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Facebook Wie Mark Zuckerberg einen Mediengiganten schmiedet

Mark Zuckerberg will Facebook zum größten Medienkonzern der Welt formen. Dafür scheut er weder Investitionen, Risiken noch Tabubrüche. Einblicke in die ehrgeizigste Zukunftswerkstatt des Silicon Valley.

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Mark Zuckerberg formt Facebook zum größten Medienkonzern. Quelle: dpa Picture-Alliance

Auf dem Weg in die Zukunft von Facebook passiert der Besucher zunächst unendliche Büroweiten im neuen Hauptgebäude des sozialen Netzwerkes am Rande des Silicon-Valley-Städtchens Menlo Park. Der amerikanische Stararchitekt Frank Gehry hat hier das gigantischste Großraumbüro der Welt mit Platz für 2800 Mitarbeiter auf 40.000 Quadratmetern entworfen. In der lichtdurchfluteten Halle gibt es bewusst keine Zwischenwände, nur ab und an Boxen für Konferenzräume und Toiletten. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg, der im Sommer hier eingezogen ist, mag diese Transparenz. Ein markierter Rundgang im Innern führt an Hunderten von Schreibtischen entlang. Sie sind gepflastert mit Monitoren, gesäumt von Whiteboards und Wegweisern zur Orientierung. Dank der hohen Decken ist es ungewohnt ruhig.

Alles ist gewollt offen. Bis auf die Holzwand in der rechten hinteren Ecke des Gebäudes, vor der ein Wachmann postiert ist. Hinter einer schmalen Tür befinden sich die Pläne für die nächsten 5, 10, vielleicht sogar 20 Jahre von Facebook – die Meilensteine auf dem Weg zu einem Medienkonzern, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hat. Ohne eigene Inhalte, dafür mit einem mächtigen digitalen Vertriebsnetz, das derzeit 1,55 Milliarden Nutzer weltweit erreicht.

Facebook in Zahlen

Schon heute ist Facebook – ein quasi virtuelles Unternehmen, das größtenteils in Rechenzentren residiert – an der Börse sagenhafte 268 Milliarden Dollar wert. 110 Milliarden mehr als Disney, das derzeit größte traditionelle Medienunternehmen. Für Facebook-Schöpfer Zuckerberg hat die Expansion erst begonnen. Seine ursprüngliche Geschäftsidee, „Menschen zu verbinden“, will er mit dem Schaffen des „ultimativen Kommunikationsmediums“ ausbauen. Eines, das Fernsehen, Computer und Smartphone vereinen soll und „Menschen erlaubt, alles zu erleben“. Auch Dinge, die in der realen Welt nicht möglich sind, ein Mix aus Fantasie und Realität, ein digitaler Vergnügungspark. All das, ohne die eigenen vier Wände verlassen zu müssen. „Es wird ziemlich verrückt sein“, verspricht er.

Die beliebtesten Apps in Deutschland
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Die Grundideen dafür, illustriert mit Fotos und Modellen in Schauboxen, befinden sich auf etwa 100 Quadratmetern in dem abgeschirmten Areal. Recht einfach, markiert durch Schriftzüge aus blauen Neonlampen. Es sind die Konzepte, die aus dem sozialen Netzwerk, das bisher meist im Schatten der großen, disruptiven Innovatoren aus der US-Netzökonomie wie Google, Apple oder auch Amazon stand und als bessere Digitalwerbeagentur mit angeschlossener Digitaldatenkartei belächelt wurde, den prägenden Konzern des nächsten Netzzeitalters formen sollen:

- „Connectivity“ flackert für die eigenen, selbst entworfenen Datenzentren in drei US-Städten und in Schweden, die Fotos, Videos und Texte von 1,5 Milliarden Facebook-Nutzern speichern sowie Inhalte von professionellen Medienproduzenten wie Zeitungen, Zeitschriften und Filmstudios. Und sich über Satellit, Mobilfunk, solarbetriebene Drohnen, Glasfaser und Kupferkabel bis in den letzten Winkel beamen lassen.

