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Facebook Zuckerberg kann nicht zaubern

Die Aktie von Facebook stürzt und stürzt. Der Groll auf den einstigen Hoffnungsträger wächst. Das macht den Job von Gründer Zuckerberg noch schwerer. Zumal in drei Wochen die nächste Bewährungsprobe bevorsteht.

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Die Aktien der jungen Internetfirmen

Amerikaner lieben es, ihre Helden zu demontieren. Derzeit ist Mark Zuckerberg dran. Im Silicon Valley wächst der Groll auf den Gründer des sozialen Netzwerks und vor allem auf seine Wagnisfinanzierer und Berater. Eigentlich sollte der Börsengang des sozialen Netzwerks als leuchtendes Vorbild für eine neue Generation von Internet-Startups dienen, die nicht nur Visionen verkünden, sondern harte Dollar verdienen. Und die vor allem den Kleinanlegern, die sich schon mal im Dot.com-Boom kräftig die Finger verbrannt hatten, wieder Lust aufs Investieren in Internet-Unternehmen machen. Nun ist das Gegenteil eingetreten.
Seit dem Börsengang im Mai hat die Facebook-Aktie fast 50 Prozent an Wert eingebüßt. Wer zum Spitzenkurs von 45 Dollar 100.000 Dollar in Facebook investierte, hat seitdem also fast 50.000 Dollar verloren. Das schmerzt.

Rote Zahlen durch höhere Ausgaben

Am Donnerstag hatten viele im Silicon Valley gehofft, dass das Wunderkind Zuckerberg ungewöhnlich gute Quartalszahlen verkünden und damit alle überraschen würde. Doch Zuckerberg kann nicht zaubern. Zwar wuchsen die Werbeeinnahmen des sozialen Netzwerks von April bis Juni mit 28 Prozent weitaus stärker als von der Wall Street erwartet. Deren Analysten hatten mit bis zu 20 Prozent gerechnet. Inklusive Provisionseinnahmen – etwa durch Online-Spiele – konnte Facebook seinen Umsatz sogar um 32 Prozent steigern.

Die Billion-Dollar-Start-ups
Foursquare auf dem iPhone Quelle: dapd
airbnb Quelle: Screenshot
Das undatierte Firmenhandout des Internet-Musik-Diensts Spotify zeigt den Firmengründer einen Screenshot der Plattform Quelle: dpa
Bleacher ReportDie Sportseite Bleacher Report gibt es erst seit 2007. Mittlerweile besuchen rund 25 Millionen Nutzer pro Monat die Homepage, um sich Videos, Analysen und Hintergrundberichte zu verschiedensten Sportthemen anzusehen. Die Zahl der sogenannten unique user macht den bleacher report zur viertgrößten Sport-Website im Netz. Für Nachrichtendienste ohne Sportberichterstattung wäre der Kauf von br also eine Überlegung wert. Quelle: Screenshot
FabBei der Shopping-Community Fab macht pro Tag rund 300.000 Dollar Umsatz. Die mehr als drei Millionen Nutzer können über Fab nach ihren Lieblings-Designer-Stücken suchen und beim Einkauf bis zu 70 Prozent sparen. Das Unternhemen hinter der Community hat bereits 50 Millionen Dollar Investorengelder einsammeln können und ist derzeit um die 200 Millionen Dollar wert. Für Groupon oder andere Schnäppchen-Anbieter wäre Fab eine gute Ergänzung. Quelle: Screenshot
A visitor tries on the new game "Angry Birds Space" during a launching ceremony in Hong Kong Quelle: dapd
PathMit der App Path können Nutzer private Momente, Bilder und Videos mit ihren Freunden teilen. Path funktioniert quasi wie ein Tagebuch, das ein bestimmter Kreis von Menschen lesen darf und von dem bestimmte Einträge auch bei Twitter, Foursquare, Facebook oder Tumblr veröffentlicht werden können. Rund drei Millionen Menschen nutzen das soziale Netzwerk für unterwegs. Google hatte schon einmal bei Erfinder Dave Morin angeklopft und ein 100 Millionen Dollar für Path geboten. Morin lehnte jedoch ab. Quelle: Screenshot

Doch Wettbewerber Google konnte im gleichen Zeitraum 21 Prozent zulegen – bei einem Umsatz mit 10,96 Milliarden Dollar fast zehnmal mehr als Facebook mit 1,18 Milliarden Dollar. Wenn man die Google-Tochter Motorola einbezieht, sogar das 12fache.
Mehr noch: Während Google am 19. Juli einen Gewinn von 2,7 Milliarden Dollar vermelden konnte, schreibt Facebook wegen höherer Ausgaben für Datenzentren, Aktienoptionen und Personal rote Zahlen in Höhe von 157 Millionen Dollar. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 240 Millionen Dollar Gewinn. Der Verlust wäre unproblematisch, wenn das soziale Netzwerk dreistellige oder zumindest hohe zweistellige Zuwachsraten beim Umsatz vorweisen könnte. Doch das ist nicht der Fall. Nach Bekanntgabe der Zahlen rutschte die Facebook-Aktie nach Börsenschluss um mehr als zehn Prozent in den Keller und damit auf ein neues Allzeittief von knapp 24 Dollar.

