Fernsehbauer in der Krise Seehofer stellt Staatsbürgschaft für Loewe in Aussicht

Der ums Überleben kämpfende TV-Gerätehersteller Loewe darf auf Unterstützung durch das Land Bayern hoffen. Eine Bürgschaft gibt es allerdings nur, wenn das Unternehmen einen neuen Investor präsentieren kann.

Niedergang der Ikonen
LoeweDer schwer angeschlagene TV-Gerätehersteller hat Antrag auf Insolvenz in Eigenregie gestellt. Im Juli hatte Loewe Gläubigerschutz beantragt - der Konzern kann dabei versuchen, sich unter gerichtlichem Schutz zu sanieren und wird weiter von seinem Management geführt. Nun folgt die Planinsolvenz. Loewe-Chef Matthias Harsch zeigt sich zuversichtlich bis Ende Oktober einen finanzkräftigen Investor aufzutun. Man habe sechs Angebote. Sollte sich darunter kein passender Partner finden
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NeckermannDer Versandhändler meldet am 18. Juli 2012 Insolvenz an. Der amerikanische Investor Suncapital will nicht noch mehr Geld ins Geschäft pumpen. Geschäftsführung und Arbeitnehmervertreter hatten sich zwar auf ein Konzept geeinigt, wie der Abbau von 1.400 der 2.500 Stellen von statten gehen soll, doch Suncapital hielt die Kompromiss für nicht tragfähig und teilte mit:
Schlecker Quelle: REUTERS
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Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat dem schwer angeschlagenen TV-Gerätehersteller Loewe eine Bürgschaft in Aussicht gestellt. „Die bayerische Staatsregierung ist bereit, ein zukunftsfähiges Konzept mit einem neuen Investor über eine Staatsbürgschaft zu unterstützen“, sagte er am Dienstag in Kronach. Dort waren zuvor Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) und Finanzminister Markus Söder (CSU) mit dem Loewe-Vorstand zusammengekommen.

Der ideale Sitzabstand zum Fernseher

Die Staatsregierung glaube an eine Zukunft des Unternehmens, betonte Seehofer. Weitere Details und konkrete Zahlen nannte er nicht. Nun sei das Unternehmen am Zug. Es stehe noch ein harter Weg bevor, mahnte Seehofer.

Die Altlasten, unter denen Loewe ächze, müssten vom Unternehmen selbst bewältigt werden. Eine Unterstützung des Freistaats gebe es nur, wenn ein Investor mit einem in die Zukunft gerichteten Konzept gefunden werde.

Die Evolution der Loewe-Produkte
Erster Loewe-FernseherDer erste Loewe-Fernseher kam 1931, acht Jahre nach der Gründung des Unternehmens durch Siegmund und David L. Loewe auf den Markt. Quelle: Presse
Der TV-Hersteller gehört zu den „letzten Mohikanern“ der europäischen Elektronikkonzerne. Das deutsche Traditionsunternehmen lässt im Gegensatz zur Konkurrenz nicht in China fertigen, sondern ausschließlich in Kronach in Oberfranken. Siegmund Loewe (links) und der Physiker Manfred von Ardenne (rechts) arbeiteten eng an bei der Entwicklung neuer Geräte zusammen (1928). Quelle: Presse
Ortsempfänger „OE333“Noch bevor Loewe ins Fernsehgeschäft einstieg, wurde seit 1926 der Loewe Ortsempfänger „OE333“ produziert. Er lief mit einer Dreifachröhre, die der Physiker Ardenne mitentwickelte. Quelle: Presse
„Optaphon“1950 kam dann das „Optaphon“, das erste Kassetten-Tonbandgerät, auf dem Markt. Zwischenzeitlich waren während der Zeit des Nationalsozialismus die Gründungsbrüder aus dem Unternehmen ausgeschieden und in die USA geflohen. Quelle: Presse
„Iris“Im Jahr 1951 stellte Loewe den Fernseher „Iris“ vor. Quelle: Presse
„Optaport“Eine Besonderheit stellte im Jahr 1963 der „Optaport“ dar. Es war der erste tragbare Fernseher überhaupt. Die Bildschirmdiagonale betrug 25 cm und dank eines eingebauten UKW-Moduls konnte man auch Radio hören. Quelle: Presse
„Art 1“Mit dem „Art 1“ führte Loewe im Jahr 1985 eine ganz neue Generation von Fernsehern ein, die unter anderem auf besonders große Lautsprecher setzten und ein völlig neues Designkonzept verfolgten. Quelle: Presse

Loewe zählt zu den wichtigsten Arbeitgebern in der Region und hat in Kronach rund 800 Mitarbeiter. Die Traditionsmarke hatte Mitte Juli Gläubigerschutz beantragt und hat jetzt noch knapp zweieinhalb Monate Zeit, um frisches Geld aufzutreiben. Loewe mit seinen Premiumprodukten leidet unter dem Preiskampf in der Branche. Vor wenigen Wochen gelang es, den chinesischen Elektronikkonzern Hisense als Geschäftspartner vorzustellen.

Loewes Kampf ums Überleben

Die Unternehmen wollen bei Einkauf, Produktion, Entwicklung und Vertrieb kooperieren. Für Wirtschaftsminister Zeil ist diese Vereinbarung ein „Teilerfolg“: Er sei zuversichtlich, dass es nun auch gelinge, einen Investor zu finden.

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