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Geschäftszahlen Wird Steve Ballmer für Microsoft zum Problem?

Mit Spannung wurden Microsofts neueste Quartalszahlen erwartet. Doch Konzern-Chef Steve Ballmer ist es nicht gelungen, mit Windows 8 in eine neue Ära zu starten. Der Softwareriese musste Gewinneinbußen hinnehmen.

In der Nacht zu Freitag hat Microsoft seine Quartalszahlen bekannt gegeben. Quelle: Presse

"As cool as a tree, as scary as the sea, as warm as the sun, as silly as fun, ..." – der Song "Everything at Once" der Sängerin Lenka ist der Gewinner der aktuellen Microsoft-Werbekampagne zu Windows 8.

Die aktuelle Reklameoffensive, die das Unternehmen zugunsten des neuen Betriebssystems gestartet hat, ist derart allgegenwärtig, dass der eingängige Ohrwurm bei so manchem kaum verschwinden mag. In Sachen Marketing hat Microsoft also alles richtig gemacht. Doch ob das neue Flaggschiff das Unternehmen aus Redmond wieder auf die gewohnte Erfolgsspur bringt, wird in der Branche stark bezweifelt. Experten im Silicon Valley waren sich vorab einig, dass die Zahlen für das vergangene Firmenquartal nicht gut aussehen werden. "Seit der letzten Bekanntgabe im Dezember hat sich kaum etwas verändert, und der Januar war kein bedeutender Monat für Microsoft", sagt Patrick Moorhead, einer der bekanntesten Analysten der IT-Branche. Er beobachtet das Unternehmen um Chef Steve Ballmer seit mehr als zehn Jahren und ist sicher: "Wenn Windows 8 nicht den gewünschten Erfolg bringt, wird Ballmer früher oder später gehen müssen."

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag präsentierte die größte Software-Firma der Welt dann die neuesten Quartalszahlen. Und die zeigen, dass das neue Windows 8 bislang nicht den erhofften Durchbruch gebracht hat. Der weltgrößte Softwarekonzern musste im vergangenen Quartal wegen schwächelnder Verkäufe von Office-Büroprogrammen einen Gewinnrückgang hinnehmen: Der Gewinn sank auf 6,4 Milliarden Dollar von 6,6 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Die Wall Street reagierte enttäuscht: Die Microsoft-Aktie gab im nachbörslichen Handel um 1,4 Prozent nach.

