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Grätscht Slim dazwischen? Welche Strategie Vodafone, O2/E-Plus und die Telekom verfolgen

Multimilliardär Carlos Slim könnte mit seinen KPN-Übernahmeplänen den geplante Kauf von E-Plus durch Telefónica doch noch verhindern. Dabei brächte die Übernahme viele Vorteile - für Netzbetreiber und Kunden.

Überall online: Das mobile Internet boomt, bringt den Mobilfunkern aber zu wenig Erlöse Quelle: Getty Images

Preiskrieg? Gewinneinbruch? Der Mobilfunk ein Krisenfeld? Von wegen, das Geschäft brummt. Zumindest bei den Investmentbankern: Sie verdienen so prächtig wie lange nicht mehr an der Branche, die nach Jahren des Booms beginnt, sich gesundzuschrumpfen.

Der Plan von Telefónica Deutschland (Marke: O2), den Konkurrenten E-Plus für 8,1 Milliarden Euro von dessen niederländischer Mutter KPN zu kaufen, ist nur der jüngste Megadeal. Dem stellt sich nun der mexikanische Milliardär Carlos Slim entgegen. Slim ist seit 2012 an der E-Plus Mutter KPN beteiligt, gleichzeitig gehört ihm der Telekommunikationskonzern America Móvil. Zu dessen größten Konkurrenten zählt wiederum die spanische Telefonica (O2).

Slim hatte kürzlich das Angebot von Telefónica für E-Plus als zu niedrig kritisiert und seinen Widerstand gegen die Übernahme angekündigt. Nun wird er konkret: America Móvil will den niederländischen Telekomkonzern KPN vollständig übernehmen. Das Unternehmen biete 2,40 Euro je KPN-Aktie, teilte America Móvil am Freitag mit. Der Preis komme einem Aufschlag von 35,4 Prozent über dem Durchschnittskurs der vergangenen 30 Tage gleich. Derzeit notieren die Papiere bei gut zwei Euro. KPN erklärte, das Angebot liege vor und werde nun geprüft.

Bereits Ende Juli hatte Slims Konzern die Kündigung eines Stillhalteabkommens mit KPN bekannt gegeben. Damit darf Slim seinen Anteil an Niederländern auf 30 Prozent oder mehr ausbauen. So machte er den Weg für eine mögliche Übernahme von KPN frei und kann durch die Hintertür die Fusion von E-Plus mit O2 verhindern.

Die angestrebte Fusion ist nur eine, die derzeit verhandelt wird. Ende Juni hatte sich Vodafone mit einem 10,7-Milliarden-Euro-Angebot für Kabel Deutschland durchgesetzt. Und der französische Konzern Vivendi will seine Beteiligung an Maroc Telecom aus Marokko für 4,2 Milliarden Euro verkaufen.

Es herrscht Katerstimmung

Insgesamt, rechnet der britische Marktforscher Dealogic vor, summiert sich das Übernahmevolumen der Branche dieses Jahr europaweit auf 72 Milliarden Dollar – so viel wie seit 2000 nicht mehr, als Vodafone Mannesmann übernahm. Doch während die Zukäufe vor gut einer Dekade von der Euphorie im höchst dynamischen Mobilfunkmarkt getrieben waren, herrscht in der Branche nun Katerstimmung.

Studie Mobilfunkanbieter 2012

Mit 112 Millionen Mobilfunkanschlüssen bei nur noch gut 80 Millionen Bundesbürgern bleibt kaum mehr Platz für Wachstum. Hinzu kommt, dass die Netzbetreiber sinkende Erlöse im Sprach- und SMS-Verkehr nicht ansatzweise durch Zuwächse mit mobilen Internet-Diensten kompensieren können. Dabei lasten Milliarden für den Netzausbau auf den Konzernen. So ist es heute die Logik der Not, die Telefónica und E-Plus einander in die Arme treibt. "Das ist keine Liebesheirat", urteilt Ekkehard Stadie, Telekomexperte beim Bonner Strategieberater Simon-Kucher, "sondern eine Zweckehe."

Angst vor dem Mobilfunk-Dreigestirn

Die könnte jedoch zu einem Verlust an Wettbewerb führen, wenn künftig ein Dreigestirn aus Deutscher Telekom, Vodafone und dem vereinten O2- und E-Plus-Netz den Markt unter sich aufteilt. Das befürchtet unter anderem Andreas Mundt, der Präsident des Bundeskartellamtes. Doch was wäre die Alternative? Geht der Deal wirklich zulasten der Kunden? Oder käme ein Scheitern auf Dauer noch teurer, weil von zwei Kleinen allenfalls einer überleben könnte?

Die Analyse von Marktposition, Herausforderungen und Strategien der drei künftigen Branchengrößen – Telekom, Vodafone und O2/E-Plus – zeigt, dass der Zusammenschluss vermutlich sogar die beste Option ist: für Anbieter, Markt – und die Kunden.

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