Forschungsdurchbruch Carl Zeiss entwickelt Schlüsseltechnologie für die nächste Chipgeneration

Kaum ein Unternehmen gibt mehr Geld für Forschung und Entwicklung aus als Carl Zeiss. Nun ist dem Technologiekonzern ein Durchbruch gelungen.

Carl Zeiss entwickelt Schlüsseltechnologie für nächste Chipgeneration Quelle: dpa

OberkochenOhne Technologie von Carl Zeiss in Oberkochen wäre die kommende Chipgeneration kaum denkbar. Fast zwei Jahrzehnte lang hat das Unternehmen daran gearbeitet, eine neue Technologie für die Herstellung von extrem leistungsfähigen Chips zu entwickeln. Hunderte Millionen Euro wurden allein in die Produktionsverfahren für die nächste Chip-Generation investiert.

Nun ist der Durchbruch gelungen. Mit der sogenannten EUV-Lithografie („Extrem Ultraviolettes Licht“) werden die Leiterplatten für Chips belichtet, die in modernen Smartphones, Notebooks und anderer Technologie stecken. Der Laser ermöglicht noch kleinere Strukturen auf den Siliziumscheiben und ist damit eine Schlüsseltechnologie für die nächste Chipgeneration.

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Es ist abzusehen, dass das Geschäft mit der Chip-Technologie für Zeiss zur Goldgrube wird und im Grunde schon ist. Denn im ersten Halbjahr (endete am 31. März) wuchs die Halbleitersparte im Konzern um 35 Prozent auf 732 Millionen Euro.

Für den Durchbruch brauchte Zeiss einen langen Atem. Verzögerungen von mehreren Jahren in der Forschung trieben die Kosten. Nun ist die Technologie reif für die Massenproduktion, wie auch Großkunden wie der Chiphersteller Intel bestätigen. Immer mehr Anlagen werden jetzt von der Halbleiter-Industrie bestellt. Produkte mit den neuen Chips werden Verbraucher ab 2019 kaufen können.

Kooperationspartner ist der Laserspezialist Trumpf für die Lichtquelle. Zeiss liefert die Optik. Die Anlagen stellt der holländische ASML-Konzern her.

Die neue Belichtungstechnik für die Chipfertigung macht momentane Schwächen anderer Sparten mehr als wett. Denn das Geschäft mit Mikroskopen und Objektiven für Fotokameras ist rückläufig. Unter dem Strich bleibt ein Wachstum im Konzern von neun Prozent auf 2,77 Milliarden Euro. Auch das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) liegt mit 380 Millionen Euro trotz deutlich negativer Währungseffekte auf Vorjahresniveau (384 Mio. Euro). Die EBIT-Marge liegt bei starken 14 Prozent.

„Besonders unsere Geschäfte in den Hochtechnologiefeldern Halbleiterfertigungstechnik, Messtechnik und Medizintechnik sorgen für Wachstum und bringen uns weiter nach vorn“, betont Vorstandschef Michael Kaschke. Die aktuelle Wirtschaftslage sei gut: „Wir erleben gerade aus Asien immer noch sehr gute Wachstumsimpulse. Hinzu kommt der unveränderte Rückenwind durch die weltweiten Megatrends und eine hohe Nachfrage im Halbleitersegment“, so Kaschke.  

Der Vorstandschef sieht den Stiftungskonzern auf dem Weg zum neunten Rekordjahr in Folge. Die Dynamik des ersten Halbjahres halte mit einem hohen Auftragseingang von 2,8 Milliarden Euro an. Daraus ergibt sich wohl ein Umsatz deutlich über 5,5 Milliarden Euro für das Gesamtjahr.

In seine Hochtechnologie muss das Unternehmen allerdings gewaltig investieren: Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung stiegen in den ersten sechs Monaten um enorme 20 Prozent auf 300 Millionen Euro. „Ein Großteil fließt in die Entwicklung der Chip-Technologie“, sagte der Vorstandschef.

Auf das Gesamtjahr wird der Konzern dann rund 600 Millionen Euro in die Forschung und Entwicklung investieren. Das wird über zehn Prozent des Umsatzes sein. Auf eine höhere Quote kommt nicht einmal ein so forschungsaktives Unternehmen wie Bosch. Die Investitionen sprangen von 75 auf 115 Millionen Euro. Aber der Konzern kann es sich leisten. Der Free-Cashflow stieg um 100 Millionen Euro auf 350 Millionen Euro.

Weitere Zukäufe sind möglich

Mit einer Nettoliquidität von zwei Milliarden Euro sieht sich Kaschke auch stark genug für Zukäufe. Der Stiftungskonzern entwickelt sich zur Jobmaschine. Hierzulande wurden 800 neue Mitarbeiter vor allem für die Halbleitertechnologie eingestellt. Weltweit stieg die Zahl der Mitarbeiter um acht Prozent auf über 28.300.

Die Digitalisierung biete Zeiss in vielen Bereichen eine enorme Wachstumschance, so Kaschke, denn „Hochtechnologielösungen spielen eine entscheidende Rolle für die Gestaltung der digitalen Zukunft“. Neben der neuen Chiptechnologie entwickelt Zeiss gemeinsam mit der Deutschen Telekom eine Datenlesebrille.

In der Medizintechnik nutzten die Schwaben künstliche Intelligenz für bessere Diagnosemöglichkeiten, und für Neurochirurgen hat Zeiss ein halbrobotisches Mikroskop entwickelt, das durch die Kombination von Mikroskop, Endoskop und stethoskopischer Kamera extrem präzises Arbeiten gerade für Operationen am Gehirn ermöglicht.

Selbst vor Internetgiganten wie Google aber auch Industrieriesen wie Siemens oder Bosch hält sich der Respekt in Grenzen. Zeiss geht mit seinen Produkten in die Plattform-Wirtschaft und bietet die Datenaufbereitung über die mit anderen mittelständischen Unternehmen wie dem Anlagenbauer Dürr gemeinsam gegründete Plattform Adamos an.  

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