Windows 8 im Test - Schocktherapie für Nutzer
Flotter StartZum Start ein Fisch: Windows 8 startete in unserer virtueller Testumgebung auf einem aktuellen iMac innerhalb des Virtualisierungsprogramms Virtualbox binnen Sekunden. Der Fisch zeigt übrigens an, dass es sich um die Consumer-Vorschau-Variante des kommenden Windows-Systems handelt. Schon in der Beta-Version von Windows 7 kam der Kampffisch (Gattung Betta) zum Einsatz, aus der fertigen Version wird er verschwunden sein. Quelle: Screenshot
Wischen ist angesagt!Dann werden wir von einem schicken Login-Screen begrüßt. Nun gilt es bereits, sich dem neuen Windows-Paradigma zu nähern: Wischen statt klicken! Erst nachdem der Login-Screen mittels Wisch-Geste nach oben verschoben wurde, dürfen wir uns einloggen. Damit ist eine der beiden wichtigsten Gesten eingeführt: Das Wischen zum Scrollen von Inhalten. Die zweite wichtige Geste bei Windows 8 ist das einfach antippen einer Schaltfläche - der Doppelklick hat auf der Metro-Oberfläche ausgedient. Übrigens: Wer bei der Installation dem Wunsch von Microsoft widerspricht, sich einen Microsoft-Account für Windows 8 anzulegen, landet nach dem Start direkt auf der Metro-Oberfläche ohne den Login-Screen. Quelle: Screenshot
Kacheln statt FensterUnd dann das: Bunte große Kacheln statt Fenster. Auf einen Blick wird hier deutlich, warum Microsoft-Chef Steve Ballmer Windows 8 als die bislang “riskanteste Produktwette” von Microsoft bezeichnet. Windows 8 ist der bislang größte Traditionsbruch in der Geschichte des Windows-Systems, dessen Wurzeln bis in das Jahr 1983 zurückreichen. Windows 8 hat sich von Windows Phone 7 inspirieren lassen, damit es sich genauso mittels Touch-Gesten steuern lässt wie mittels Maus auf dem PC. Anwendungen (“Apps”) und Widgets wie das aktuelle Wetter werden als Kacheln dargestellt. Für jede installierte Anwendung hängt Windows 8 eine weitere Kachel auf dem Startbildschirm an. Vorsortiert wird dabei nicht - die Sortierung übernimmt der Nutzer. Quelle: Screenshot
Anwendungen im Metro-GewandEin Klick auf die Kachel Internet Explorer und wir landen in dem Microsoft-Browser in der Metro-Variante. Bislang gibt es nur eine Handvoll mit Windows 8 ausgelieferte Microsoft-Programme, die in dem Vollbild-Metro-Modus laufen. Unter anderem von Googles Webbrowser Chrome und Mozillas Browser Firefox sind Metro-Varianten angekündigt. Ältere Windows-Software sieht dagegen auch unter Windows 8 so aus wie immer - und lässt sich damit per Touch-Bedienung nach wie vor nicht vernünftig bedienen. Anderseits ist die Bedienung der Metro-Programme mit der Maus äußerst gewöhnungsbedürftig. Nachdem wir eine Webadresse in den Browser eingegeben hatten, ist die Adressleiste plötzlich verschwunden. Erst ein Klick auf den unteren Rand des Fensters bringt sie zurück - und das erst nach einigem Ausprobieren. Alternative: ein Rechtsklick. Quelle: Screenshot
Anfängliche Verzweiflung: Wo geht’s hier raus?Und wie kommen wir nun aus dem Internet Explorer wieder raus? Ein “X” ist nirgendwo zu finden. Die altebekannte Tastenkombination Alt+F4 funktioniert auch nicht. Also schnell gegoogelt. Fazit: Wie bei einem Tablet-Konzept üblich, lassen sich die Metro-Apps gar nicht mehr so einfach beenden. Sie laufen im Hintergrund weiter und werden nur noch ausgeblendet. Und wie blendet man die App nun aus? Bei der Touchbedienung wird von rechts in den Bildschirm gewischt, um die sogenannten Charms - so nennt Microsoft das dann auftauchende Menü - herbeizuzaubern. Doch wie geht das mit der Maus? Erst ein Demonstrationsvideo von Microsoft bringt die Erkenntnis: den Cursor nach ganz unten oder ganz oben links bewegen. Damit werden die Charms rechts (siehe Screenshot) aufgerufen - und damit die Schaltfläche “Start”, um auf die Metro-Oberfläche zurückzukehren. Generell funktioniert mit der Maus vieles anders als mit der Touch-Bedienung - und manches ist auch unnötig verwirrend. Quelle: Screenshot
Zurück zum GewohntenFast wie Windows 7 sieht dagegen der klassische Desktop aus. Zu ihm gelangt der Nutzer jederzeit über den Start-Bildschirm der Metro-Oberfläche. Hier lässt sich auch wie gewohnt das Dateisystem mittels Windows Explorer durchforsten. Auch ansonsten beruhigt den eingefleischten Windows-Fan hier endlich ein gewohnter Anblick: Im unteren Bereich ist immer noch die Taskleiste, in der links die laufenden Programme und rechts Systemicons wie Lautstärkeregler, Warnungen des Wartungscenters und ein Netzwerk-Symbol angezeigt werden. Quelle: Screenshot
Einfach drauf lostippenHaben Sie beim letzten Bild etwas bemerkt? Ganz wie Windows 7 sah der Desktop doch nicht aus. Was fehlt? Genau, der mit Windows 95 eingeführte Windows-Start-Button ist ersatzlos gestrichen worden. In der ersten nur an Entwickler gerichteten Vorschau von Windows 8 war er noch vorhanden. Wie kommt der Anwender nun an seine Programme? Die Antwort ist für alte Windows-Hasen sehr ungewohnt: einfach drauf lostippen. Das funktioniert elegant und superflink - allerdings nur von der Metro-Startfläche aus, nicht vom Desktop. Wie bisher lassen sich Verknüpfungen auf Programme aber auf den Desktop oder in die Taskleiste legen. Zum Start aller anderen Anwendungen führt nun aber kein Weg am Start-Bildschirm der Metro-Oberfläche vorbei. Quelle: Screenshot

