WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Gesamtumsatz steigt um zwei Prozent Wie Plattner SAP umbaut

Mitgründer Hasso Plattner treibt die Umwandlung des Softwareriesen in eine Europa-AG voran – nur ein Zwischenschritt auf dem Weg zur Verlagerung des Firmensitzes in die USA? Heute hat SAP Quartalszahlen vorgelegt.

Junge Truppen: In Indien sitzt das größte Entwicklungszentrum außerhalb von Walldorf. Quelle: Presse

Der Softwarekonzern SAP hat nach einer eher enttäuschenden ersten Jahreshälfte die Schwäche in Asien überwunden, wird aber vom starken Euro ausgebremst. Der Gesamtumsatz stieg im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr lediglich um zwei Prozent auf 4,05 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Montag mitteilte. Vor allem die Entwicklung von US-Dollar und japanischem Yen hätten sich negativ auf die Umsätze ausgewirkt, sagte Finanzvorstand Werner Brandt. Analysten hatten mit einem stärkeren Plus gerechnet. SAP sieht sich dennoch auf dem besten Weg zu seinen Jahreszielen.

Auch die beiden Wachstumsfelder Cloud-Services und die superschnelle Datenbanktechnologie Hana seien auf Kurs, hieß es. Die Cloud-Umsätze hätten hochgerechnet auf ein Jahr die Marke von einer Milliarde Euro übertroffen. Unterm Strich verdiente der Softwarekonzern mit 762 Millionen Euro 23 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Nach der Bundestagswahl dürfte vor allem ein Unternehmer erst mal durchgeschnauft haben: Hasso Plattner, Mitgründer und Aufsichtsratschef von SAP. Plattner warnte in den Monaten vor der Wahl eindringlich vor den Folgen einer Vermögensteuer, so wie sie SPD und Grüne einführen wollen. Kein Wunder: Schließlich hält der 69-Jährige noch rund zehn Prozent der Aktien im Wert von aktuell 6,7 Milliarden Euro an dem Softwarekonzern aus dem badischen Walldorf. Von einer Vermögensteuer sah Plattner sein Lebenswerk bedroht, weil er dann kontinuierlich Aktien verkaufen müsste, um die Steuer zu bedienen. Dadurch könnte SAP, so seine Befürchtung, mittelfristig in fremde Hände fallen.

SAP schafft erstmals den Sprung an die Spitze
Platz 158: EonDas Abschalten der Atomkraftwerke in Deutschland hat Eon stark mitgenommen: War der Versorger Ende 2010 noch 61 Milliarden Dollar wert (Platz 114), sind es jetzt nur noch 42,9 Milliarden Dollar. Das bedeutet Rang 158. Damit ist Eon der zehntgrößte Konzern hierzulande, er war mal der größte. Quelle: dpa
Platz 10: EonImmerhin noch in den Top Ten, möchte man bei Eon fast sagen. Früher war der Versorger mal Deutschlands wertvollstes Unternehmen, heute "nur noch" 32,3 Milliarden Euro wert. Feuer und Flamme sind die Aktionäre vor allem wegen der vielen offenen Fragen im Hinblick auf die Energiewende schon lange nicht mehr. Quelle: dpa
Platz 9: AllianzAufwärts ging es dagegen für die Allianz, wenn auch nur ein wenig. Ende 2011 stand Europas größter Versicherer im weltweiten Vergleich noch auf Rang 152, nun auf 144. Der Börsenwert beträgt 33,7 Milliarden Euro. Die Quartalszahlen wiesen solide Gewinne aus, zudem überzeugt Aktionäre eine hohe Dividende. Quelle: dpa
Logo von BMW Quelle: AP
Platz 7: Deutsche TelekomKonstant abwärts geht es für die Deutsche Telekom – da hilft auch die hohe Dividende nichts. Der Börsenwert sank auf 37,8 Milliarden Euro. Das bedeutet weltweit Platz 139. Konzernchef René Obermann muss schleunigst Antworten finden auf die schwierige Situation in den USA und beim Ausbau des Internet-Geschäftes. Quelle: dapd
Platz 6: DaimlerIn Deutschland Rang 6, weltweit auf Platz 135: Daimler legte zuletzt zwar immer wieder Rekordzahlen vor, aber Konkurrenten wie BMW stehen eben noch ein wenig besser da. Daimler ist an der Börse 38,4 Milliarden Euro wert, etwas mehr als vor einem halben Jahr. Quelle: dapd
Platz 5: BayerSpürbar nach oben ging es für Bayer. Der Pharma- und Chemiekonzern zeigt sich äußerst stabil und kam auch mit konjunkturellen Unsicherheiten sehr gut zurecht. 46,4 Milliarden Euro sind die Leverkusener an der Börse wert, ein gutes Stück mehr als Ende 2011 und so kletterte Bayern von Rang 119 auf 111. In Deutschland sind nur vier Konzerne mehr wert ... Quelle: dapd

Dennoch arbeitet Plattner weiter daran, SAP vor einem künftigen Zugriff des Fiskus zu befreien – und hat dabei möglicherweise bereits den großen Wurf angepeilt. „Ich gehe davon aus, dass innerhalb der kommenden fünf Jahre die Verlagerung des Firmensitzes in die USA stattfindet“, unkt ein SAP-Betriebsrat. Die geplante Umwandlung in eine Europa-AG sei dazu nur ein Zwischenschritt. Ein Gang in die USA dürfte Unruhepol Plattner nicht nur aus steuerlichen Gründen reizen: Er will die Belegschaft dynamischer und wettbewerbsfähiger machen.

Behäbigkeit in der Provinz

Denn Plattner nervt insbesondere die vermeintliche Behäbigkeit in der nordbadischen Provinz. Die hat aber teilweise einen hausgemachten Grund: Während vor allem in den SAP-Entwicklungsstandorten im Ausland kontinuierlich junge Programmierer an Bord kommen, fehlt hierzulande die personelle Erneuerung. „Da rast ein demografischer GAU auf SAP in Deutschland zu“, sagt ein Betriebsrat aus Walldorf, der ungenannt bleiben möchte.

Plattner, der sich erst kürzlich in einem Interview mit der WirtschaftsWoche als „guter Diktator“ bezeichnete, macht seinem selbst verpassten Ruf einmal mehr alle Ehre. Seit geraumer Zeit treibt er den Umbau des Unternehmens voran. Das Vorbild lautet dabei stets Amerika. Kein Wunder, sitzt der Aufsichtsratschef doch gut die Hälfte der Zeit im SAP-Entwicklungszentrum im kalifornischen Palo Alto. Inspirieren lässt er sich dort laut eigener Aussage von der „besonderen Mischung von Leuten“. Diese sind zwar im Schnitt genauso alt wie die Entwickler in Deutschland. Aber Plattner schätzt sie vor allem deshalb, weil sie zu 50 Prozent aus Indien stammen, Chinesen sind oder Auswanderer aus Europa. Grund: „Ihr Wille zu gewinnen, ist enorm – höher als in Deutschland“, sagt Plattner.

Sprüche wie diese empfinden SAPler im heimischen Walldorf als Ohrfeige, zumal Plattner auch öffentlich an der angeblichen Langsamkeit seiner Landsleute verzweifelt: „Manchmal will ich die Walldorfer Entwickler packen und schütteln und anschreien: Bewegt euch schneller!“, sagte er kürzlich. Und in einer internen E-Mail von Ende Juli an seine Mitarbeiter, die der WirtschaftsWoche vorliegt, schreibt der SAP-Übervater: „Hauptquartiere von Unternehmen werden gerne bürokratisch – genau so ist es uns ergangen.“

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%