop Manager bei Microsoft, dann führte er Nokia, jetzt geht es wieder zurück zum alten Arbeitgeber.

Die Legende von Troja ist so alt wie bekannt: Um die Stadt zu erobern, schleusten die Griechen ein hölzernes Pferd hinter die Stadtmauern. Im Rumpf des Geschenks versteckten sich Soldaten und schlugen nachts zu. Auf diese Weise gewannen die Griechen den Trojanischen Krieg. Ganz so dramatisch geht es bei Microsoft und Nokia nicht zu. Doch manchen galt Nokia-Chef Stephen Elop von Anfang an als „trojanischer Manager“, vorgeschoben vom Softwareriesen aus Redmond, um Nokia am Ende zu übernehmen.

Elop schaffte es nun, nur den Teil an Microsoft zu übergeben, der für den Softwarekonzern wirklich zählt: die Hardwareproduktion. Wie die Unternehmen am Dienstag früh mitteilten, übernimmt Microsoft das Smartphone-Geschäft von Nokia. Der Preis liegt bei insgesamt 5,44 Milliarden Euro. Elop macht Platz für einen Übergangs-Chef bei Nokia und kehrt zurück zu seinen Wurzeln bei Microsoft.

Das dürfte die Gerüchte um den eingeschleusten Manager wieder schüren. Zum ersten Mal sah sich Elop im Jahr 2011 dem Vorwurf ausgesetzt, ein „trojanischer Manager“ zu sein. Erst im September 2010 war Elop damals von Microsoft zu Nokia gewechselt, bereits im Februar 2011 verkündete er eine milliardenschwere Kooperation mit dem US-Softwareriesen, die die Abkehr vom Nokia-eigenen Betriebssystem Symbian zur Folge hatte. Fortan liefen die Nokia-Smartphones mit dem Betriebssystem von Microsoft.

Für Elop könnte die Übernahme von Nokia durch Microsoft nun zusätzlich ein weiterer Karrieresprung sein. Seit der Ankündigung des Rückzugs von Steve Ballmer als Chef wird intensiv nach einem Nachfolger gesucht. Elop ist bereits seit längerem im Gespräch. Er werde voraussichtlich nach dem Abschluss der Übernahme im ersten Quartal 2014 zu Microsoft wechseln, teilte Nokia am Dienstag mit. Zur seiner künftigen Rolle bei Microsoft äußerten sich die beiden Unternehmen nicht.

Wird Elop tatsächlich der neue CEO, erinnert die Transaktion an 1997, als Steve Jobs zu Apple zurückkam. Damals kaufte Apple seine Firma Next, um ihn wieder an Bord zu holen und machte ihn später zum CEO. Elop brächte als Morgengabe die wichtigste Zukunftssparte Microsofts mit.

Dank des Kaufes wird Microsoft in Zukunft nicht nur eigene Tablets der Marke Surface vertreiben, sondern auch eigene Smartphones. In Finnland bleibt nur noch ein Torso des einstigen nationalen Vorzeigeunternehmens mit knapp der Hälfte des ursprünglichen Umsatzes zurück.


Nokia konzentriert sich künftig auf Karten- und Netzwerk-Geschäft

Das Geschäft gliedert sich in zwei Teile. Rund 3,79 Milliarden Euro werden für das Geschäft mit Geräten und Diensten fällig und und weitere 1,65 Milliarden Euro gibt es für Lizenzen auf Nokias Patente. Die bestehende Zusammenarbeit mit Nokias Kartendiensten, „Here“ genannt, wird fortgesetzt. Dafür fließen laufende Lizenzzahlungen.

Der Deal soll Anfang 2014 abgeschlossen werden, neben Elop werden weitere 32.000 Mitarbeiter zu Microsoft wechseln. Wie viele davon in Redmond bei Seattle eine Zukunft haben, ist ungewiss. Der Teil der „normalen“ Mobiltelefone mit dem Betriebssystem Symbian ist für Microsoft kaum von Bedeutung und die Verkaufszahlen fallen.

Nokia will sich künftig vor allem auf das Netzwerk-Geschäft und die Entwicklung seiner Kartendienste fokussieren, die bereits bei zahlreichen Fahrzeugherstellern Verwendung finden. Den ursprünglich gemeinsam mit Siemens betriebenen Netzausrüster NSN hat Nokia bereits zurückgekauft. Der notorische Verlustbringer zeigt erste Zeichen der Erholung, ist aber in einem massiv umkämpften Markt tätig, in dem selbst Giganten wie Cisco Federn lassen mussten und Billiganbieter wie der chinesische Huawei den Druck erhöhen.

Über eine Nokia-Übernahme durch Microsoft war spekuliert worden, seit 2011 Windows als einziges Smartphone-Betriebssystem bei Nokia eingeführt und eine exklusive Partnerschaft geschlossen wurde. Elop begründete den Schritt in einer denkwürdigen Ansprache mit dem notwendigen Sprung ins kalte Wasser, wenn man auf einer lichterloh brennenden Ölplattform steht.

Ballmer überwies jedes Jahr eine Milliardensumme an Marketing- und Forschungszuschüssen nach Espoo. Eine lohnende Investition, Nokia ist heute der wichtigste Hersteller von Smartphones mit dem Betriebssystem Windows Phone. Im vergangenen Quartal wurden 7,2 Millionen Geräte der Marke Nokia Lumia abgesetzt, womit Nokia schon alleine Blackberry vom dritten auf den vierten Platz bei Smartphones verdrängt hat. Wie andere Microsoft-Partner wie HTC oder Samsung das Geschäft aufnehmen, ist nicht bekannt.

Ballmer und Elop versprechen in einem gemeinsamen Brief, nun werde man das volle Potenzial des Windows-Ökosystems entfalten können. Es werde neue Telefone und Dienste geben, „die das Beste von Microsoft und das Beste von Nokia vereinen“.

Mitarbeit: Dana Heide.

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