Facebook lieben und die Aktie hassen

Facebook kauft auf und macht dicht
Es ist ein klassisches Beuteschema: Facebook übernimmt ein Start-up, das dazugehörige Personal und schließt daraufhin den ursprünglichen Dienst der übernommenen Internetfirma. Neuestes Beispiel: der Bookmark-Dienstleister Spool, der ab sofort unter dem Flagge Facebook weitermacht. Der eigene Dienst wird eingestellt, die Nutzer erhielten die letzte Mail am 14. Juni. Der Fall Spool reiht sich in eine lange Tradition von Facebook-Akquisitonen ein, bei denen das große Social-Network es vor allem auf das Können des Personals abgesehen hat. Von der übernommenen Firma bleibt oft nicht mehr als der Blogeintrag: "Tschüss Leute, wir sind dann mal bei Facebook." Quelle: Screenshot
Im Kampf um die besten Talente reichen Gratisessen und Aktienoptionen nicht immer - in der Folge kaufen sich Facebook & Co. manchmal schlicht die besten Leute samt deren Unternehmen. Ein gutes Beispiel für diese auch "acqui-hire" genannte Praxis: Bret Taylor. Er erhielt sogar den Chefentwicklerposten bei Facebook, nachdem sein Start-up Friendfeed von Facebook für 47 Millionen US-Dollar aufgekauft wurde. Das alles fand 2009 statt. Mit Friendfeed kann der Nutzer alle Aktivitäten seiner Freunde auf diversen Sozialen Netzwerkplattformen verfolgen. Doch Zuckerberg ging es in Wirklichkeit um mehr. "Wir wollten vor allem Bret Taylor an Bord holen", wurde der Facebook-Chef in der New York Times zitiert. Friendfeed ist zwar noch online, doch der Dienst wird nicht mehr aktualisiert oder erweitert. Taylor blieb nach der Übernahme nicht lange bei Facebook. Nach dem jüngsten Börsengang verkündete der Chief Technology Officer prompt, Facebook zu verlassen und seine eigene Firma zu gründen. Quelle: REUTERS
Doch nicht immer geht es nur um das Personal. Auch Teile der Technik dürfte für Zuckerberg interessant sein. So wurde Face.com Mitte Juni 2012 geschlossen. Facebook hatte sich zuvor das israelische Start-up für 60 Millionen Dollar einverleibt. Die Gesicht-Erkennungs-Technologie von Face.com dient Smartphone-Nutzern dazu, auf Facebook Freunde zu markieren. Nun wird die Arbeit an der App eingestellt und vom iTunes-Store genommen. Nutzer können noch bis zum 20. Juli ihre Daten sichern, bis Facebook den Dienst endgültig abschaltet. Wenn Facebook ein Start-up-Unternehmen übernimmt, dann zieht in der Regel das obere Management mit nach Palo Alto in Kalifornien. Die unabhängige Nutzung der Marke erlaubt Facebook nicht. Quelle: Screenshot
Gleiches Schicksal ereilte das israelische Start-up Snaptu. Im März 2011 akquirierte Facebook den Dienst für 70 Millionen US-Dollar, mit dem vor allem normale Handynutzer Zugang zu Social-Networks bekommen. Quelle: Screenshot
Der File-Sharing-Dienst drop.io ging im Oktober 2010 an Facebook. Über den Kaufpreis vereinbarten beide Seiten Stillschweigen. Der Gründer Sam Lessin arbeitet seitdem als Produkt-Manager bei Facebook. Quelle: Screenshot
Der Lokalisierungsdienst Gowalla stand in direkter Konkurrenz zu Foursquare. Vier Monate Monate nachdem das Start-up aus Texas im Dezember 2011 aufgekauft wurde, gab Gowalla bekannt, dass es seinen Dienst einstellen würde. Quelle: Screenshot
Für zehn Millionen US-Dollar kaufte Facebook das Unternehmen Hot Potato im August 2010 auf. Mit dem Check-in-Dienst können Nutzer angeben, was sie lesen oder was für Musik sie gerade hören. Quelle: Screenshot