Die Bedeutung des neuen Betriebssystems, das sowohl für PCs als auch für mobile Endgeräte konzipiert wurde, ist für den Konzern immens. Die bunten Kacheln, die den User wie Apps durch die Struktur der Software führen, sollten eine Art Rettungsanker sein. Denn bisher läuft Windows weltweit zu 90 Prozent fast ausschließlich auf traditionellen PCs und Notebooks. Doch die einstigen Windows-Kunden greifen inzwischen immer öfter zu Tablets mit mobilen Betriebssystemen wie Googles Android und Apples iOS. Hätte Microsoft auf diesen Trend schneller reagiert, wären ihnen die Kunden vielleicht treu geblieben. Nun müssen Kunden zurückgewonnen werden.

Vom Tablet-Boom ist die gesamte PC-Branche gebeutelt. Laut Prognosen des Marktforschungsinstituts European Information Technology Observatory waren die Umsätze mit Notebooks in Deutschland im vergangenen Jahr mit einem Minus von 2,2 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro leicht rückläufig. Der Umsatz mit Desktop-PCs lag mit 2,4 Milliarden Euro fast unverändert ebenfalls unter Vorjahresniveau (- 0,7 Prozent).

Die Branche ist gebeutelt

Das sind die Neuigkeiten von Office 2013
Office ist bei Microsoft Chefsache: CEO Steve Ballmer stellte die neueste Version der Cash Cow des Software-Riesens persönlich in San Francisco vor. Im Folgenden die wichtigsten Neuerungen im Überblick. Quelle: dapd
Eine grundsätzliche Änderung, die alle Teile von Office betrifft: Das Büro-Paket kommt auf Tablets und wurde entsprechend auf die Bedienung per Fingern optimiert. Daher ist auch das Design von Office 2013 an die für Touch-Steuerung optimierte Metro-Oberfläche von Windows 8 angelehnt. Zudem soll Office 2013 stärker als alle seine Vorgänger mit Sozialen Internetdiensten verknüpft und in die sogenannte Cloud eingebunden werden, womit die zentrale Speicherung von Daten auf Internetrechnern gemeint ist. „Wir machen mutige Schritte bei Microsoft“, sagte Konzernchef Steve Ballmer am Montag bei der Vorstellung des neuen Office-Pakets. Quelle: dpa
Word 2013Word hat Microsoft vor allem um Online-Funktionen erweitert. So können künftig um eigene Wort erweiterte Wörterbücher im Internet auf Microsofts Cloud-Service Skydrive abgespeichert werden. Der Vorteil: Die online gespeicherten eigenen Wörterbücher stehen immer auf jedem Gerät zur Verfügung und werden überall automatisch synchronisiert. Auch optisch hat Microsoft nachgebessert: Ein neuer Reading Mode soll die Hardware vor allem des Bildschirms besser ausnutzen. In dunklen Umgebungen kann zur besseren Lesbarkeit der Hintergrund auf schwarz und die Schrift in weiß umgestellt werden. Quelle: Golem.de
PowerpointDie Präsentationssoftware Powerpoint bietet eine praktische neue Funktion im Präsentationsmodus: Ist ein externes Gerät wie ein Beamer oder Präsentationsbildschirm angeschlossen, wird die Präsentation dort im Vollbild gezeigt, während auf dem Bildschirm des Präsentationsgeräts neben der aktuellen Folie auch die folgende Folie sowie Notizen angezeigt werden. Die Steuerung ist auf Stift und Finger optimiert worden. Per Finger-Gesten kann herein- und herausgezoomt werden, Powerpoint erlaubt Notizen-Eingaben per Sift. Zudem kann der Eingabestift als virtueller Laserpointer für die Präsentation genutzt werden.
OutlookAuch beim E-Mail- und Organizer-Programm Outlook fällt vor allem die für Touch-Gesten optimierte Steuerung auf. So können nun beispielsweise Flags für E-Mails per Fingersteuerung über das Quick Actions Tab auf der rechten Seite gesetzt werden. Mail, Kalender, Kontakte und Aufgaben sind nun durch Tabs am unteren Bildschirmrand getrennt - auch das ein Tribut an die Touch-Steuerung. Die von Microsoft aufgekaufte Telefonie-Software Skype ist seit Office 2013 Teil von Outlook, Skype-Kontakte sind automatisch integriert. Quelle: Golem.de
OutlookAuch Outlook ist mit Internet-Diensten vernetzt. So wird mittels Bing Maps die Adresse auf der Karte angezeigt. Neu ist ein „Radio-Menü“ genanntes kreisrundes Bedienelement, beispielsweise zur Formatierung des Textes. Das Radio-Menü ist besonders groß und daher leicht mit den Fingern bedienbar. Quelle: Golem.de
ExcelDieser Screenshot der Tabellenkalkulation Excel zeigt, wie Microsoft die Optimierung auf die Touch-Bedienung umgesetzt hat: Noch immer sind die mit Office 2007 eingeführten Ribbons vorhanden, sind aber standardmäßig zusammengeklappt. Quelle: Golem.de

