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Googles Probleme Das Wettbewerbsverfahren ist der Anfang vom Abstieg

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"Google ist von Vestagers Herangehensweise geplättet"

Geschickt rollt vor allem Googles neuer Angstgegner Facebook das mobile Internet auf. Dass Facebook anders als Google und Apple kein eigenes mobiles Betriebssystem hat, erweist sich als Vorteil. Denn Facebook kann mit seinen Apps umso besser als Mittler zwischen den Welten auftreten und sie als Einfallstor in das mobile Internet etablieren.

War im klassischen Internet für viele Nutzer Google die Startseite, ist dies heute für Smartphone-Nutzer Facebook mit seinen Foto- und Kurznachrichtendiensten wie Instagram, WhatsApp und Messenger (siehe WirtschaftsWoche 16/2015).

Facebook holt auf

Zwar liegt Google laut Marktforscher eMarketer bei Mobilwerbung noch immer vorn. Doch Facebook konnte seinen Marktanteil laut eMarketer seit 2014 auf 21,7 Prozent vervierfachen, während Google von 52,6 auf 46,8 Prozent abrutschte.

Das ist Googles neues Hauptquartier
Google plant ein futuristisches Hauptquartier in Kalifornien unter gigantischen Glasdächern. Die zentrale Idee des Projekts sei Büroraum, den man frei umgestalten könne, erklärte der Internet-Konzern in einem Blogeintrag. Quelle: REUTERS
Innerhalb der langgezogenen Glaskuppeln sollen mehrstöckige Büroflächen nach Belieben umgebaut werden können – etwa wenn Teams für neue Produkte gebildet werden. Die Federführung bei dem Projekt haben der dänische Architekt Bjarke Ingels und der Brite Thomas Heatherwick. Quelle: REUTERS
Google wurde von den Gründern Larry Page und Sergey Brin einst in einer kalifornischen Garage gestartet. Aktuell sind die Google-Büros auf mehrere Gebäude-Komplexe in Mountain View verteilt, die früher von anderen Technologiefirmen genutzt wurden. Quelle: dpa
Wenn die nötigen Genehmigungen erteilt werden, sollen die ersten neuen Gebäude von Google am heutigen Sitz in Mountain View voraussichtlich zum Jahr 2020 fertig sein. Allerdings gibt es im Stadtrat von Mountain View einige Vorbehalte. So sagte ein Mitglied dem US-Sender ABC, man müsse die Folgen für den bereits starken Verkehr berücksichtigen und etwas gegen den Wohnraum-Mangel tun. Quelle: REUTERS
Google ist damit das nächste Schwergewicht der Online-Wirtschaft, das sich ein ambitioniertes neues Hauptquartier geben will. Apple baut bereits an einem riesigen kreisförmigen Gebäude in Cupertino, das Ende 2016 bezugsfertig sein soll. Quelle: REUTERS
Der Online-Händler Amazon plant in Seattle eine Zentrale in großen Glassphären, für das Entwürfe von dem renommierten Architekturbüro NBBJ stammen. Für Facebook entwarf der Stararchitekt Frank Gehry ein Haus mit bepflanztem Dach. (Foto: NBBJ) Quelle: dpa

Theoretisch ist die Lösung einfach: Google muss nur auf Smartphones seine Apps wie Google Suche, Navigationsdienste oder seinen E-Mail-Dienst Gmail besser vermarkten und als Einfallstore für das mobile Internet etablieren.

Doch unter den Augen der Wettbewerbshüter wird das schwierig – besonders, nachdem die dänische Kommissarin nun auch die Untersuchung wegen der Dominanz von Googles Android gestartet hat.

Das mobile Betriebssystem läuft laut US-Beratung Gartner auf 80,7 Prozent aller Smartphones weltweit. Im Raum steht der Vorwurf, dass Google Smartphone-Herstellern wie Samsung und HTC, die auf Android setzen, gezwungen hat, zusätzlich Google-Apps und -Dienste anzubieten.

Klar ist, dass Vestager nicht so kompromissbereit ist wie Vorgänger Almunia. Der Spanier hatte auf einen Vergleich mit Google gesetzt, damit sich der Fall nicht wie bei Microsoft jahrelang zieht. Doch weil Google nur zu kleinen Zugeständnissen bereit war, kam Almunia nicht weiter.

Gegen Google

Vestager hat keine Angst vor einer Wiederholung des Falls Microsoft. Ihre Leute bringen die Erfahrung aus diesen Verfahren nun in Sachen Google ein, allen voran Vize-Generaldirektor Cecilio Madero. Er gehörte 1999 zu den ersten Beamten, die mit Microsoft zu tun hatten. Anders als Almunia hört Vestager ihren Beratern zu.

In das Verfahren gegen Google bringt Vestager neue Dynamik. Sie sagt, dass der Fall für sie Priorität hat. „Die Geschwindigkeit, in der sie bisher vorgeht, unterstreicht ihre Entschlossenheit“, sagt Thomas Vinje, Anwalt von Fairsearch, einem Zusammenschluss von zwölf Beschwerdeführern gegen Google, unter ihnen Microsoft, Oracle und Nokia.

Auch in den USA hat sich die Stimmung gedreht, seit jüngst herauskam, dass Experten der US-Wettbewerbsbehörde FTC schon 2012 Auflagen erwogen, weil Google Suchergebnisse zugunsten eigener Dienste manipuliert haben soll. Google sei damals aus politischen Gründen verschont worden, meint John Simpson von der kalifornischen Verbraucherschutzorganisation Consumer Watchdog. „Ich bin optimistisch, dass die Europäer die Suchmanipulationen des Internet-Giganten beenden.“

IT



Vestager konzentriert sich zunächst auf den Preisvergleichsdienst Google Shopping und will so einen Präzedenzfall schaffen. Ihre Beamten haben Beweise, dass Google seinen eigenen Dienst bei Suchen an besonders gut sichtbarer Stelle platziert hat. Dies könnte auch bei spezialisierten Suchdiensten der Fall gewesen sein, etwa bei Reisen, Flügen, Hotels und Landkarten.

Die Kommissarin hält sich offen, das Verfahren auszuweiten. Ihre Beamten untersuchen auch, ob Google Web-Inhalte der Konkurrenz kopiert, Exklusivwerbung praktiziert und werbende Unternehmen einschränkt. „Sie hat noch viele Peitschen“, heißt es bei einem der beschwerdeführenden Unternehmen. „Google ist von Vestagers Herangehensweise geplättet“, sagt ein Manager eines anderen. „Die müssen sich erst einmal sortieren.“

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