- „Intelligence“ umfasst die Helfer aus künstlicher Intelligenz, die diese gigantischen Inhalte auswerten, zusammenführen und sie auf die individuellen Geschmäcker der Nutzer zuschneiden.

- „Perception“ steht für die Expedition in die Sinne der Facebook-Nutzer.

Wachsam sein, anpassen, nachmachen, übernehmen

Im elften Jahr an der Spitze von Facebook hat Zuckerberg die Formel gefunden, um sein Imperium agil zu halten und weiter auszubauen. Sie lautet: wachsam sein, anpassen und vor allem nachmachen oder übernehmen. Zur Not auch mithilfe von Milliardensummen.

Zwei Milliarden Dollar hat Zuckerberg bereits für die erste Wegstrecke investiert, durch den Kauf der Datenbrille Oculus Rift, entwickelt von dem 23-jährigen kalifornischen Tüftler Palmer Luckey, der eigentlich Journalist werden wollte. Der Multimillionär arbeitet nun für ihn daran, virtuelle Realität so normal wie Fernsehen zu machen. In Zuckerbergs Wunderkammer ist für die Datenbrille, die Ende März für 600 Dollar plus 900 Dollar für den nötigen Grafikcomputer auf den Markt kommt, extra ein kleines, fensterloses Studio reserviert.

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Die Brille fühlt sich leichter an, als sie aussieht. Aufgesetzt, Kopfhörer übergestülpt und plötzlich hat man dank der auf die Brille projizierten Bilder das Gefühl, mitten auf dem Petersplatz in Rom zu stehen, fliegt plötzlich über gähnende Felsschluchten, findet sich dann im Kosmos wieder, unter sich die Erde. Um einen Augenblick später Auge in Auge mit einem Zeichentrick-Igel in dessen Höhle zu sitzen, der einen seufzend anblickt und eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen anbietet.

Ein surreales Erlebnis, ganz ohne Drogen, nur durch die Macht der Bilder. Und doch die nächste Stufe der Realität.

Viele Beobachter der Techwelt haben Zuckerbergs Interesse an dem Gerät zunächst nicht verstanden. Auch Zuckerberg dämmerte der Wert der Datenbrille erst, als er sie selber ausprobiert hatte. Für ihn ist die virtuelle Realität eine „neue Plattform“. Die – im Gegensatz zu Smartphones – Facebook diesmal selber prägen kann. Doch die Konkurrenz ist zahlreich. Sony, Microsoft und Google treten mit eigenen Produkten an. Samsung hat Technologie von Oculus lizenziert, arbeitet wie Apple aber auch an einer eigenen Lösung. Noch ist unklar, wie rasch sich virtuelle und erweiterte Realität, also das Projizieren von visuellen Inhalten direkt in die Umwelt, durchsetzen. Oder ob sie auf absehbare Zeit Nischen besetzen, also eher für noch realistischere Computerspiele genutzt werden als zum täglichen Kommunzieren.

Das sind die Superreichen der Internet-Branche
Er hat gut Lachen: Hasso Plattner ist der vermögendste deutsche IT-Milliardär, den Forbes in der Liste der 100 reichsten Internet-Milliardäre gelistet hat. Demnach hat der SAP-Mitbegründer ein Vermögen von 9,4 Milliarden US-Dollar angespart. Quelle: Forbes Magazine. Kriterium, um in die Liste aufgenommen zu werden, ist ein Vermögen von mindestens zwei Milliarden Dollar. Quelle: REUTERS
Michael Saul Dell hat dem weltweit drittgrößten PC-Herstellers Dell seinen Namen verliehen. 19,4 Milliarden US-Dollar hat er damit verdient. Quelle: dpa
Nach Angaben des Forbes Magazine gehört die Witwe des einstigen Apple-Chefs Steve Jobs zu den reichsten US-Amerikanern. Ihr Vermögen wird auf 21,4 Milliarden US-Dollar beziffert.
Nummer acht ist der langjährige Microsoft-Chef Steve Ballmer, Fan und Besitzer des Basketball-Vereins Los Angeles Clippers. Ihm gehören nicht weniger als 22,7 Milliarden US-Dollar. Quelle: AP
Kein Grund, so skeptisch dreinzublicken: 33 Internet-Milliardäre stammen laut Forbes aus Asien, darunter der Alibaba-Gründer Jack Ma auf Platz sieben mit einem Vermögen von 23,2 Milliarden US-Dollar. Quelle: REUTERS
Sergey Brin entwickelte zusammen mit Larry Page die Suchmaschine Google. Der Prototyp wurde am 7. September 1998 gestartet. Mittlerweile hat der 41-Jährige ein Vermögen von 32,8 Milliarden US-Dollar angehäuft. Quelle: AP
Brins Kompagnon hat noch etwas mehr gespart. Laut Forbes besitzt der gelernte Informatiker Page mittlerweile 33,4 Milliarden US-Dollar. Quelle: REUTERS

