Google Googles Pläne als Mobilfunker

Der Internet-Riese will mit eigenen Handytarifen ins Mobilfunkgeschäft einsteigen. Noch ist das ein Gerücht, aber es klingt schlüssig – und ist ein Alarmsignal für die ganze Telefonbranche.

Die Geschichte des Internetgiganten Google
Frühjahr 2013Google liefert die ersten Google-Brillen für 1500 Euro pro Gadget an ausgewählte Entwickler aus. Firmengründer Sergey Brin verlässt das Haus kaum noch ohne die Datenbrille, die es dem Träger ermöglicht Artikel zu lesen, Telefonate zu führen oder sich Wegbeschreibungen anzeigen zu lassen. Quelle: REUTERS
Juni 2013Im Bieterkampf um ein israelisches Navigations-Startup sticht Google die Konkurrenten aus. Der US-Internetgigant stehe kurz vor der Übernahme der auf mobile Kartendienste spezialisierten Firma Waze, berichtet die israelische Finanzzeitung Globes am Sonntag ohne Quellenangabe. Google habe die Gebote der anderen Interessenten vermutlich übertrumpft. Der Kaufpreis soll demnach 1,3 Milliarden Dollar betragen. Bei Waze war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen. Waze sprach früheren Medienberichten zufolge mit mehreren Bietern. Dazu zählt auch das soziale Netzwerk Facebook. Zusatzdienste, die auf Smartphones oder Tablet-PCs genutzt werden können, werden für Technologiekonzerne wie Google immer wichtiger. Denn mit ihnen steigt auch die Nutzung von mobilen Geräten und damit die potenziellen Werbeeinnahmen, die über sie generiert werden können. Waze verwendet die Satelliten-Signale der Smartphones, um den Nutzern Karten- und Verkehrsdaten in Echtzeit zur Verfügung zu stellen. Das erst vor vier Jahren gegründete Unternehmen hat 47 Millionen Mitglieder und 100 Mitarbeiter. Quelle: REUTERS
Nexus 7 Quelle: dpa
Mai 2012Die Erfolgsgeschichte eines Browser: D er Google-Browser Chrome anteilsmäßig den Internet Explorer von Microsoft. Quelle: ZB
April 2012Google gibt bekannt, eine Augmented-Reality-Brille, Google Glasses, auf den Markt bringen zu wollen. Seitdem ist Geschäftsführer Sergey Brin immer wieder mit der Cyberbrille in der Öffentlichkeit zu sehen. Quelle: AP/dpa
Logo von Google+ Quelle: dpa
Larry Page und Eric Schmidt Quelle: dapd
Januar 2010Im Januar 2010 erscheint das erste Handy von Google, das Nexus One. Quelle: AP
2008Google Street View geht Online. Erstmals werden die Karten in der Funktion "Google Maps" mit Original-Bildern von Plätzen und Straßenzügen angereichert. Quelle: dapd
Internetseiten von Google und Youtube Quelle: dpa
Google Earth Quelle: dpa/dpaweb
Duden mit dem Verb googeln
Google Nasdaq Quelle: REUTERS
Google News unter einer Lupe Quelle: dpa/dpaweb
2001Eric Schmidt wird Google-Geschäftsführer. Zwischen 1983 und 1997 arbeitete Schmidt bei Sun Microsystems, wo er unter anderem als Technik-Chef beschäftigt war. Vor seinem Wechsel zu Google arbeitete Schmidt bei Novell. Quelle: REUTERS
Google-Screenshot Quelle: DPA/Picture-Alliance
Larry Page und Sergey Brin Quelle: DPA/Picture-Alliance

Es ist der Alptraum von Telekom & Co., seit die Liberalisierung der Telefonmärkte die einstigen Staatskonzerne um ihre Monopolgewinne gebracht hat: Während dynamische Internet-Unternehmen vom Schlage Facebook, Ebay oder Google mit ihren Online-Angeboten Milliardengewinne scheffeln, bleibt den einstigen Telefonriesen nur die Rolle des Lieferanten im Übertragungsgeschäft. Ein (Über-) Leben als Verkäufer von „dumb pipes“, branchenintern dumme Röhren genannt – margenschwach und für Investoren wenig interessant.

