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Freenet Übernahme von Gravis ist ein Befreiungschlag für Freenet

Freenet-Chef Christoph Vilanek ist ein Scoop gelungen, der die Vertriebslandschaft für kleine und große Computer in Deutschland mit einem Schlag verändert.

Die größten Computerhersteller der Welt
Platz 5: AsusDer Konzern aus Taiwan konnte um 16.9 Prozent im Vergleich zum dritten Quartal 2013 zulegen. Der Marktanteil lag im dritten Quartal 2014 mit 7,3 Prozent aber trotzdem am Schluss des Rankings des Marktforschungsunternehmens Gartner. Apple ist im PC-Geschäft immer noch nicht groß genug, um unter die Top 5 Anbieter zu kommen. Quelle: AP
Platz 4: AcerMit 8,6 Prozent Marktanteil im dritten Quartal 2014 landet die ebenfalls taiwanische Konkurrenz Acer Group auf dem vierten Platz. Im Vergleich zum dritten Quartal 2013 verkaufte Acer 9,0 Prozent mehr PCs. Dem Marktforschungsunternehmen zufolge sanken die Computer-Verkäufe im letzten Jahr, unabhängig vom betrachteten Hersteller, in allen Regionen der Welt um 0,5 Prozent. Quelle: REUTERS
Platz 3: DellMit 12,8 Prozent Marktanteil liegt Dell ein ganzes Stück weit hinter den beiden Erstplatzierten. Die weltweiten PC-Verkäufe legten im Vergleich zum Vorjahresquartal um 9,7 Prozent zu. Eine gute Bilanz für den ehemaligen Branchenprimus aus Texas. Quelle: REUTERS
Platz 2: HPDer langjährige Marktführer Hewlett-Packard musste sich erneut der Konkurrenz aus China geschlagen geben. Der Marktanteil lag im dritten Quartal 2014 bei 17,9 Prozent. Die Marktforschungsfirma Gartner stellte bei dem US-Konzern ein stärkeres Wachstum von 4,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal fest. Quelle: AP
Platz 1: LenovoDer Marktanteil im dritten Quartal 2014 lag bei 19,8 Prozent. In der aktuellen Studie von Gartner liegt Lenovo damit noch vor HP. Der chinesische Konzern hat seine Spitzenposition als der größte PC-Hersteller der Welt weiter ausbauen können: Lenovo steigerte die Verkäufe im Vergleich zum Vorjahresquartal um 11,4 Prozent. Quelle: REUTERS

Mit der Übernahme sämtlicher Geschäftsanteile der Gravis-Computervertriebsgesellschaft rückt Freenet ganz nah an die Kultfirma Apple heran. „Die gezielte Ausweitung unseres Angebots hochwertiger Apple-Lifestyle-Produkte rund um den Mobilfunk und mobiles Internet über alle Vertriebskanäle ist eine ideale Ergänzung unserer strategischen Entwicklung zum echten Digital-Lifestyle-Anbieter“, sagt der Vorstandsvorsitzende der in Hamburg ansässigen Freenet AG. Gravis hat mit dem Verkauf von Apple-Produkten einen Jahresumsatz von rund 160 Millionen Euro erzielt.

Für Vilanek hat die Übernahme auch persönliche Konsequenzen. Er übernimmt künftig auch die Rolle von Gravis-Gründer und -Geschäftsführer Archibald Horlitz, der als erster Apple-Händler in Deutschland alle Höhen und Tiefen der Computerfirma aus Cupertino in den vergangenen 25 Jahren erlebt hat. Horlitz wird sich aus dem operativen Geschäft zurückziehen. Ob er in den Aufsichtsrat von Freenet einzieht, ist noch offen. Das Kartellamt muss der Übernahme noch zustimmen, mit einer Entscheidung wird Anfang 2013 gerechnet.

Für die Freenet-Kunden wird es künftig einfacher, Apple-Geräte mit Verträgen aller vier in Deutschland aktiven Mobilfunkbetreiber zu kombinieren. Denn im Kern bedeutet die Übernahme, dass Freenet viel stärker in den 28 vor allen in Großstädten angesiedelten Gravis-Länden Flagge zeigt und dort auch Mobilfunkverträge verkauft. Im Gegenzug bekommt Gravis eine eigene Verkaufstheke in den 550 von Freenet betriebenen mobilcom-debitel-Shops. Apple weitet dadurch seine Vertriebsaktivitäten mit einem Schlag auf ganz Deutschland und stärkt damit seine bis dato eher schwache Präsenz in eher ländlich geprägten Regionen.  