Unter diesen Bedingungen deutete sich bereits im Herbst an, wie sehr Microsoft den Anschluss im mobilen Geschäft verloren hat. Der Verkauf von Windows 7 schwächelte mit dem PC-Markt, und der Konzernumsatz ging im ersten Geschäftsquartal (Juli bis September) um acht Prozent auf 16 Milliarden Dollar (12,2 Milliarden Euro) zurück. Der Gewinn schrumpfte um 22 Prozent von 5,74 auf 4,47 Milliarden Dollar. So schlecht hatte das Unternehmen nie zuvor abgeschnitten. Die Zahlen machten trotz einordnender Worte der Analysten deutlich, dass Microsoft sich ranhalten muss, um künftig mit Apple und Google am Markt konkurrieren zu können.

Der Beginn einer neuen Ära

"Der Start von Windows 8 ist der Beginn einer neuen Ära für Microsoft", sagte Konzernchef Steve Ballmer im Herbst hoffnungsvoll. Immer wieder schwor der bullige Konzernchef, der für seine einpeitschende Art bekannt ist, dass nun alles besser werde. Dass das Unternehmen, das sein enger Freund Bill Gates in den 90er Jahren zum Erfolg führte, mit Windows 8 ein innovatives Programm entwickelt habe, das den Sprung zwischen allen Endgeräten problemlos hinlegt.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum neuen Windows

Ballmers Enthusiasmus übertrug sich nicht auf die Kunden. Bereits mitten im Vorweihnachtsgeschäft 2012 zeigte sich, dass die Verkäufe von Windows 8-Notebooks im Vergleich zu den Vorjahren rückläufig waren. Auch der PC-Verkauf insgesamt stieg nicht an, wie es sonst nach der Markteinführung eines neuen Microsoft-Betriebssystems immer der Fall gewesen war.

Die neue Menüführung habe die Kunden ebenso irritiert, wie die umfangreiche Technik hinter der bunten Oberfläche, sagen Marktkenner. Diese sei zwar durchaus gut entwickelt, komme beim Endverbraucher aber gerade wegen ihrer Komplexität nicht an. Außerdem hatten etliche User über Probleme beim Update auf PCs geklagt, die ein bis zwei Jahre alt sind.

Seitens Microsoft blieb man optimistisch. Das neue Programm verkaufe sich gut. Seit dem Start Ende Oktober ging es wohl insgesamt 60 Millionen Mal über den Ladentisch. Damit liege es etwa gleichauf mit den damaligen Verkäufen des Vorgängers Windows 7 vor drei Jahren. Problematisch daran: Die Zahlen weisen nicht aus, wie viele neue Geräte mit Microsoft 8 gekauft und wie oft das Programm heruntergeladen wurde.

Die wichtigsten IT-Trends

"Diese Analyse ist in monatlichen Abständen sehr schwer zu erheben", sagt der Microsoft-Kenner Patrick Moorhead. Er glaubt, dass die Zahlen ähnlich unklar zu deuten sind. Denn die entscheidende Frage ist seiner Meinung nach nicht, wie oft das neue Programm heruntergeladen wurde, sondern wie viele Geräte mit Windows 8 neu gekauft wurden. Dieser Wert zeige am deutlichsten, ob sich das Produkt am Markt durchsetzen wird. Und letztlich auch, ob Microsoft der Sprung in die digitale Liga gelingt.

