Facebooks Kampf ums Handy Wie Mark Zuckerberg das mobile Internet erobert

Facebook-Chef Zuckerberg nutzt seine Marktführerschaft bei Kurzmitteilungsdiensten um sein Imperium zum wichtigsten Einfallstor in das mobile Internet auszubauen. So will er den ewigen Konkurrenten Google ausstechen.

Facebook, Facebook Messenger und Whatsapp auf einem iPhone Quelle: Marcel Stahn

Mit Comic-Videos und elektronischen Grußkarten scheffelt Gregg Spiridellis Millionen. Nun ist der Mitgründer der US-Satireseite JibJab nach eigenem Bekunden auch noch zur Speerspitze im Kampf um die Vorherrschaft im mobilen Internet geworden – dank einer Offerte aus dem Silicon Valley, die ihn Anfang Januar erreichte.

Ob er nicht ganz vorn mit dabei sein wolle, wenn Facebook seinen Kurzmitteilungsdienst Messenger, mit dessen Hilfe Nutzer von Mobiltelefonen sich Textnachrichten schicken können, erstmals für externe Unternehmen öffne?

Facebook in Zahlen

Spiridellis wollte und kommandierte flugs seine besten Entwickler ab. Dank der Kunst der Online-Kreativen können jetzt weltweit 600 Millionen Messenger-Nutzer ihr Konterfei digital aufhübschen – mit Perücken, Hüten, Kronen oder im Osterhasen- oder Weihnachtsmannkostüm. Ob dies nun wirklich die Zukunft des mobilen Internets ist oder doch nur der Satire-Gag eines Scherzbolds, mag dahingestellt sein. Die Öffnung des Messengers preist Spiridellis jedenfalls ganz im Ernst: „Das ist einer der klügsten Schachzüge von Mark Zuckerberg.“

Für Spiridellis ist klar: Die Einbindung von anderen Unternehmen ist für Facebook ein ähnlicher Meilenstein wie die Freigabe seiner Web-Version für externe Entwickler im Sommer 2008. Damals beschleunigte Facebook durch eine Fülle neuer Dienste und Inhalte seinen Aufstieg zum weltweit größten Netzwerk und neuen Online-Werbegiganten. „Und genau das wiederholen sie nun im mobilen Internet“, sagt Spiridellis.

Schlag gegen Google

Die Öffnung von Messenger und die engere Anbindung von WhatsApp in die Facebook-App sind derzeit die mit Abstand wichtigsten Projekte des Internet-Konzerns – und zugleich ein empfindlicher Doppelschlag gegen den Erzrivalen Google. Denn mithilfe der beiden weltweit beliebten Kurztextanbieter dokumentiert Facebook vor allem eins: Zuckerberg reklamiert auch die mobilen Einfallstore in das Internet für sich.

Mit Facebook, Messenger, Instagram und WhatsApp, das er im vergangenen Jahr für 19 Milliarden Dollar gekauft hatte, kontrolliert Zuckerberg schon heute weltweit extrem populäre Apps und damit den Zugang zu einem Milliardenpublikum. Apps machen mittlerweile das Gros der Internet-Nutzung aus. Doch dabei wird es nicht bleiben. „Niemand will auf Dauer ständig zwischen verschiedensten Apps wechseln“, meint Phil Libin, Chef des Softwareanbieters Evernote, „ihre Funktionen werden daher in universelle Kommunikationskanäle einfließen“.

Facebooks Messenger hat das Potenzial für solch ein praktisch universelles Portal, über das alle möglichen Internet-Dienste abrufbar wären. Zum Start ist das Angebot mit 46 Partnern zwar noch bescheiden. Größtenteils sind es Anbieter wie JibJab, die Kurznachrichten grafisch aufpeppen. „Daraus könnte ein mobiles Portal für ein Milliardenpublikum entstehen“, sagt Julie Ask, Analystin beim Marktforschungsunternehmen Forrester.

David Marcus, von Zuckerberg abgeworbener Ex-Chef des Online-Zahldienstes PayPal, gibt schon mal einen Vorgeschmack darauf, welche Möglichkeiten in der Plattform stecken. Marcus’ erster Streich: Seit Kurzem können Messenger-Nutzer in den USA einander direkt im Mitteilungsdienst Geld schicken.

Nächster Schritt soll der Einkauf über den Messenger sein: Kunden können Waren bereits heute direkt über den Kommunikationskanal beim Händler bestellen. Noch testet Messenger diese Art des Einkaufens erst mit den US-Modehändlern Zulily und Everlane. Doch weitere Geschäftspartner sollen folgen, denkbar sind etwa Hotel- und Flugbuchungen sowie Restaurantreservierungen.

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