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Fotografie Kodak steht vor der Insolvenz

Der krisengeschüttelte Fotopionier aus den USA bereitet sich offenbar auf die Insolvenz vor. Das berichten mehrere US-Medien.

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Kodaks Foto-Innovationen
Kodak Brownie Quelle: Pressebild
Kodachrome-Film Quelle: Pressebild
Kodak Brownie 127 Quelle: Pressebild
Kodak Instamatic Quelle: Pressebild
Weltweit erste Digitalkamera Quelle: Pressebild
Kodak Profi-Spiegelreflexkameras Quelle: Pressebild
Digitale Bilderrahmen Quelle: Pressebild

Die Luft für Kodak wird dünn. Das "Wall Street Journal" und die "Financial Times" berichten, dass sich das Unternehmen auf ein amerikanisches Insolvenzverfahren vorbereitet. Die Aktie fiel am Mittwoch um 18 Cent auf 47 US-Cent, nach Börsenschluss setzte sich der Abwärtstrend vor.

Das Verfahren nach Kapitel elf des US-Insolvenzrechts würde Kodak eine Übergangszeit gewähren, bis Gläubiger ihre Ansprüche gelten machen können. Die Zeitungen berichten, Kodak stehe bereits in Verhandlungen mit verschiedenen Banken über eine Finanzierung in Höhe von einer Milliarde US-Dollar. Mit diesem Budget sollen die laufenden Geschäfte während einer Insolvenz aufrechterhalten werden können.

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass die New Yorker Börse (NYSE) dem Fotopionier gedroht hat, ihn aus dem Aktienindex zu schmeißen. Der Grund: Mit der Notierung unter einen Dollar erfüllt das Traditionsunternehmen nicht mehr die Grundbedingungen der Wall Street. Die sehen unter anderem vor, dass eine Aktie mindestens dreißig Börsentage am Stück mehr als Ein-Dollar wert sein muss. Kodak hatte 2011 einen massiven Wertverlust erlitten. Die Aktie pendelte sich auf 69 Dollarcent ein.

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    Kodak-Druckerpatronen für Kodak-Drucker waren mal die Hoffnung für den US-Fotografiepionier. Quelle: REUTERS

    1997 erzielte die Aktie zuletzt ihr Allzeithoch

    Der Kodak-Chef Antonio Perez versucht seit 2005 das Unternehmen in das neue digitale Zeitalter zu führen - bisher erfolglos. Quelle: REUTERS

    Das Unternehmen Eastman Kodak schreibt seit 2008 rote Zahlen. Einst erfand das US-Unternehmen die erste digitale Fotokamera. Das war 1975. Dem Unternehmenschef Antonio Perez, der seit 2005 Kodak leitet, ist es dennoch nicht geglückt, das Unternehmen für das digitale Zeitalter fit zu machen.

    Perez hat die Konzentration auf Druckerprodukte gesucht. Doch diese sind nach Meinungen von Experten zu teuer, als dass die geringen Patronenkosten - im Vergleich zur Konkurrenz - ausreichende Kunden anlocken könnten.

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      Die Kodak-Chronik

      Der Bedarf an liquiden Mitteln ist groß. Die Bargeldreserven waren laut drittem Quartalsbericht 2011 innerhalb von drei Monaten um zehn Prozent zurückgegangen. Kurz vor Weihnachten hatten mehrere Hedge-Fonds mitgeteilt, Kodak unter die Arme greifen zu wollen. Zunächst war von 900 Millionen Dollar die Rede, später schrumpfte die geplante Investition auf 600 bis 700 Millionen Dollar.

      Um die Geldnot zu lindern, beabsichtigt das Unternehmen, seit Mitte 2011, sein Tafelsilber zu verkaufen: lukrative Patente im Bereich der digitalen Fotografie.

      Tafelsilber im Wert von drei Milliarden Dollar

      Diese könnten nach Expertenmeinungen etwa drei Milliarden Dollar einbringen – das Unternehmen ist dagegen mit knapp 575 Millionen Dollar nur ein Sechstel dessen wert. Apple und Google, Microsoft und Samsung Electronics sollen bereits Interesse an den 1100 Patenten angemeldet haben.

      Sollte Kodak allerdings Pleite gehen, dann droht dem potenziellen Patentkäufer Ärger mit den Gläubigern. Und Insolvenzgerüchte gab es in letzter Zeit zuhauf.  Kodak selbst ließ bei der Verkündung der Quartalszahlen im November 2011 wissen, dass die nächsten zwölf Monate entscheidend für die eigene Existenz sein dürften. Für das dritte Quartal hatte Kodak einen Verlust von 222 Millionen Dollar (171 Millionen Euro) ausgewiesen. Der neunte Quartalsverlust innerhalb von drei Jahren.

      Schließlich berichtet das Wall Street Journal, Kodak können in den ersten Monaten 2012 zu einem Insolvenzantrag gezwungen sein, sollte es dem Unternehmen nicht gelingen, den Patentverkauf rasch abzuschließen oder andere Finanzierungsquellen zu erschließen.

      Einst wurde Kodak an der Börse mit 30 Milliarden Euro bewertet. Das war in den Neunziger Jahren des vorherigen Jahrhunderts. Damals erfüllte das Unternehmen die Mindestanforderungen der Wall Street spielend: 1997 erreichte die Kodak-Aktie mit 94,25 Dollar ihr Allzeithoch.

      (mit Material von dpa, ap)

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