Die zehn Erfolgsgeheimnisse des IT-Konzerns
Wie macht Apple das nur? Aktuell ist Apple das wertvollste Unternehmen der Welt. Der Börsenwert liegt bei mehr als 580 Milliarden Dollar. Und Apple  hat Barreserven in Höhe von  216 Milliarden  Dollar. Zehn Gründe warum das Unternehmen so viel besser ist als jeder Konkurrent. Quelle: REUTERS
1. Der NetzwerkeffektDie IT-Welt funktioniert nach anderen Regeln als der Rest der Wirtschaft. Eine besondere Rolle spielt der sogenannte Netzwerkeffekt. Beispiel Microsoft: In der Ära des PCs hatte der Konzern ein Quasi-Monopol im Bereich der Desktop-Betriebssysteme und der Office-Software. Der Grund: Sobald MS-DOS und später Windows gegenüber damals konkurrierenden Systemen wie CP/M nur einen hauchdünnen Vorsprung hatte, entwickelten Softwareentwickler vornehmlich für das Microsoft-System, um möglichst viele potenzielle Kunden zu erreichen. Andererseits wurde die Microsoft-Plattform mit der verfügbaren Software auch für die Kunden immer attraktiver. Die große Verbreitung von Office in der PC-Ära machte auch diese Software zum Quasi-Standard: Wer die Dokumente von Freunden, Kollegen und Geschäftspartnern lesen und bearbeiten wollte, musste zur Microsoft-Software greifen. Quelle: dpa
1. Der NetzwerkeffektIm mobilen Markt hat Apple die Nase vorn. Zwar werden in absoluten Zahlen im Smartphone-Markt mehr Geräte mit Android-System verkauft – doch Android-Nutzer zeigen im Schnitt deutlich weniger Bereitschaft, Geld für Apps auszugeben. Quelle: AP
2. Zulieferer in vielen LändernApples Zulieferer beschäftigen mehr als 1,6 Millionen Menschen in 20 Ländern. Apple steht wegen der Arbeitsbedingungen seiner Zulieferer in der Kritik. Das taiwanesische Unternehmen Foxconn, das vornehmlich in China produzieren lässt, wurde zum Symbol für Ausbeutung und schlechte Arbeitsbedingungen. Jetzt ist es Apple durch Kontrollen bei Zulieferern gelungen, Verstöße gegen Arbeitszeit-Beschränkungen zu reduzieren. Die Obergrenze von 60 Arbeitsstunden pro Woche sei im vergangenen Jahr zu 97 Prozent eingehalten worden, erklärte der Konzern in seinem jährlichen Bericht zur Lage bei den Zulieferern. Ein Jahr zuvor wurde noch ein Wert von 92 Prozent angegeben. Die durchschnittliche Arbeitszeit für fest angestellte Mitarbeiter bei Zulieferern lag jetzt bei 55 Stunden pro Woche. Quelle: dpa
3. MargeDie Marge pro verkauftem Gerät ist traditionell besonders hoch bei Softwareherstellern: Nachdem ein Software-Produkt entwickelt ist, sind die Kosten pro verkauftem Medium sehr gering, der Verkaufspreis hoch. Apple verkauft zwar auch Software, verdient sein Geld aber hauptsächlich mit dem Verkauf von Hardware. Der Konzern erreicht allerdings auch bei der Hardware Margen, von denen die Konkurrenz nur träumen kann. Offizielle Zahlen gibt es nicht, doch Analysten schätzen die Marge pro verkauftem Gerät zwischen 30 und 40 Prozent. Besonders groß ist die Marge beim iPhone – und davon hat Apple wiederum besonders viele Geräte verkauft: im Jahr 2015 mehr als 231 Millionen Stück. Quelle: REUTERS
4. Konzentration auf das WesentlicheAuch bei den Produktkategorien herrscht Übersichtlichkeit. Das aktuelle iPhone SE gibt es jeweils mit unterschiedlicher Speicherausstattung – auf verwirrende Produktbezeichnungen mit langen Zahlenreihen und verschiedenen Ausstattungen verzichtet der Konzern komplett. Mit der Konzentration auf das Wesentliche hat Apple auch beim Produktdesign Trends gesetzt: Überflüssiges wird weggelassen. Das macht die Produkte elegant und benutzerfreundlich. Damit liegt Apple ganz auf der Linie des heimlichen Vorbilds, dem deutschen Braun-Designer Dieter Rams. Quelle: dpa
Apple-Museum Quelle: dpa

Unberührt von dem Gravis-Deal sind lediglich die exklusiven Vertriebspartnerschaften für das iPhone, die Apple mit den Mobilfunknetzbetreibern wie die Deutsche Telekom und Vodafone eingegangen ist. Freenet bekommt alle iPhones weiterhin von Telekom & Co. geliefert. Doch mittelfristig könnte sich auch das ändern. Denn in Großbritannien ist Apple bereits eine Vertriebspartnerschaft mit dem Großhändler Carphone Warehouse eingegangen.

Der Aktienkurs von Freenet hat auf die Nachricht von der Übernahme  leicht positiv  reagiert. Angesichts der Tatsache, dass die Aktie seit Jahresanfang knapp 50 Prozent zugelegt hat, ist das ein gutes Zeichen. Vor der Übernahme lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis des Tec-Dax-Werts auf Basis der für 2012 erwarteten Gewinne bei knapp 11 und für 2013 bei 8,4 ­ das ist nicht teuer. Berücksichtigen müssen Anleger aber auch, dass Freenet zuletzt ein Wachstumsproblem hatte. Der Umsatz 2012 dürfte mit geschätzt 3,07 Milliarden Euro um knapp fünf Prozent unter dem des Vorjahrs liegen.

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