Folgen des Telekom-Chefwechsels Jetzt kommt Sparkommissar Höttges

Der designierte Vorstandschef Timotheus Höttges wird die Deutsche Telekom stärker als sein Vorgänger auf Rendite trimmen. Insider glauben bereits an einen Machtwechsel im Mai.

Die Talfahrt der T-Aktie
Deutsche Telekom Quelle: dpa
Ron Sommer zeigt den Ausgabepreis der Telekom-Aktie Quelle: dpa
Die Strategie von Telekom-Chef Ron Sommer fußte auf der Aufspaltung des riesigen ehemaligen Staatskonzerns in vier Geschäftsfelder  (T-Com, T-Mobile, T-Online und T-Systems). Ursprünglich sollte jede einzelne Gesellschaft an die Börse gehen. Letztlich gelang dies nur bei der Internet-Tochter T-Online, die ab dem 17. April 2000 an der Börse debütierte. Ausgegeben wurden die Aktien zum Stückpreis von 27 Euro, die Telekom nahm so 2,7 Milliarden Euro ein. Quelle: AP
Im Sommer 2000 ersteigerte die Mobilfunktochter T-Mobile UMTS-Lizenzen für einen Preis von umgerechnet 8,5 Milliarden Euro, die sich lange Jahre mangels entsprechender Kundennachfrage und Schwierigkeiten in der technischen Umsetzung als relativ nutzlos erwiesen. Quelle: Reuters
Der Kurs der Telekom-Aktie von 2000 bis Anfang 2012
Im Mai 2001 kaufte die Telekom die US- Mobilfunkunternehmen Voicestream und Powertel für umgerechnet mehr als 39 Milliarden Euro einschließlich der übernommenen Schulden – was heftige Kritik an Konzernchef Ron Sommer hervorrief. Erst 2005 galt die mittlerweile in T-Mobile USA umbenannte Mobilfunksparte als rentabel. Quelle: AP
Anfang 2001 führte eine Wertberichtigung von Immobilienwerten um 2,2 Milliarden Euro in der Bilanz für 2000 zu einer Klagewelle von Privataktionären, die sich betrogen fühlten. Aufgedeckt hatte die allzu optimistische Bewertung der Telekom-Immobilien in der Bilanz das Anlegermagazin „Die Telebörse“ aus der Verlagsgruppe Handelsblatt. Quelle: dpa

Wechsel an der Spitze der Deutschen Telekom hatten immer etwas Dramatisches. Ron Sommer flog aus dem Amt, als sich die Wut der gebeutelten T-Aktionäre an seinen viel zu teuren Zukäufen im Ausland entlud. Nachfolger Kai-Uwe Ricke musste gehen, als die Festnetzkunden mit fliegenden Fahnen zur Konkurrenz wechselten und der Telekom auf dem Heimatmarkt Deutschland das Vertrauen entzogen. Mit René Obermann geht der dritte Vorstandsvorsitzende früher als geplant. Doch dieses Mal hat der Vorstandschef den Zeitpunkt seines Ausscheidens selber bestimmt.  Vorstand und Aufsichtsrat suggerieren, dass die für Ende 2013 beabsichtigte Übergabe des Staffelstabes an Timotheus Höttges in geordneten Bahnen verlaufe. Von einem „geeigneten Zeitpunkt für einen geordneten Übergang“ ist die Rede. „Wir haben in den vergangenen Jahren Lösungen für die wesentlichen Baustellen gefunden“, klopfte sich Obermann bei der Bekanntgabe seines überraschenden Rückzuges selber auf die Schulter. Obermann will den Eindruck erwecken, als hinterlasse er ein geordnetes Haus. Doch davon kann eigentlich keine Rede sein.

Diese Probleme muss Obermann noch lösen

Richtig ist: Obermann als Vorstandsvorsitzender und Höttges als mächtiger Finanzvorstand bildeten ein nahezu perfektes Team. Als enge Freunde spielten sich die beiden oft gegenseitig die Bälle zu. Obermann gefiel sich in der Rolle des weitsichtigen Strategen, der für die Telekom neue Wachstumsmärkte im heftig umkämpften Internet erobern wollte und zum Schluss sogar selber die Verantwortung für das verwaiste Ressort Innovationen übernahm. Höttges dagegen zog als Herr über die Zahlen seine Strippen, achtete streng auf die Renditeziele und redete dabei auch dem Vorstandsvorsitzenden das ein oder andere teure Abenteuer aus. Er war und ist der Architekt vieler Sparprogramme, die dem Konzern all die Umstrukturierungen in den vergangenen Jahren bescherten.

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