Zuckerberg könnte das Gerangel um den neuen Markt entgegenkommen. Je mehr Wettbewerb, umso mehr Innovation, desto geringere Preise. Der wahre Wert wird nicht in der Hardware liegen, sondern im Bereitstellen und Vermarkten der Inhalte. Der Schlüssel liegt im Zugang zum Publikum. Und da ist Facebook mit Blick auf seine bisherigen Nutzerzahlen gut aufgestellt.

Zudem die Technik für Zuckerberg mehr ist als nur ein weiterer Schritt auf dem Weg zur perfekten elektronischen Unterhaltung. Er glaubt, die Datenbrille ermöglicht dereinst computergestützte Telepathie: „Eines Tages, so glaube ich, werden wir damit unsere Gedanken zu anderen schicken und austauschen“, schwärmt der Internetmogul. Er selber wäre „der eifrigste Nutzer dieser ultimativen Kommunikationstechnologie“, die jeden Ort und künftig sogar Gefühle und Stimmungen simulieren kann.

Eine Utopie? Ein Albtraum? Ob fantastisch oder nicht – klar ist, dass der Internetunternehmer die Ressourcen hat, um seine Ideen voranzutreiben. Die nötigen Bausteine für ein Medienimperium besitzt er bereits.

Abteilung für künstliche Intelligenz

Der Disney-Konzern ist groß geworden, weil sein Gründer Walt Disney mit selbst geschaffenen Charakteren, Figuren, Filmen und Themenparks nach und nach ein weltweites Publikum eroberte. Bei Facebook ist das Publikum in Form von 1,55 Milliarden Zuschauern bereits vorhanden. Die schaffen selber Inhalte, fotografieren, filmen, kommentieren, kopieren. Ergänzt durch die Inhalte von professionellen Medienkonzernen, die mehr und mehr ihrer Produkte direkt in Facebooks Datenzentren laden, damit sie schneller bereitgestellt werden können.

Künstliche Intelligenz ordnet die Inhalte und stellt ein maßgeschneidertes Programm für jeden einzelnen Empfänger zusammen, das in deren Bewusstsein gebeamt wird. Dafür hat Zuckerberg eine eigene Abteilung für künstliche Intelligenz geschaffen, geführt von dem gebürtigen Franzosen Yann LeCun. Er und sein Team haben bereits Software entwickelt, die nicht nur die Gesichter von Facebook-Nutzern in Fotos automatisch identifizieren kann – eine Funktion, die in Deutschland unterdrückt ist –, sondern auch Gegenstände, Formen und Farben.

