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Gefloppte Software-Projekte „Vielen fehlt das Verständnis für die SAP-Software“

SAP-Probleme: Wieso kommt es immer wieder zu Komplikationen? Quelle: R. Wittek/imago

Lidl, Deutsche Post, nun Haribo: Die Umstellung auf SAP-Systeme verursacht in Unternehmen regelmäßig Frust. IT-Berater Axel Oppermann spricht über die Ursachen des Problems und gibt Rat.

Herr Oppermann, Haribo hat Lieferschwierigkeiten wegen der Umstellung auf SAP-Systeme. Wieso kommt es immer wieder zu solchen Problemen?
Axel Oppermann: Es mangelt nicht an den Kompetenzen bei SAP oder deren Ökosystem. Die Software an sich funktioniert, sonst wäre SAP nicht so erfolgreich.

Woran liegt es dann?
Es fehlt das Verständnis auf Seiten der Anwender. Viele wollen ihre alten, eingespielten Prozesse in das SAP-System reinzwängen.

Was ist schlecht daran, wenn es immer funktionierte?
SAP ist eine Standardsoftware. Es gibt immer dann Probleme, wenn Unternehmen zu sehr von diesem Standard abweichen. Bestimmte Prozesse kann man anpassen, aber nicht 70, 80 Prozent. Die verschiedenen Bauteile von SAP bedingen sich. Jede übertriebene Anpassung tötet so ein Unterfangen.

Axel Oppermann ist Geschäftsführer des IT-Analysehauses Avispador aus Kassel. Er arbeitet seit Jahren als unabhängiger Beobachter des IT-Markts und berät Unternehmen bei der Umsetzung digitaler Trends. Quelle: PR

Welche Pannen kommen am häufigsten vor?
Warenwirtschaft, Bestell- und Logistikprozesse, Personal: Das ist nicht an einem Bereich festzumachen. Zunehmend entstehen Probleme dadurch, dass immer mehr Daten ins SAP-System fließen. Zum Beispiel in der Logistikkette: Eine Palette meldet bei der Auslieferung Informationen wie die Temperatur zur Qualitätssicherung. Diese Daten werden ans System gemeldet und müssen verarbeitet werden, um neue Prozesse anzustoßen.

Was raten Sie Unternehmen, die auf SAP umstellen?
Erstens, sie müssen verstehen, dass die SAP-Integration ein Lebenszyklus über Jahre ist und auch die Kultur verändert. IT, andere Abteilungen und Geschäftsführung müssen mobilisiert werden, das zusammen zu machen. Zweitens, sie sollten ein SAP-Kompetenzteam benennen. Diese Leute müssen nicht nur Ahnung von der Technik haben, sondern auch vom Geschäft und das Unternehmen gut kennen, eine Art Dolmetscher sein. Ein Ansatz kann zudem sein, eine dritte Instanz einzuschalten: ein Dienstleister für Planung und Strategie, ein anderer für die Umsetzung.

Bei Haribo heißt es, die IT sei so veraltet, dass eine Umstellung alternativlos sei. Sind noch immer viele Unternehmen nicht auf dem Stand der Technik?
Haribo ist überall zu finden. Es geht dabei nicht nur um die Technik. Viele begreifen die Einführung der SAP-Software als Projekt, es geht aber um eine langfristige Entwicklung. Dabei verändert sich auch, wie im Unternehmen Leistungen erbracht und Prozesse abgewickelt werden.

In Konzernen sind teils Hunderte Millionen für gescheiterte SAP-Projekte draufgegangen. Was macht das Ganze so teuer?
Für die vielen Anpassungen werden Berater, Entwickler und Schulungen benötigt. Aus meiner Erfahrung reicht in nahezu der Hälfte aller Fälle das veranschlagte Budget nicht.

Und wann besser abbrechen?
Das ist nicht pauschal zu sagen. Als Unternehmer möchte man immer glauben, dass die nächsten zwanzig Millionen reichen. Wenn ich nach zwei, drei Jahren mein Geschäft nicht mehr so abwickle, wie ich es mit dem SAP-System geplant habe, ist ein Abbruch sicher sinnvoll.

SAP bietet für das Internet der Dinge schon die nächste Plattform an: Leonardo. Werden Unternehmen immer abhängiger von SAP?
Das stimmt. Die Integration der Systeme führt dazu, dass Kunden immer mehr bei einem Lieferanten bestellen. Microsoft macht im Cloud-Bereich das Gleiche. Die haben alle das gleiche Management-Lehrbuch gelesen.

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