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Facebook Wie Mark Zuckerberg einen Mediengiganten schmiedet

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Stabiles Führungsteam

Mit Ausnahme einer zweimonatigen Auszeit nach der Geburt seiner Tochter Max Ende November verbringt er die meiste Zeit an seinem Schreibtisch im Hauptquartier, inmitten seiner Mitarbeiter. Reisen tut er nur ungern. Das hilft ihm, eine alte Tradition aus Start-up-Tagen aufrechtzuerhalten, nämlich regelmäßig der Belegschaft Rede und Antwort zu stehen. Auch wenn die Fragen nun vorab koordiniert werden müssen, weil Facebook mittlerweile 12 000 Mitarbeiter auf der ganzen Welt beschäftigt.

Im Silicon Valley, wo das Abwerben von hochrangigen Managern und Talenten Alltag ist, hat Zuckerberg sein Führungsteam stabil gehalten. Es ist mit vier Personen – Sheryl Sandberg (Operatives), David Wehner (Finanzen), Mike Schroepfer (Technik) und Chris Cox (Produkte) – noch immer recht übersichtlich.

Facebooks wichtigste Stütze ist Sandberg, die er 2008 von Google abwarb und vier Jahre später mit einem Posten im Aufsichtsrat belohnte. Die 15 Jahre ältere Managerin verlieh Facebook Glaubwürdigkeit besonders beim Verhandeln mit Anzeigenkunden, die bisher einen Großteil des Umsatzes beisteuern. Zusammen haben die Ex-Google-Frau und der Spross eines Zahnarztes aus dem Dorf Dobbs Ferry bei New York so aus dem 2004 an der Eliteuni Harvard ersonnenen und lange Zeit als „Kartenhaus“ verspotteten Netzwerk einen profitablen Weltkonzern geformt. Im vergangenen Jahr setzte Facebook rund 12,5 Milliarden Dollar um. Etwa das Dreifache von Wettbewerber Yahoo, der seit Jahren schrumpft und im Onlineanzeigengeschäft mittlerweile von Facebook abgehängt ist. Zuckerbergs Unternehmen ist vor allem – im Gegensatz zum Businessnetzwerk LinkedIn oder dem Kurznachrichtendienst Twitter – profitabel. Im vergangenen Jahr erzielte das soziale Netzwerk drei Milliarden Dollar Gewinn.

Zuckerberg verheimlicht zwar nicht, dass er nach neuer Größe strebt. Allerdings hält sich sein Weltverbesserungsgestus im Vergleich zu anderen Netzgrößen wie Google-Vordenker Larry Page, Amazon-Chef Jeff Bezos oder Alles-neu-Erfinder Elon Musk innerhalb gut geordneter Grenzen. Im Gegensatz zu Google etwa, das vom selbstfahrenden Auto bis zu lebensverlängernden Methoden in alle möglichen zukunftsträchtigen Technologien investiert, konzentriert sich Zuckerberg weiterhin aufs ursprüngliche Unternehmensmotto: „Connecting people“ – das Verbinden von Menschen. Nicht, dass er weniger ambitioniert wäre als Larry Page und Sergey Brin. Wie die Google-Gründer will auch Zuckerberg die Welt verbessern. Auch privat, über die Chan Zuckerberg Initiative, die neben der Bill und Melinda Gates Stiftung momentan größte wohltätige Privatstiftung der Welt. Sie soll sich vor allem für die Chancengleichheit von Kindern einsetzen.

Aber als Facebook-Chef setzt er für sein Unternehmen Prioritäten. Was auch daran liegen mag, dass etwa Google im vergangenen Jahr viermal so viel Profit wie Facebook erzielte und somit mehr Spielraum für ganz große Würfe hat.

Wenn Facebook etwa Entwicklungsländer mit besseren Internetverbindungen via Drohnen oder Satellit ausstattet, kommt das nicht nur den bedachten Ländern zugute. Es verursacht zwar, wie zum Jahresauftakt in Indien, ab und an Diskussionen über mögliche Allmachtsfantasien von Facebook, beschert dem Unternehmen aber vor allem zusätzliche Nutzer.

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