Die Kunden sind nicht überzeugt

Die neuen Geräte mit Windows 8
Laptop oder Tablet-Computer? Was das IdeaPad Yoga 13 von Lenovo ist, hängt davon ab, wo Nutzer den Bildschirm hindrehen. Denn der lässt sich nicht nur im 90-Grad-Winkel aufstellen, sondern komplett umklappen. Im Vergleich zu Geräten wie dem iPad ist das IdeaPad jedoch relativ groß und schwer: Es misst 13 Zoll und wiegt 1,5 Kilogramm. Auch der Preis von rund 1300 Euro ist stattlich. Alternativ bietet sich das Lenovo Ideapad Yoga 11 (im Bild) an. Das Gerät ist mit seinem 11-Zoll-Bildschirm deutlich handlicher und mit 1300 Gramm auch etwas leichter. Kostenpunkt: 799 Euro. Quelle: dpa
Fliegender Wechsel: Das Vaio Duo 11 lässt sich mit einer Schiebebewegung vom Ultrabook zum Tablet verwandeln. Das flache, leichte und leistungsfähige Gerät hat allerdings seinen Preis: Sony vermarktet es ab 1200 Euro – auch für ein Ultrabook ist das nicht gerade günstig. Quelle: Sony
Premiere für Microsoft: Der Konzern beschränkte sich bislang auf die Rolle des Software-Lieferanten, jetzt bringt er mit dem Tablet-Computer Surface auch eigene Hardware heraus. Installiert ist Windows 8 RT, das für Geräte mit den stromsparenden ARM-Prozessoren konzipiert ist. In den USA kommt das Surface zu Preisen ab 500 Dollar auf den Markt, damit kostet ähnlich viel wie das iPad, bietet aber mehr Speicher. Doch es gibt Alternativen zum Microsoft-Flachmann. Quelle: Reuters
Ein klasisches Tablet hat auch Asus entwickelt, das VivoTab, das es mit WLAN wie auch mit UMTS-Anschluss gibt. Über ein verdecktes Scharnier lässt sich jedoch eine Tastatur mit Zusatz-Akku anschließen. In der günstigsten Version kostet das VivoTab rund 600 Euro, im Paket mit der Docking-Station 730 Euro. Auf diese Doppellösung sind auch andere Hersteller gekommen. Quelle: PR
Drehen, klappen, fertig: Das XPS 12 von Dell wird mit wenigen Handgriffen vom Ultrabook zum Tablet-Computer. Da es sich um ein vollwertiges Notebook handelt, ist nicht das abgespeckte Windows 8 RT an Bord, sondern die volle Version. Das Tablet-Notebook soll in Deutschland ab 1000 Euro kosten. Quelle: PR
Ein Konvertit ist der Ativ Smart PC von Samsung: Der Tablet-Computer lässt sich mit Fingergesten oder einem Stylus bedienen, wird aber mit einer Anstecktastatur zum Laptop. Der koreanische Konzern vermarktet eine ganze Reihe von Geräten unter dem Namen Ativ, darunter ein Smartphone mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows Phone 8. Quelle: dpa
Ein klassisches Tablet ist das Elitepad 900 von Hewlett-Packard. Mit einen 10,1 Zoll großen Bildschirm ähnelt seine Größe dem iPad. Wer komfortabel damit arbeiten will, kann ihn mit sogenannten Smart Jackets erweitern, etwa um eine Tastatur oder einen Ständer mit diversen Schnittstellen und einem Zusatzakku. Zudem gibt es eine Docking-Station, die das Tablet zum zweiten Bildschirm eines PCs macht. Das Elitepad 900 kommt im Januar 2013 in den USA auf den Markt. Zum Preis hat sich HP noch nicht geäußert. Quelle: PR

Bisher deutet kaum etwas darauf hin. Die schlechte Bewertung der neuen Software hat bereits jetzt Folgen für Microsoft. Laut Branchenkennern haben Toshiba, Samsung und HP schon einen Rückzieher gemacht. Die Unternehmen wollten 2013 eigentlich mit neuen Windows-8-Geräten auf den Markt gehen. Doch aufgrund der geringen Nachfrage halten sich die Unternehmen nun anscheinend zurück. "Die Margen sind sehr niedrig, da ist niemand bereit ein Risiko einzugehen", sagt Patrick Moorhead. Die Gefahr sei zu groß, dass man auf den Produkten sitzen bleibe.

