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Facebook Wie Mark Zuckerberg einen Mediengiganten schmiedet

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Wachsam sein, anpassen, nachmachen, übernehmen

Im elften Jahr an der Spitze von Facebook hat Zuckerberg die Formel gefunden, um sein Imperium agil zu halten und weiter auszubauen. Sie lautet: wachsam sein, anpassen und vor allem nachmachen oder übernehmen. Zur Not auch mithilfe von Milliardensummen.

Zwei Milliarden Dollar hat Zuckerberg bereits für die erste Wegstrecke investiert, durch den Kauf der Datenbrille Oculus Rift, entwickelt von dem 23-jährigen kalifornischen Tüftler Palmer Luckey, der eigentlich Journalist werden wollte. Der Multimillionär arbeitet nun für ihn daran, virtuelle Realität so normal wie Fernsehen zu machen. In Zuckerbergs Wunderkammer ist für die Datenbrille, die Ende März für 600 Dollar plus 900 Dollar für den nötigen Grafikcomputer auf den Markt kommt, extra ein kleines, fensterloses Studio reserviert.

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Die Brille fühlt sich leichter an, als sie aussieht. Aufgesetzt, Kopfhörer übergestülpt und plötzlich hat man dank der auf die Brille projizierten Bilder das Gefühl, mitten auf dem Petersplatz in Rom zu stehen, fliegt plötzlich über gähnende Felsschluchten, findet sich dann im Kosmos wieder, unter sich die Erde. Um einen Augenblick später Auge in Auge mit einem Zeichentrick-Igel in dessen Höhle zu sitzen, der einen seufzend anblickt und eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen anbietet.

Ein surreales Erlebnis, ganz ohne Drogen, nur durch die Macht der Bilder. Und doch die nächste Stufe der Realität.

Viele Beobachter der Techwelt haben Zuckerbergs Interesse an dem Gerät zunächst nicht verstanden. Auch Zuckerberg dämmerte der Wert der Datenbrille erst, als er sie selber ausprobiert hatte. Für ihn ist die virtuelle Realität eine „neue Plattform“. Die – im Gegensatz zu Smartphones – Facebook diesmal selber prägen kann. Doch die Konkurrenz ist zahlreich. Sony, Microsoft und Google treten mit eigenen Produkten an. Samsung hat Technologie von Oculus lizenziert, arbeitet wie Apple aber auch an einer eigenen Lösung. Noch ist unklar, wie rasch sich virtuelle und erweiterte Realität, also das Projizieren von visuellen Inhalten direkt in die Umwelt, durchsetzen. Oder ob sie auf absehbare Zeit Nischen besetzen, also eher für noch realistischere Computerspiele genutzt werden als zum täglichen Kommunzieren.

Das sind die Superreichen der Internet-Branche
Er hat gut Lachen: Hasso Plattner ist der vermögendste deutsche IT-Milliardär, den Forbes in der Liste der 100 reichsten Internet-Milliardäre gelistet hat. Demnach hat der SAP-Mitbegründer ein Vermögen von 9,4 Milliarden US-Dollar angespart. Quelle: Forbes Magazine. Kriterium, um in die Liste aufgenommen zu werden, ist ein Vermögen von mindestens zwei Milliarden Dollar. Quelle: REUTERS
Michael Saul Dell hat dem weltweit drittgrößten PC-Herstellers Dell seinen Namen verliehen. 19,4 Milliarden US-Dollar hat er damit verdient. Quelle: dpa
Nach Angaben des Forbes Magazine gehört die Witwe des einstigen Apple-Chefs Steve Jobs zu den reichsten US-Amerikanern. Ihr Vermögen wird auf 21,4 Milliarden US-Dollar beziffert.
Nummer acht ist der langjährige Microsoft-Chef Steve Ballmer, Fan und Besitzer des Basketball-Vereins Los Angeles Clippers. Ihm gehören nicht weniger als 22,7 Milliarden US-Dollar. Quelle: AP
Kein Grund, so skeptisch dreinzublicken: 33 Internet-Milliardäre stammen laut Forbes aus Asien, darunter der Alibaba-Gründer Jack Ma auf Platz sieben mit einem Vermögen von 23,2 Milliarden US-Dollar. Quelle: REUTERS
Sergey Brin entwickelte zusammen mit Larry Page die Suchmaschine Google. Der Prototyp wurde am 7. September 1998 gestartet. Mittlerweile hat der 41-Jährige ein Vermögen von 32,8 Milliarden US-Dollar angehäuft. Quelle: AP
Brins Kompagnon hat noch etwas mehr gespart. Laut Forbes besitzt der gelernte Informatiker Page mittlerweile 33,4 Milliarden US-Dollar. Quelle: REUTERS

Zuckerberg könnte das Gerangel um den neuen Markt entgegenkommen. Je mehr Wettbewerb, umso mehr Innovation, desto geringere Preise. Der wahre Wert wird nicht in der Hardware liegen, sondern im Bereitstellen und Vermarkten der Inhalte. Der Schlüssel liegt im Zugang zum Publikum. Und da ist Facebook mit Blick auf seine bisherigen Nutzerzahlen gut aufgestellt.

Zudem die Technik für Zuckerberg mehr ist als nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zur perfekten elektronischen Unterhaltung. Er glaubt, die Datenbrille ermöglicht dereinst computergestützte Telepathie: „Eines Tages, so glaube ich, werden wir damit unsere Gedanken zu anderen schicken und austauschen“, schwärmt der Internetmogul. Er selber wäre „der eifrigste Nutzer dieser ultimativen Kommunikationstechnologie“, die jeden Ort und künftig sogar Gefühle und Stimmungen simulieren kann.

Eine Utopie? Ein Albtraum? Ob fantastisch oder nicht – klar ist, dass der Internetunternehmer die Ressourcen hat, um seine Ideen voranzutreiben. Die nötigen Bausteine für ein Medienimperium besitzt er bereits.

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