Facebook Börsengang "Ein Boom, keine Blase"

Bildet sich mit dem Facebook-Börsengang eine neue Internetblase? Im Gegenteil, sagt John O’Farrell, Partner des bekannten Risikokapitalgebers Andreessen Horowitz. Für ihn beginnt das Geschäft im Internet gerade erst.

John O'Farell Quelle: Michael Sexton für WirtschaftsWoche

WirtschaftsWoche: Mr. O’Farrell, der erste Internet-Börsencrash, die sogenannte Dotcom-Blase von 2000, ist gerade gut zehn Jahre her. Steuern wir auf eine ähnliche Situation zu?

John O’Farrell: Ganz im Gegenteil. Wir erleben einen Boom und keine Blase. Man braucht heute viel weniger Kapital, um ein Technologieunternehmen zu starten und voranzutreiben. Programmierwerkzeuge für Software sind zehnmal effektiver und leistungsfähiger als Ende der Neunzigerjahre. Der Markt für Startups ist gigantisch. Man kann via Internet nun theoretisch zwei Milliarden Menschen direkt erreichen. Ein Unternehmen lässt sich mit geringen Kosten betreiben und kann trotzdem einen riesigen Markt ansprechen. Dieses Potenzial rechtfertigt höhere Bewertungen von Unternehmen.

1999 hieß es auch, das Internet kenne keine Wachstumsgrenzen, dann flohen Anleger panisch aus Dotcom-Aktien.

Ich habe nicht behauptet, es werde keine Blasen mehr geben. Aber im Moment sehe ich einfach keine. Die Trends in der Technologiebranche der vergangenen 40 Jahre zeigen, dass die meisten Zyklen im Schnitt 25 Jahre dauerten. Die große Wertschöpfung fand in den vergangenen fünf bis zehn Jahren des Zyklus statt. Wenn die Kommerzialisierung des Internets 1995 startete, dann befinden wir uns jetzt in dieser Wertschöpfungsphase. Ganz neue Trends wie das mobile Internet oder Cloud Computing stehen erst am Anfang. Es gab in der Branche noch nie so viele Umwälzungen gleichzeitig.

Die Billion-Dollar-Start-ups
Foursquare auf dem iPhone Quelle: dapd
airbnb Quelle: Screenshot
Das undatierte Firmenhandout des Internet-Musik-Diensts Spotify zeigt den Firmengründer einen Screenshot der Plattform Quelle: dpa
Bleacher ReportDie Sportseite Bleacher Report gibt es erst seit 2007. Mittlerweile besuchen rund 25 Millionen Nutzer pro Monat die Homepage, um sich Videos, Analysen und Hintergrundberichte zu verschiedensten Sportthemen anzusehen. Die Zahl der sogenannten unique user macht den bleacher report zur viertgrößten Sport-Website im Netz. Für Nachrichtendienste ohne Sportberichterstattung wäre der Kauf von br also eine Überlegung wert. Quelle: Screenshot
FabBei der Shopping-Community Fab macht pro Tag rund 300.000 Dollar Umsatz. Die mehr als drei Millionen Nutzer können über Fab nach ihren Lieblings-Designer-Stücken suchen und beim Einkauf bis zu 70 Prozent sparen. Das Unternhemen hinter der Community hat bereits 50 Millionen Dollar Investorengelder einsammeln können und ist derzeit um die 200 Millionen Dollar wert. Für Groupon oder andere Schnäppchen-Anbieter wäre Fab eine gute Ergänzung. Quelle: Screenshot
A visitor tries on the new game "Angry Birds Space" during a launching ceremony in Hong Kong Quelle: dapd
PathMit der App Path können Nutzer private Momente, Bilder und Videos mit ihren Freunden teilen. Path funktioniert quasi wie ein Tagebuch, das ein bestimmter Kreis von Menschen lesen darf und von dem bestimmte Einträge auch bei Twitter, Foursquare, Facebook oder Tumblr veröffentlicht werden können. Rund drei Millionen Menschen nutzen das soziale Netzwerk für unterwegs. Google hatte schon einmal bei Erfinder Dave Morin angeklopft und ein 100 Millionen Dollar für Path geboten. Morin lehnte jedoch ab. Quelle: Screenshot
SquareWer sich bei Square registriert, brauch nie mehr irgendeine Kreditkarte benutzen, sondern kann sein Handy dafür benutzen. Außerdem gibt es fürs eigene Gerät einen Kreditkartenleser. Erfunden hat das mobile Bezahlsystem der Twitter-Mitgründer Jack Dorsey. Für Visa oder Mastercard wäre Square eine schöne Bereicherung. Sie müssten allerdings mindestens eine Milliarde Dollar hinblättern, einige schätzen den Wert des Dienstes auch auf zwei Milliarden. Quelle: Screenshot
Eine Frau sitzt mit einer Pinnwandnadel vor einem Computerbildschirm, auf dem die Homepage und das Logo vom Foto-Netzwerk Pinterest zu sehen sind. Quelle: dpa
YammerYammer funktioniert wie Twitter für Firmen und wird für die private Kommunikation innerhalb der Unternehmen genutzt. Die Zugänge zu einem Yammer-Netzwerk werden streng personalisiert, so dass auch nur Leute einer Firma in einem Netzwerk sind. Das Ganze lässt sich natürlich auch auf einzelne Abteilungen oder Teams herunter brechen. Quelle: Screenshot

Woran machen Sie fest, dass die aktuell hohen Preise für Internet-Firmen keine generelle Überbewertung darstellen?

Dann würden beispielsweise die Börsenbewertungen allgemein massiv steigen. Dafür gibt es aber keine Anzeichen. Im Gegenteil, Technologieaktien sind sehr konservativ, meiner Meinung nach sogar zu gering bewertet.

Wie finden Sie für Ihr Unternehmen interessante Startups, die nicht im Handumdrehen kopiert werden und dadurch geringere Erfolgsaussichten haben?

Wir suchen Gründer mit Technologiehintergrund aus, die ein Produkt voranbringen und gleichzeitig ein Unternehmen führen können. Erfolgreiche Unternehmen wie Facebook, Google und Oracle werden noch immer von ihren Gründern geführt, an der Spitze von Apple stand die entscheidenden Jahre vor seinem Tod Gründer Steve Jobs.

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