Paul Deninger, Geschäftsführer der Investmentbank Evercore Partners aus San Francisco, hält Facebook für immer noch überbewertet. „Facebook muss erst noch beweisen, dass sein Geschäftsmodell lukrativ ist“, sagt der Banker, der seit 25 Jahren im Silicon Valley Deals einfädelt und nach eigenem Bekunden „das Unternehmen Facebook liebt“, aber „die Aktie Facebook hasst.“
Facebook-Gründer Zuckerberg und seine Geldgeber hätten aus Deningers Sicht das soziale Netzwerk schon vor Jahren an die Börse bringen müssen. „Dann wäre dessen Bewertung mit dem Unternehmen mitgewachsen“, sagt er. So wurden die Lorbeeren schon zum Börsengang für viele Jahre im voraus geerntet. Genau der Fall, vor dem die WirtschaftsWoche in ihrer Titelstory zum Börsengang im Mai warnte. Gut für Facebooks Geldgeber, die sich die Taschen füllen konnten. Gut auch für das Unternehmen Facebook, das rund acht Milliarden Dollar einnehmen konnte und damit finanziell prächtig ausgestattet ist. Aber schlecht für alle anderen. Und damit wiederum auch für Facebook. „Statt über Facebook positiv zu reden, überwiegt jetzt das Negative“, warnt Deninger.
Dass Zuckerberg nicht stärker persönlich an den Pranger gestellt wird, liegt vor allem daran, dass der Unternehmer sich kaum von Aktien getrennt hat. Sein frugaler Lebenswandel – zumindest für einen Milliardär - ist im Silicon Valley berühmt.

Sperrfrist für Facebook-Mitarbeiter läuft aus

Doch der nächste Kursrutsch droht, wenn am 16. August mit dem Auslaufen der Haltefrist ein ganzer Schwung von Facebook-Angestellten seine Aktien erstmals am offenen Markt verkaufen kann. Wenn sich eine Vielzahl von Facebook-Mitarbeitern von ihnen trennt und damit die Zukunft des eigenen Arbeitgebers skeptisch sieht, ist der nächste Gau programmiert. Zumal sich Zuckerberg und seine Operativchefin Sheryl Sandberg dann ernsthafte Sorgen darüber machen müssen, Talente an die Konkurrenz zu verlieren, weil deren Aktienoptionen unter Wasser sind. Die dann fälligen Bonuszahlungen dürften die Laune der Aktionäre nicht verbessern.
Noch tragischer: Beim Börsengang war Facebook zu spät. Aber ansonsten ist das soziale Netzwerk seiner Zeit voraus. In dem ganzen Trubel um die durchwachsenen Quartalszahlen geht unter, dass das soziale Netzwerk bei den Nutzerzahlen zulegen konnte und nun offiziell 955 Millionen Nutzer zählt. Die Milliarde ist zum Greifen nahe. Täglich besuchen 552 Millionen Nutzer das soziale Netzwerk, davon 154 Millionen aus Europa. Die Europäer sind damit zahlenmäßig die stärksten Nutzer, noch vor Nordamerika mit 130 Millionen.

Maximal 3,20 Dollar Umsatz pro Nutzer

Die Aktien der alten und neuen Internet-Riesen
Intershop
Lycos Europe
T-Online Bis heute das größte Internet-IPO aller Zeiten, was das Einspielergebnis betrifft: Umgerechnet 2,9 Milliarden Dollar nahm die Telekom-Tochter im April 2000 ein. 27 Euro je Aktie bezahlten Anleger. 2004 bot die Telekom 8,99 Euro als Rücknahmepreis. Ex-Aktionäre erstritten 2010 erst eine Nachzahlung über 1,38 Euro; 2011 wies sie das Bundesverfassungsgericht dann ab. Quelle: Bloomberg
Groupon Der Rabatthändler startete mit einer ambitionierten Bewertung im vergangenen Jahr an der Börse. Den Ausgabekurs haben Aktionäre der ersten Stunde seither nicht wieder gesehen. Und dabei konnte Groupon erst vor kurzem den ersten Gewinn vermelden. Aber die Zweifel am Geschäftsmodell nehmen zu. Quelle: Bloomberg
Pandora Nightmare on Wall Street: Der Kurs des Internet-Radiobetreibers Pandora hat sich schnell halbiert. Wegen Urheberrechtsprobleme hat sich Pandora auch vom deutschen Markt zurückgezogen. Quelle: Bloomberg
Yandex Die russische Suchmaschine lässt Google im Heimatmarkt keine Chance. Nach dramatischen Kursverlusten 2011 erholt sich die Aktie seit Jahresbeginn wieder, liegt aber immer noch fast die Hälfte unter dem Kurs bei Erstnotiz. Quelle: Bloomberg
YelpNoch recht frisch an der Börse, hat die Yelp-Aktie bereits einige Kurskapriolen hinter sich und liegt derzeit deutlich im Minus. Quelle: Bloomberg