Besonders schlecht dürften diese Nachrichten bei Nokia ankommen. Der finnische Telefonhersteller wollte mit Windows 8 auf der aktuellen Smartphone-Reihe Lumia eigentlich wieder vorne im Markt mitmischen.

In diesem Licht wirkt eine mögliche Beteiligung Microsofts am Dell-Ausverkauf wenig verwunderlich. US-Medien hatten diese Woche berichtet, dass das Unternehmen aktuell über eine finanzielle Beteiligung an der Übernahme des Computer-Herstellers Dell verhandelt. Dell zählt ebenfalls zu den großen Verlierern der Umwälzungen in der Computerbranche. Angeblich will Microsoft mit einer Summe bis drei Milliarden Dollar einsteigen, berichtet der Fernsehsender CNBC am Dienstag. Das "Wall Street Journal" spricht von mehreren Milliarden. Eine feste Zusage gibt es bisher noch nicht. Seitens Microsoft zeigt man sich verschwiegen und tut die Meldung als "Branchengerücht" ab.

Dabei wäre ein Deal mit Dell überaus wichtig, um den PC-Hersteller im Windows-Lager zu halten. Denn der derzeitige Ausverkauf ermöglicht dem angestaubten Konzern Dell einen kompletten Neuanfang und damit auch die Möglichkeit mit neuen Geräten in den mobilen Markt einzusteigen. Ohne eine Partnerschaft mit Microsoft stünden Dell damit Tür und Tor für eine Zusammenarbeit mit Apple oder Google offen. Eine Möglichkeit, die Steve Ballmer ganz sicher im Hinterkopf hat.

Er befindet sich in äußerst unsicherem Fahrwasser. Obwohl Microsoft mit alten Windows- und Office-Lizenzen noch gutes Geld macht und auch im Bereich der Spielekonsolen weiter vorne mitmischt, kann sich der Konzern in seiner gewohnten Größe langfristig sicher nicht am Markt halten, wenn der Schritt in das mobile Geschäft nicht gelingt. Ballmer selbst steht in der Verantwortung. Und viele Branchenkenner zweifeln daran, dass er der richtige Mann für diese Aufgabe ist. Er wirke getrieben, heißt es. Er sei kein Visionär und habe trotz extremem Arbeitseifer große Schwierigkeiten den Staub abzuwischen, der sich langsam aber sicher auf das Microsoft-Image gelegt hat.