Die nervigsten Facebook-Typen
Facebook-Symbol, Auge Quelle: REUTERS
Facebook, Frau mit Handy Quelle: dpa
Dann gibt es natürlich noch die Spaßvögel, die immer und auf Teufel komm raus lustig sein müssen. Es gelingt ihnen aber leider so gut wie nie, andere zum Lachen zu bringen. Quelle: Fotolia
Dagegen gibt es natürlich auch die Zyniker, die nie lustig sind, sondern mit jeder Statusmeldung miese Stimmung verbreiten. Ein ähnlicher Quell der Freude sind diejenigen, aus deren Posts der Hass auf alles nur so herausquillt. Diese Typen sind überzeugt, dass andere ihr (hassenswertes) Leben zerstören wollen. Quelle: Fotolia
Kinder mit Laptops Quelle: obs
"Ich bin mit Tim bei Angelo essen", "Jetzt gehe ich mit Sabine ins Kino", "Schnell noch mit meinem Hund Bello spazieren, dann einen Tee trinken, dann den blauen Schlafanzug anziehen, Zähne putzen und ins Bett gehen" - so mancher Facebook-Nutzer ist ein lebender Nachrichtenticker und hält Sie ständig darüber auf dem Laufenden, was er wo mit wem tut - ob Sie sich dafür interessieren oder nicht. Ähnlich angenehme Zeitgenossen sind diejenigen, die ihr Netzwerk täglich mit einem "guten Morgen" begrüßen und abends mit "Gute Nacht" verabschieden. Quelle: dpa
Gamer Quelle: dpa

Sie könnten künftig das Unterhaltungsprogramm zusammenstellen. Ein Hollywood der Zukunft, das seine Zuschauer nicht mehr nur passiv beschallt. Wo sie Teil des Mediums sind, förmlich in ihm leben und es gestalten. Sekundiert von künstlicher Intelligenz, die schon jetzt mehr über ihre Vorlieben und Abneigungen weiß als der jeweilige Lebenspartner. Bei dem Algorithmen entscheiden, was gerade hilfreich, relevant und vor allem unterhaltsam ist. Und auch, was nicht gezeigt wird. Eine Menge Macht also.