Doch Facebook macht mit seinen Nutzern nur minimale Umsätze. Pro nordamerikanischen Nutzer erwirtschaftete es im zweiten Quartal im Schnitt nur 3,20 Dollar, in Europa nur 1,43 Dollar und in Asien sogar nur 55 Cent.
Viel Luft zum Wachsen also. Doch das gilt nur, wenn Werbung in sozialen Medien vom Markt nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch angenommen wird. „Wir müssen jede Menge Aufklärungsarbeit leisten, weil viele Werbeagenturen mit Facebook noch nicht richtig umgehen können“, stöhnt Dan Madden, beim Social Media Dienstleister Spruce Media aus San Francisco für Strategie zuständig. Madden ist überzeugt, dass Facebook seine besten Tage noch vor sich hat. „Aber das braucht seine Zeit.“
Facebook Operativchefin Sheryl Sandberg vergleicht die Situation mit den sozialen Medien gern mit den Pioniertagen der Fernsehwerbung. „Wir stecken noch in den Anfängen“, sagt sie.

Widerstände im Werbemarkt

Erschwerend kommt hinzu, dass Werbeagenturen - zumindest die Traditionalisten – gar nicht so auf soziale Medien erpicht sind. Denn Facebook-Kampagnen bedeuten vor allem jede Menge zusätzlicher Arbeit und wenn Werbung tatsächlich künftig auf den einzelnen Nutzer maßgeschneidert wird, einen noch komplizierteren und zersplitterten Markt. Zudem zeichnet sich ab, dass Unternehmen über soziale Medien stärker in ihre direkte Beziehung mit dem Kunden investieren. Statt also breitflächig Werbung zu schalten, könnten Premium-Marken wie beispielsweise Leica mehr Geld in die tatsächlichen Besitzer und Käufer ihrer Kameras und Objektive durch Rabatte oder zusätzlichen Service stecken. Dieses Geld würde dann allerdings die Budgets für traditionelle Werbeträger schmälern.
Facebooks Trauerstory an der Börse verringert auch den Druck auf Marketingchefs, sich stärker mit dem sozialen Netzwerk zu beschäftigen. „Der war durch Facebooks Börsengang schon enorm“, sagt Martin Sorrell, Chef des Werbe-und PR-Giganten WPP. Doch jetzt sitzen ihnen die Controller im Nacken, die genau wissen wollen, wie die Facebook-Werbeausgaben den Umsatz stimulieren.

Braucht Facebook eigene Hardware?

Die Gewinner des Facebook-Börsengangs
Peter Thiel ist bekannt für seine verrückten Investmentideen. Quelle: REUTERS
Facebook-Gründer Mark Zuckerberg Quelle: dapd
Dustin Moskovitz Quelle: dapd
Facebook-Managerin Sheryl Sandberg Quelle: REUTERS
Napster-Gründer Sean Parker Quelle: AP
Internet-Invester Yuri Milner Quelle:
Accel Partners & James BreyerZusammen mit der Investmentfirma Accel Partners war James Breyer (r.) einer der ersten Geldgeber Facebooks: 12,7 Millionen Dollar investierten die Partner 2005 in das soziale Netzwerk. Mit 201,34 Millionen Aktien hat sich dieses Investment auf jeden Fall gelohnt. Zum Börsengang planen die Geldgeber jetzt 38,2 Millionen Aktien davon zu verkaufen – und würden damit 1,34 Milliarden Dollar einstreichen. Quelle: dapd

Als wäre dies alles nicht schon Pionierarbeit genug, hat Facebook noch das Problem, dass immer mehr seiner Nutzer das soziale Netzwerk übers Mobiltelefon nutzen. Doch hier sind die Werbeumsätze noch schmäler als auf dem Notebook- oder Desktop-Bildschirm. Zudem sind Werbekampagnen auf dem Handy noch stärkeres Neuland als Kampagnen mit sozialen Medien. Selbst Apple ist es trotz vieler Anstrengungen noch nicht gelungen, lukrative Umsätze mit mobiler Werbung zu erzielen. „Wir stecken viel Aufwand in die Zusammenarbeit mit Agenturen und das lohnt sich“, sagt Petra Vorsteher, Mitgründerin von Smaato aus San Francisco, einem mobilen Werbenetzwerk. Aber es ist viel Kärrnerarbeit zu leisten.

