WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Google Kartografiedienste wollen gegen Google klagen

Exklusiv

Der Streit um Citypläne eskaliert: Deutsche Kartografiedienste bereiten Klagen gegen Google vor – auch in Amerika. Sie werfen dem Internet-Riesen Missbrauch seiner Marktmacht vor.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Düsseldorf bei Google Maps Quelle: Screenshot

Deutsche Internet-Anbieter von Land- und Stadtkarten wollen den kalifornischen Web-Giganten Google wegen Missbrauch seiner Marktmacht verklagen. Nicht nur in Deutschland wollen sie einen Prozess anstrengen. „Wir werden auch direkt in den USA gegen Google vorgehen“, kündigt Michael Weber an, Chef des hannoverischen Kartografiedienstes Hot-Maps.

Grafik Zahl Seitenbesucher

500.000 Euro Schadensersatz

Auch dessen Wettbewerber Stadtplandienst, einst Tochter von Bertelsmann und jetzt von Euro Cities in Berlin, will Google vor Gericht zerren. Die Kartografen rechnen sich große Chancen aus, nachdem ein Pariser Gericht vor zwei Wochen einem französischen Kartografieunternehmen Recht zugesprochen und Google zu 500.000 Euro Schadensersatz verurteilt hat.

Die deutschen Kartografen argumentieren wie das französische Unternehmen Bottin Cartographes: Demnach hat Google Maps über Jahre Kartenmaterial fremden Web-Seiten kostenlos zur Verfügung gestellt. „Google hat die Daten damit jahrelang unter Herstellkosten abgegeben, um Wettbewerber wie uns aus dem Markt zu drängen und später selbst dafür Geld zu verlangen oder Werbung zu vermarkten“, vermutet Stadtplandienst-Chef Hans Biermann.

Google will Geld

Es muss nicht immer Google sein
Screenshot der Google-Homepage Quelle: Screenshot
Screenshot der Bing-Homepage Quelle: Screenshot
Screenshot der DuckDuckGo-Hompegae Quelle: Screenshot
Screenshot der Blekko-Homepage Quelle: Screenshot

Das Geschäft von Hot-Maps sei dadurch praktisch zusammengebrochen, empört sich Hot-Maps-Chef Weber. Allein sein Unternehmen habe einen „Schaden in siebenstelliger Höhe“ erlitten.

Inzwischen beginnt Google unter der Führung von Firmengründer Larry Page, Geld von externen Web-Seiten zu verlangen, wenn sie das Material des Internet-Riesen nutzen und mehr als 25.000 Kartenaufrufe am Tag erreichen. Die ersten Folgen zeichnen sich bereits ab. So will die Internet-Seite Muenchen.de, die vor Jahren unter anderem wegen des kostenlosen Angebots von Stadtplandienst zu Google Maps gewechselt war, nun nach alternativen Anbietern suchen. Doch viele gebe es nicht mehr, sagt Stadtplandienst-Chef Biermann.

IT



Ermittlungen gegen Google wegen Machtmissbrauch

Neben der Vorbereitung dieser Klagen warten die Kartografen auf eine Entscheidung von EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia, der wegen des Verdachts auf Marktmachtmissbrauch gegen Google ermittelt. Auch diese Untersuchung basiert zu einem Gutteil auf Beschwerden der deutschen Kartografieanbieter, aber auch auf denen von Verlegern und des US-Softwareriesen Microsoft.

Alle werfen Google Missbrauch der Marktmacht vor. Ein Google-Sprecher kündigte an, der Internet-Riese werde gegen das französische Urteil in Berufung gehen. „Wenn ein Unternehmen die Profite eines Produktes nutzt, um ein anderes zu niedrigem Preis Konsumenten bereitzustellen, ist das eine gute Sache“, meint Google.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%