Wer beim Datenschutz gute Noten bekommt
Ist Datenschutz schon in Deutschland eine heikle Sache, sieht es in den USA noch viel kritischer aus: Die dortigen Ermittlungsbehörden wie die NSA haben durch den Patriot Act, der nach den Anschlägen des 11. September 2001 erlassen und kürzlich leicht abgemildert wurde, viel umfassendere Rechte und Befugnisse zur Abfrage von Daten von Privatpersonen. Und diese nutzen sie auch, während die Gesetze und Regulierungen im Bereich Datenmanagement und Datenschutz mit den technologischen Entwicklungen nicht mithalten können. Die Nichtregierungsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) will mit ihrem regelmäßigen Datenschutz-Report „Who has your back“ auf dieses Problem aufmerksam machen. EFF untersucht 24 große IT- und Telekomunternehmen daraufhin, wie sie mit dem Thema Datenschutz umgehen. Quelle: dpa
Der Report bewertet einerseits, ob sich Firmen gegen teils willkürliche staatliche Überwachung wehren. Zudem wird die Transparenz bewertet, die Firmen darüber herstellen, ob und wie staatlichen Ermittlungsbehörden bei ihnen Zugriff auf Nutzerdaten fordern. Die EFF hat über vier Jahre die Praktiken großer Internet- und IT-Konzerne beobachtet und analysiert, ob die Firmen ihren Fokus eher auf den Schutz der Nutzerdaten oder eher auf die Kooperation mit staatlichen Ermittlern legen. Dabei konnten sie in den vergangenen vier Jahren eine Entwicklung feststellen. Quelle: AP
Während das Thema Datenschutz vor vier Jahren bei kaum einem Unternehmen auf der Agenda stand, hat nun – einige Snowden-, Wikileaks-Enthüllungen und Spähaffären später – laut EFF ein Umdenken eingesetzt: Viele Firmen veröffentlichen Reports über ihren Umgang mit Nutzerdaten und über Regierungsanfragen nach Nutzerdaten. Quelle: dpa
Die EFF hat die Entwicklungen damit aufgefangen, dass sie die Firmen nun unter anderem in der Kategorie des industrieweiten Standards vorbildlicher Praktiken bewerten. Ihre Kriterien im Überblick: 1. Unter dem erwähnten industrieweiten Standard verstehen die Aktivisten etwa, dass die Firma den Staat bei einer Datenanfrage nach einer offiziellen Vollmacht für den spezifischen Fall fragt. Außerdem wird erwartet, dass das Unternehmen einen Transparenzreport über staatliche Anfragen veröffentlicht und dass die Firma deutlich macht, wie sie mit den Regierungsanfragen formell verfährt. 2. In einer weiteren Kategorie wird geprüft, ob Internetfirmen die jeweiligen Nutzer einzeln informieren, wenn sie beziehungsweise ihre Daten von Regierungsanfragen betroffen waren. Als Best Practice Beispiel gelten die Firmen, die ihre Nutzer schon vor der Weitergabe über solche staatlichen Anfragen informieren, sodass diese sich juristisch zur Wehr setzen können. Quelle: dpa
3. Die Aktivisten checkten auch, ob Firmen bekannt machen, wie lange sie Nutzerdaten speichern. Es wurde dabei nicht bewertet, wie lange die Unternehmen IP-Logins, Übersichten über individuellen Datentransfer und auch eigentlich bereits gelöschte Daten speichern und für Ermittlungen verfügbar halten – es geht nur um die Transparenz. 4. Regierungen und staatliche Ermittlungsstellen fragen nicht nur Nutzerdaten an, teils verlangen sie von Internet- und Telekomkonzernen auch, unliebsame Nutzer zu blockieren oder Nutzeraccounts zu schließen. Für diese Praxis war zuletzt insbesondere Facebook kritisiert worden, das einige Insassen von Gefängnissen an der Eröffnung eines Accounts hinderte. Auch Informationen darüber honorierten die Aktivisten mit einer positiven Bewertung, wobei ihnen besonders Twitter in dieser Kategorie mit einem umfangreichen Report über Lösch-Gesuche positiv auffiel. 5. Unternehmen bekamen auch eine positive Bewertung, wenn sie sich im öffentlichen Diskurs gegen staatlich geduldete oder gar intendierte Hintertüren in Software und Netzwerken stellen. 21 von 24 untersuchten Firmen nehmen mittlerweile eine solche kritische Position gegenüber dem Überwachungsstaat ein. Quelle: dpa
Adobe hat laut den Aktivisten in den vergangenen Jahren alle Best Practice Standards übernommen, die in der Branche etabliert sind. Adobe verlangt von Ermittlungsbehörden eine explizite Erlaubnis, Daten von Nutzern anzufordern und bekennt sich zudem öffentlich dazu, keine Hintertüren in die eigene Software einzubauen. „Alle Regierungsanfragen für Nutzerdaten müssen bei uns durch den Vordereingang kommen“, schreibt Adobe in seinem Transparenzreport. Die EFF wertet eine solche starke Position gegen die früher gängige Praxis als bemerkenswert – unabhängig von der Wahrhaftigkeit. Quelle: AP
Triumph für Tim Cook. Apple erfüllt alle Kriterien der Aktivisten für möglichst große Transparenz im Bereich Datensicherheit. Der IT-Konzern lässt allerdings einige Hintertürchen offen, neben den Verpflichtungen zur Verschwiegenheit, die ihm etwa durch Gerichte in Einzelfällen auferlegt werden können. Apple behält sich vor, Nutzer nicht über eine Datenabfrage zu informieren, wenn dies nach Einschätzung des Unternehmens gefährlich für das Leben oder die Unversehrtheit von Personen werden könnte. Dies lässt Raum zur Deutung. Quelle: REUTERS

Der Facebook-Chef besitzt die nötige persönliche Energie, Jugend, Entschlossenheit und Flexibilität, um in den nächsten Jahrzehnten seine Vorstellungen von der Zukunft konsequent durchzusetzen. Nicht nur wegen seiner Autorität als Gründer, sondern auch wegen der unangefochtenen Kontrolle über sein Unternehmen dank Mehrfachstimmrechten. Auch das Versprechen, 99 Prozent seiner Facebook-Anteile im Wert von derzeit rund 39 Milliarden Dollar in eine von ihm und seiner Ehefrau Priscilla Chan gegründeten, wohltätigen Stiftung einzubringen, hat nichts daran geändert.