Welche sozialen Netzwerke wirklich genutzt werden
So lange werden soziale Netzwerke wirklich genutztGoogle+ - Mit allen Mitteln versucht Google sein soziales Netzwerk zum Erfolg zu bringen. Vor allem die Verknüpfung mit den eigenen Diensten wie Google Mail oder Youtube soll Google+ helfen. Seit dem Start haben sich auch immerhin 90 Millionen Nutzer registriert, allerdings bleibt es oft auch dabei. Nach einer Erhebung der US-Marktforscher Comscore haben sich die Nutzer seit September im Schnitt nur drei Minuten pro Monat bei Google+ aufgehalten. Das „Wall Street Journal“ schreibt daher schon von einer „virtuellen Geisterstadt“. Quelle: dapd
Myspace - Selbst das schon oft totgesagte MySpace wird intensiver genutzt – mit acht Minuten sogar fast drei Mal solange wie Google+.
LinkedIn - 17 Minuten pro Monat halten sich die Nutzer des Online-Karrierenetzwerks LinkedIn auf der Seite auf. Für den deutschen Wettbewerber Xing lagen keine Daten vor. Quelle: REUTERS
Twitter - Mit 21 Minuten nur knapp davor liegt der Kurznachrichtendienst Twitter. Allerdings erfasst Comscore nur Besucher der Twitter-Website, gerade die intensiven Nutzer greifen jedoch gern auf spezielle Zusatzprogramme wie Tweetdeck zurück, so dass die echte Zahl höher liegt. Auch die mobilen Zugriffe wurden nicht erhoben, was jedoch alle Netzwerke betrifft. Quelle: dpa
Pinterest - Erstaunlich ist, dass sich zwei relative junge Netzwerke ganz vorn platzieren konnten. So gelang Pinterest mit 89 Minuten der Sprung aufs Treppchen. Auf der Seite können Nutzer Bilder und Netzfundstücke teilen. P interest ist derzeit eine der angesagtesten und am schnellsten wachsenden Seiten überhaupt.
Tumblr - Ebenso lange wie Pinterest wird Tumblr genutzt. Der Dienst bietet ist eine besonders schnelle und einfache Art des Bloggens. Auch bei Tumblr werden oft besondere Fotos geteilt – Musikstar Beyonce Knowles veröffentlichte beispielsweise exklusiv Fotos ihres Babys Blue Ivy Carter auf einer eigenen Tumblr-Seite. Beliebt sind auch die „Looking at Things“-Reihen, beispielsweise von Kim Jong-Il oder Christian Wulff.
Facebook - Mit riesigem Abstand steht Facebook an der Spitze: 405 Minuten halten sich die Nutzer im Schnitt jeden Monat in dm Netzwerk auf.     Quelle: dapd

Für Facebook kommt noch die Herausforderung hinzu, dass es im Gegensatz zu Wettbewerber Google kein eigenes mobiles Betriebssystem und erst recht keine eigenen Smartphones und Tablets besitzt. Damit läuft das soziale Netzwerk jedoch Gefahr, dass Wettbewerber ihre eigenen Dienste bevorzugt präsentieren oder Facebook sogar für das Nutzen der eigenen App zur Kasse bitten. Schließlich verlangt das soziale Netzwerk für das Nutzen seiner Plattform – beispielsweise von Spieleanbietern wie Zynga oder King.com – selber einen Obolus.

IT



Solange Facebook populär bei seinen Nutzern ist, wird sich kein Smartphone-Anbieter leisten können, das soziale Netzwerk auszusperren. Aber das muss ja nicht so bleiben. Am Donnerstag stritt Zuckerberg die Notwendigkeit ab, ein eigenes Mobiltelefon bauen zu müssen. Doch im Silicon Valley pfeifen es die Spatzen von den Dächern, dass Facebook schon seit langem in Verhandlungen mit Fertigern in China und Taiwan ist. Doch die Ankündigung, jetzt auch noch in Smartphone-Hardware zu investieren, hätte eine Massenpanik bei Facebooks gebeutelten Anlegern ausgelöst. Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt. Denn richtiges Timing – das hat Zuckerberg wohl gelernt – ist wichtig. Und er kann sich damit trösten, dass Amerika nicht nur seine Helden gern demontiert, sondern auch genauso gern wieder aufbaut.

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