Google-Aktie auf Rekordhoch Anleger vertrauen Google blind

Die Anleger reagieren euphorisch auf Googles Sparprogramme, die Aktie explodiert. Dabei hält der Konzern die Gewinne seiner angeblichen Umsatztreiber wie Youtube unter der Decke. Ist der Kurssprung berechtigt?

Google Campus im Silicon Valley Quelle: dpa

So schnell kann sich die Stimmung der Anleger drehen. Als Google im ersten Quartal 2015 einen leichten Umsatzrückgang melden musste, kam Panik auf. Google würde zu viel Geld verbrennen für unrentable Projekte. Google würde Werbeeinnahmen auf Desktop-PCs verlieren und diese durch Einnahmen auf Smartphones und Tablets nicht kompensieren können. Jetzt veröffentlichten die Kalifornier ihre Zahlen für das zweite Quartal - und schon sind alle Zweifel beseitigt.

Von 17,2 Milliarden Dollar im ersten Quartal 2015 stieg der Umsatz nun auf 17,7 Milliarden. Dass er damit noch immer unter den Einnahmen von 18,1 Milliarden aus dem vierten Quartal 2014 liegt, stört die Anleger kaum. Zwar bewegte sich die Aktie seit Ende April in einem leichten Abwärtstrend, jetzt ziehen sie die Quartalszahlen aber explosionsartig auf ein neues Allzeithoch.

Nach Veröffentlichung der Zahlen schoss die Google-Aktie mittlerweile um 15 Prozent nach oben, kostete in Frankfurt am Mittag 624 Euro (A-Aktie). Seit Jahresanfang liegt das Plus bei 40 Prozent. Mit gut 370 Milliarden Euro Börsenwert ist Google jetzt das zweitwertvollste Unternehmen der Welt, nach Konkurrent Apple.

Großen Anteil am Optimismus der Anleger dürfte die neue Finanzchefin Ruth Porat haben. Sie kam im Mai von der Investmentbank Morgan Stanley - soll den IT-Riesen effizienter machen. Wo bislang der Eindruck herrschte, Kosten für Projekte spielten bei Google keine Rolle, scheint Porat nun einen wahren Kulturwandel einzuläuten. Das "Wall Street Journal" berichtete bereits einige Tage vor Veröffentlichung der Quartalszahlen, dass Google-Teams nun stärker beachten müssen, wie viel Personal eingestellt werden darf und welche Ausgaben sie tätigen. So gingen bereits in den vergangenen zwei Quartalen die Neueinstellungen zurück.

Und Porat bestätigte auf der Analystenkonferenz, dass man die Überprüfung von Investitionsausgaben und Ausgaben für das operative Geschäft gerade erst begonnen habe. Der Optimismus der Anleger scheint berechtigt.
So scheint es passend, dass der ehemalige Suchmaschinenspezialist aus Mountain View nun mit einer neuen Stellenausschreibung einen Suchmaschinenoptimierer sucht - für die eigenen Dienste. Effizienz zählt.

Googles Kerngeschäftsfelder

In diesen Trend passen die erneut leicht gesenkten Kosten, die Google aufwenden muss, um Nutzer auf seine Seiten zu locken: 21,1 Prozent der Werbeeinnahmen zahlte Google im zweiten Quartal dafür. Der Wert konnte die letzten Quartale stets gedrückt werden. Vor zwei Jahren musste Google noch ein Viertel seiner Werbeeinnahmen für mehr Besuche auf seinen Internetseiten aufwenden.

Und so kommen nun im zweiten Quartal fast 4,5 Milliarden frei verfügbares Kapital auf den ohnehin schon hohen Cash-Berg der jetzt bei knapp 70 Milliarden Dollar liegen dürfte. Kein Wunder, dass Aktionäre auf Ausschüttungen hoffen.

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