An Zuckerberg vorbei kann nichts entschieden werden. Mit Angriffen von Finanzinvestoren – mit denen sich etwa Yahoo oder Ebay herumschlagen müssen und von denen seitdem wenig Visionäres zur Zukunft der Netzwelt zu vernehmen ist – muss er sich nicht herumplagen. Der Erfolg und Reichtum ist ihm auch nicht zu Kopf gestiegen.

Stabiles Führungsteam

Mit Ausnahme einer zweimonatigen Auszeit nach der Geburt seiner Tochter Max Ende November verbringt er die meiste Zeit an seinem Schreibtisch im Hauptquartier, inmitten seiner Mitarbeiter. Reisen tut er nur ungern. Das hilft ihm, eine alte Tradition aus Start-up-Tagen aufrechtzuerhalten, nämlich regelmäßig der Belegschaft Rede und Antwort zu stehen. Auch wenn die Fragen nun vorab koordiniert werden müssen, weil Facebook mittlerweile 12 000 Mitarbeiter auf der ganzen Welt beschäftigt.

Im Silicon Valley, wo das Abwerben von hochrangigen Managern und Talenten Alltag ist, hat Zuckerberg sein Führungsteam stabil gehalten. Es ist mit vier Personen – Sheryl Sandberg (Operatives), David Wehner (Finanzen), Mike Schroepfer (Technik) und Chris Cox (Produkte) – noch immer recht übersichtlich.

Facebooks wichtigste Stütze ist Sandberg, die er 2008 von Google abwarb und vier Jahre später mit einem Posten im Aufsichtsrat belohnte. Die 15 Jahre ältere Managerin verlieh Facebook Glaubwürdigkeit besonders beim Verhandeln mit Anzeigenkunden, die bisher einen Großteil des Umsatzes beisteuern. Zusammen haben die Ex-Google-Frau und der Spross eines Zahnarztes aus dem Dorf Dobbs Ferry bei New York so aus dem 2004 an der Eliteuni Harvard ersonnenen und lange Zeit als „Kartenhaus“ verspotteten Netzwerk einen profitablen Weltkonzern geformt. Im vergangenen Jahr setzte Facebook rund 12,5 Milliarden Dollar um. Etwa das Dreifache von Wettbewerber Yahoo, der seit Jahren schrumpft und im Onlineanzeigengeschäft mittlerweile von Facebook abgehängt ist. Zuckerbergs Unternehmen ist vor allem – im Gegensatz zum Businessnetzwerk LinkedIn oder dem Kurznachrichtendienst Twitter – profitabel. Im vergangenen Jahr erzielte das soziale Netzwerk drei Milliarden Dollar Gewinn.

Zuckerberg verheimlicht zwar nicht, dass er nach neuer Größe strebt. Allerdings hält sich sein Weltverbesserungsgestus im Vergleich zu anderen Netzgrößen wie Google-Vordenker Larry Page, Amazon-Chef Jeff Bezos oder Alles-neu-Erfinder Elon Musk innerhalb gut geordneter Grenzen. Im Gegensatz zu Google etwa, das vom selbstfahrenden Auto bis zu lebensverlängernden Methoden in alle möglichen zukunftsträchtigen Technologien investiert, konzentriert sich Zuckerberg weiterhin aufs ursprüngliche Unternehmensmotto: „Connecting people“ – das Verbinden von Menschen. Nicht, dass er weniger ambitioniert wäre als Larry Page und Sergey Brin. Wie die Google-Gründer will auch Zuckerberg die Welt verbessern. Auch privat, über die Chan Zuckerberg Initiative, die neben der Bill und Melinda Gates Stiftung momentan größte wohltätige Privatstiftung der Welt. Sie soll sich vor allem für die Chancengleichheit von Kindern einsetzen.

Aber als Facebook-Chef setzt er für sein Unternehmen Prioritäten. Was auch daran liegen mag, dass etwa Google im vergangenen Jahr viermal so viel Profit wie Facebook erzielte und somit mehr Spielraum für ganz große Würfe hat.

Wenn Facebook etwa Entwicklungsländer mit besseren Internetverbindungen via Drohnen oder Satellit ausstattet, kommt das nicht nur den bedachten Ländern zugute. Es verursacht zwar, wie zum Jahresauftakt in Indien, ab und an Diskussionen über mögliche Allmachtsfantasien von Facebook, beschert dem Unternehmen aber vor allem zusätzliche Nutzer.