Es ist diese Angst, die auch die Forderung der Telekom-Branche nach einem Ende der Netzparität erklärt, dem preis- und qualitätsgleichen Übertragen von Internet-Daten unabhängig von dem Geschäft, das der Anbieter dieser Daten damit macht. Wenn also etwa Google mit Werbung neben Youtube-Videos fette Umsätze macht – allein die Einblendungen rund um das Gangnam-Style-Video des südkoreanischen Rappers Psy brachten mehr als sechs Millionen Euro Werbeerlöse – dann wollen die Telekoms mitverdienen. Bislang allerdings hoffen sie darauf zumeist vergeblich.

Googles Kerngeschäftsfelder

Verlust der lukrativen Kundenbeziehung

Und nun droht – wenn sich ein Bericht des US-Online-Magazins „The Information“ bewahrheitet – das Telefongeschäft noch schwerer zu werden. Denn danach will Google vermutlich noch in diesem Jahr in den USA mit eigenen Mobilfunktarifen selbst ins Telefongeschäft einsteigen.

Zwar wird der Web-Gigant keine eigenen Funkmasten aufstellen, sondern die Übertragungskapazität wohl bei den Telefonunternehmen Sprint und T-Mobile einkaufen. Auch Apple hatte im vergangenen Herbst verkündet, in seine iPad-Air-2-Tablets eigene, netzbetreiber-neutrale, SIM-Karten einzubauen. Doch selbst wenn sowohl Apple als auch Google die Datenübertragung noch von den Netzbetreibern erledigen lassen (und dafür bezahlen): Der Schritt beider Digital-Konzerne bedeutete das Ende der direkten Kundenbeziehung für die Mobilfunker – und beraubte sie beispielsweise auch der Möglichkeit, Ihren Kunden neue, profitablere Dienste anzubieten.

Ausgewählte Randaktivitäten von Google

Google könnte wissen, wer wen wann anruft

Diese, potenziell margenträchtigeren, Geschäfte machten dann die Apple, Google und Co. – und die „dummen Röhren“ würden für die Telefonkonzerne noch ein Stück „dümmer“. Die Wiederverkäufer dagegen rückten noch ein Stück näher an ihre Zielgruppe heran. Im Extremfall könne etwa der Online-Riese dann nicht mehr nur wissen, was ein Mobilfunkkunde auf seinem Android-Handy gerade im Internet recherchiert oder wo er sich befindet – diese Daten protokolliert Google ohnehin schon, sofern der Nutzer das nicht in den Android-Einstellungen unterbindet. Daneben ließe sich dem werbewirksam vermarktbaren Nutzerprofil auch noch hinzufügen, wen der Kunde anruft, wann und wie lange?

Gegenwärtig sind die Mobilfunkpläne selbst noch Gerüchte, und die Spekulation gilt erst recht für Überlegungen, was Google & Co. tatsächlich mit den Nutzerdaten anstellen würden. Aber: Den neuen digitalen Giganten – allen voran Google – passte der zusätzliche Kundenzugang bestens ins Konzept. Und sie sind, wenn es darum geht, Kundendaten zu Geld zu machen, äußerst kreativ.

Angebote, aus der Not geboren

Bleibt die Frage, warum sich T-Mobile, Sprint und künftig vermutlich auch noch weitere Telefonkonzerne weltweit überhaupt auf das Geschäft einlassen und die Kundenbeziehungen aus der Hand geben sollten?

Die Antwort darauf ist ebenso simpel, wie für die einstigen Herren der Netze deprimierend: Weil sie es müssen.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Getrieben von der Not, ihre Infrastrukturen auszulasten und unter dem Druck der Marktmacht von Apple, Google und Co (die ja die Hard- und Software für die Telefonkunden so begehrten Smartphones liefern), kann sich keiner der Telefonanbieter mehr erlauben, einen digitalen Riesen zu brüskieren.

Die einst so dominanten Kommunikationsgiganten sind in ihrer Verhandlungsposition auf die Juniorrolle geschrumpft. Und diese Erkenntnis ist für sie mindestens so deprimierend wie der Verlust der Monopolmargen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%