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Groupon & Co. Das Ende der Online-Rabattmarke

Groupon musste zum wiederholten Mal miese Zahlen präsentieren. Wahrscheinlich wird es auch nicht das letzte Mal sein. Das System Groupon krankt.

Die deutsche Seite der Rabatt-Website Groupon Quelle: dpa

Am vierten November ging das US-Unternehmen Groupon an die Börse und schon da war die Bilanz nicht gerade rosig. 2010 hatte die zwei Jahre zuvor gegründete Rabatt-Website 456 Millionen Dollar verloren. Die Zahl der Partnerschaften und der Kunden sank. Der Börsengang brachte dann stolze 700 Millionen Dollar - und nun geht es schon wieder nach unten, die Zahlen sind dunkelrot: 2011 musste Groupon einen Verlust von 351 Millionen Dollar verbuchen. Im Schlussquartal, in dem die IPO stattfand, machte das Unternehmen 43 Millionen Dollar Miese. Nach Veröffentlichung der Zahlen brach die Aktie um mehr als zehn Prozent ein.Noch so ein Geschäftsjahr, und das Geld aus dem Börsengang ist verpufft.

Modell nicht zukunftsfähig
Laut dem Vorstand des Unternehmens liege der Verlust in der Expansionsstrategie: Groupon wächst und wächst. Der Ausbau koste und bringe mitunter hohe Steuerzahlungen mit sich. So habe man für einen Verwaltungsstandort in der Schweiz rund 35 Millionen Dollar Steuern zahlen müssen, sagte Finanzchef Jason Child. Der Firmengründer Andrew Mason freut sich dagegen darüber, in 47 Ländern mehr als 33 Millionen Kunden Schnäppchen beschert hat. Und genau daran krankt das System Groupon: An den Schnäppchen.

Groupon ist zwar Marktführer im Rabattgeschäft, Experten zweifeln allerdings schon länger daran, ob dieses Modell auf Dauer überlebensfähig ist. Bei Groupon-Deals bietet ein Partnerunternehmen ein reguläres Produkt für mindestens die Hälfte an. Wenn sich online genug Interessierte finden, kommt der Deal zustande, Groupon gibt den Gutschein raus und bekommt die Hälfte des Gutscheinwertes. Für das Partnerunternehmen muss das ein Verlust sein.

Verprellte Partner

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Ein Beispiel: In den USA war ein Gutschein für 25 Dollar, der dem Kunden einen Einkauf für 50 Dollar bescherte, ein Riesen-Verkaufsschlager. Das Geschäft erteilt also 50 Prozent Rabatt und macht pro Gutschein 25 Dollar Verlust. Von den eingenommenen 25 Dollar bekommt Groupon noch mal 12,50 Dollar. Also setzt das Unternehmen mit einem 50 Dollar-Verkauf nur noch 12,50 Dollar um - der tatsächliche Rabatt beträgt also nicht 50, sondern 75 Prozent. Der Gewinn dürfte sehr gering ausgefallen sein.

Groupon wirbt damit, dass die Gutscheine Werbung sparen und die Kunden das Produkt nicht nur theoretisch, sondern ganz direkt kennen lernen, beispielsweise in dem sie ein Restaurant besuchen, in das sie sonst nicht gehen. Damit es sich für das Restaurant lohnt, müssen die Gäste wiederkommen und durch Begleiter oder Getränke zusätzlichen Umsatz erzeugen. Nur leider tun sie das nicht. Eine Studie aus den USA belegt, dass sich solcherlei Rabattaktionen für rund ein Drittel der Unternehmen nicht lohnen, für 40 Prozent der Umfrageteilnehmer war die Teilnahme eine einmalige Aktion. Das verprellte Unternehmen muss Groupon dann schnellstmöglich ersetzen, um die Nachfrage der Kunden zu befriedigen. Das erklärt die Expansionsbestrebungen des Rabatt-Marktführers. Groupon wächst nach Nutzerzahlen, die Einnahmen reichen allerdings schon seit zwei Jahren nicht mehr, um die Kosten zu decken. Je höher die Umsätze, desto größer die Verluste.

Zwar wollen viele sparen, aber immer weniger wollen - verständlicherweise – Rabattaktionen anbieten. Neben dem direkten monetären Verlust kann nämlich auch das Image der Groupon-Partner leiden.
Nochmal das Beispiel Restaurant: Wenn das Menü für 60 Euro auf einmal 30 Euro kostet, wird der Stammgast sich ärgern, der neue Gast muss sich fragen, ob bei seinem Gericht vielleicht an der Qualität gespart wurde. Wer monatelang auf einen freien Tisch warten muss, weil die Gutscheinbesitzer das Restaurant überrennen, wird ebenfalls bedient sein. Leidet die Qualität dann tatsächlich, bleiben sowohl der Neu- als auch der Stammkunde weg.

Enttäuschte Kunden

amerikanische Groupon-Seite Quelle: dapd

Erfahrungsberichte in Foren zeigen auch, dass die Billigheimer oft nur den halben Service bekommen. Da wird von katastrophalen Zahnreinigungen erzählt oder von Kosmetikbehandlungen, bei denen der Kunde abschließend die Hälfte selber machen musste. Da drängt sich die Frage auf, ob Firmen eine 50 Euro-Leistung für 25 Euro anbieten sollten (und für die sie letztendlich nur 12,50 Euro bekommen) - und ob der Kunde die volle Leistung erwarten kann.

Groupon hinterlässt also verbrannte Erde - sowohl auf Kunden- als auch auf Partnerseite. Damit Groupon, das jetzt schon nicht wirtschaftlich arbeitet, Gewinn macht, müssen immer mehr Betriebe teilnehmen. Aber sowohl deren Zahl als auch die der Kunden ist endlich. Genauso, wie das Rabattmodel des US-Unternehmens.

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Hinzu kommt, dass Groupon zwar Marktführer, nicht aber Monopolist ist. Konkurrenz droht von LivingSocial, Google Offers, amazon local, Top deals oder Facebook. Vor diesem Hintergrund darf es nicht verwundern, dass der Vorstand 2011 seine Zahlen ein wenig geschönt zu haben scheint. Die Erlöse sahen jedenfalls deutlich besser aus, als sie waren. Das fand auch die Börsenaufsicht und sprach eine Rüge aus. Groupon korrigierte, zwei führende Manager verließen den Rabattdealer.

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