Zukäufe

Zuckerberg nutzt seine finanziellen und zeitlichen Ressourcen, um seine Haupteinnahmequelle Facebook attraktiv zu halten. Als beispielsweise sein Plan floppte, den Startschirm der Mobiltelefone zu erobern, verlagerte er einfach alle Bemühungen in seine eigene App. Die ist mittlerweile beliebter als Apps von Wettbewerber Google, obwohl dieser das populärste Mobilbetriebssystem der Welt kontrolliert. Kommen eigene Projekte nicht vom Fleck, wird zugekauft. So wie bei Instagram. Der im Oktober 2010 gestartete, mobile Fotodienst hatte zwar nur eine Handvoll Mitarbeiter und keinerlei Einnahmen. Dafür aber im Frühjahr 2012 schon 100 Millionen begeisterte Nutzer. Ein möglicher Konkurrent, erkannte Zuckerberg schnell.

Höchstpersönlich überredete er den Instagram-Mitschöpfer Kevin Systrom mit seinem Start-up ins Facebook-Reich zu wechseln. Dank seiner Macht im Unternehmen benötigte er dafür keine langwierige Überzeugungsarbeit im Aufsichtsrat. 800 Millionen Dollar offerierte Zuckerberg, Zugriff auf Facebooks Infrastruktur, Investitionen und die Zusicherung, den Dienst innerhalb von Facebook eigenständig führen zu können. In diesem Jahr, so schätzt das Marktforschungsunternehmen eMarketer wird Instagram bereits 600 Millionen Dollar mit Werbung umsetzen, im nächsten Jahr sollen es bereits knapp 1,5 Milliarden Dollar sein.

Auch beim Kurznachrichtendienst WhatsApp zögerte Zuckerberg nicht lange – und zeigte, dass er auch das alte Managementspiel aus teile und herrsche versteht: Zwar war WhatsApp mit einem Rekordpreis von rund 20 Milliarden Dollar kein Schnäppchen. Dennoch musste Zuckerberg noch etwas drauflegen, was sich für Geld nicht kaufen lässt: Einfluss. Um den Deal zu besiegeln, offerierte Zuckerberg einen Platz im Aufsichtsrat. Dort sitzt jetzt WhatsApp-Mitgründer Jan Koum. Aus dem Stand ist der gebürtige Ukrainer damit zu einem der mächtigsten Männer des Silicon Valley aufgestiegen. Gemeinsam mit seinem Mitgründer Brian Acton genießt er genau wie die Instagram-Schöpfer seine Autonomie innerhalb des Facebook-Imperiums.

Nicht alle hat Zuckerberg umgarnen können. Evan Spiegel, Mitgründer des sozialen Netzwerks Snapchat, das die Mitteilungen seiner Nutzer wieder verschwinden lässt, hat allerhand Avancen widerstanden. Bislang. Doch sollte die Vorliebe für populäre Internet-Medienunternehmen ohne große Umsätze wieder abkühlen und das soziale Netzwerk aus Los Angeles an Reiz für dessen Investoren verlieren, steht Facebook für die Übernahme bereit.

Gehört Zuckerberg damit die künftige Medienindustrie? Entsteht das neue Hollywood im Silicon Valley?

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Zu oft ist in der Vergangenheit den mutmaßlichen Herrschern der Zukunft die Kontrolle über diese wieder entglitten. So wie es Microsoft-Gründer Bill Gates nicht gelang, die Macht über die Personalcomputer auf Mobiltelefone und das Internet zu übertragen.

Zuckerberg ist der Sprung vom Personalcomputer aufs Smartphone zumindest schon mal gelungen. Für den in die virtuelle Realität und später in die computergestützte Telepathie hat er noch viel Zeit. Mark, so erinnert sein Mentor, der Internetpionier Marc Andreessen gern, „hat noch viele Jahrzehnte vor sich“.

Er ist ja erst 31 Jahre alt.

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