Der Erfolg alter Tage

Die Fakten zum Microsoft-Tablet
Das Surface stellt eine Zäsur in der Geschichte von Microsoft dar. Statt nur die Software zu liefern, bietet Microsoft jetzt auch gleich das Gerät mit an. Das tat Microsoft bisher nur in Ausnahmefällen wie Eingabegeräten und der Spielekonsole Xbox. Doch was kann das Tablet? Die Fakten im Überblick. Quelle: Reuters
Grundsätzlich kommt das 10,6 Zoll große "Surface" in zwei verschiedenen Versionen auf den Markt. Eine für Heimanwender mit ARM Prozessor und in der reinen Tablet-Version des neuen Betriebssystems Windows 8 - RT genannt. Das Modell für professionelle Nutzer ist mit 13,5 Millimeter etwas dicker (einfache Variante: 9,3 Millimeter), hat aber auch einen deutlich leistungsfähigeren i5-Prozessor von Intel und die Pro-Variante von Windows 8. Größtes Plus der Variante mit i5-Prozessor: Auch normale Windows-Software läuft auf dem Gerät. Quelle: dapd
Ein weiterer Hardware-Unterschied zwischen der RT genannten Einsteiger-Version und dem Pro-Modell sind die Anschlüsse. Das Surface RT muss mit einem USB 2.0-Anschluss und einem MicroSD-Slot auskommen, während das Surface Pro einen Anschluss mit USB 3 und einen microSDXC-Karten-Slot bietet. Einen Mini-Display-Port hat ebenfalls nur das Pro-Modell. Beide Varianten werden mit 32 oder 64 Gigabyte internem Flash-Speicher angeboten. Quelle: AFP
Eine Besonderheit gegenüber anderen Tablets, die beide Versionen des Surface haben: Der ausklappbare Ständer. Die 0,7 Millimeter dicke Metallklappe ist mit drei Scharnieren am Body befestigt und soll so laut Microsoft auch auf längere Zeit ausreichend Stabilität bieten. Quelle: AFP
Neben zwei Leistungs-Versionen gibt es auch zwei Varianten des Covers. Diese werden ähnlich wie das SmartCover bei Apples iPad magnetisch an dem Tablet befestigt. Doch die Microsoft-Cover sollen nicht nur das Display schützen, sie haben auch beide eine Tastatur integriert. Hier kommt auch der Unterschied: Das drei Millimeter dicke TouchCover (auf dem Bild in pink) hat keine fühlbaren Tasten, sondern reagiert nur auf Druck. Das TypePad (im Bild schwarz) ist mit fünf Millimetern zwar etwas dicker, hat aber im Gegensatz zum TouchCover richtige Tasten, die bis zu 1,5 Millimeter nachgeben. Quelle: dapd
Das Gehäuse beider Modelle ist aus einer Magnesium-Legierung, die Microsoft "VaporMg" nennt. Mit einem Gewicht von 676 Gramm liegt die RT-Version auf dem Niveau des iPad 3, das Pro-Modell wiegt mit 903 Gramm deutlich mehr. Allerdings soll sich das Surface Pro auch von seinen Leistungsdaten her gegen die Ultrabooks als gegen das iPad positionieren. Quelle: dapd
Zudem lässt sich das Surface Pro auch mit einem Stift bedienen. Quelle: dapd

Noch zehrt Microsoft vom Erfolg alter Tage und dem Verkauf von Windows- und Office-Lizenzen, doch die Zeiten des reinen Software-Erfolgs sind vorbei sind. Das Cloud-Computing macht das Teilen von Lizenzen legal und möglich und sorgt so dafür, dass ein wesentliches Geschäftsmodell von Microsoft früher oder später wegbrechen wird. Beziehungsweise schon dabei ist wegzubrechen.

Microsoft wird seine Software künftig immer mit einem Gerät oder als Update verkaufen müssen, um Geld zu verdienen. "Wir werden verstärkt in den Bereich der Hardware investieren", bestätigt ein Microsoft-Sprecher gegenüber WirtschaftsWoche Online. Mit dem ersten Microsoft-Tablet Surface hat man damit im vergangenen Jahr begonnen. Entsprechend gespannt darf man auf die aktuellen Verkaufszahlen des Surface sein, das natürlich mit dem Betriebssystem in Kacheloptik läuft.

Microsoft-Chef Steve Ballmer stellt das neue Tablet Surface vor. Quelle: REUTERS

Das erste Microsoft-Tablet ist seit Ende vergangenen Jahres auch hierzulande lediglich über den Microsoft-Store im Internet erhältlich. Wann das Gerät auch in die Läden kommt, ist bisher nicht bekannt. Ursprünglich war von Anfang 2013 die Rede. Warum das Gerät hierzulande noch in den Läden liegt, wird seitens des Unternehmens nicht weiter kommentiert. Für die USA und Kanada wurde derweil schon der Start des Surface Pro angekündigt. Satte 900 Dollar soll das Gerät dort kosten. Eine hohe finanzielle Hürde für alle, die vor der Wahl stehen, sich ein neues Tablet zuzulegen.

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Die schlechten Zahlen bei Microsoft dürften also kaum jemanden verwundern. "Ich habe nicht das Gefühl, dass Microsoft 2013 noch die Kurve kriegen kann", sagt Patrick Moorhead. Allerdings gibt er das Unternehmen auf der Langstrecke nicht auf. "Microsoft muss Investoren überzeugen und zeigen, dass es auch bei Geräten mit Touchscreen punkten kann", sagt der Experte.

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