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Gründer verlassen Facebook Was wird aus Instagram?

Was wird aus Instagram? Quelle: AP

Die Instagram-Gründer haben den Mutterkonzern Facebook verlassen. Wird die Bilder-App nun in seiner bisherigen Form verschwinden? Das könnte viele Nutzer vergraulen.

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Als Kevin Systrom und Mike Krieger 2012 den Verkauf verkündeten, war die Sorge in der Community groß. Instagram war vor allem bei jungen Leuten beliebt und plötzlich wurde es Teil des Netzwerks, in dem sich bereits Eltern und Großeltern tummelten. Facebook versprach, trotz der Übernahme eine klare Trennung zu wahren. Und bisher schien die führende Foto-Plattform tatsächlich die Wendigkeit eines Start-ups behalten zu haben. Der Ausstieg der beiden Gründer lässt nun aber die alten Sorgen erneut aufsteigen.

Die Erklärungen für den Abgang blieben vage. Das lässt Raum für Spekulationen. Wird Instagram in seiner bisherigen Form verschwinden?

Wird der Dienst nun komplett in die Mechanismen von Facebook integriert? Werden die Daten der Nutzer nun ähnlich umfassend abgesaugt und zu Geld gemacht wie beim Mutterkonzern? Im schlimmsten Fall könnte die App mit ihren Gründern genau das verlieren, was sie so beliebt macht: ihre Schlichtheit, ihre Lässigkeit.

Die Herausforderung für Facebook sei jetzt enorm groß, betont der Technologie-Experte Omar Akhtar von der Beratungsfirma Altimeter. „Instagram ist die einzige Plattform die wächst. Und vielen Leuten wird die Verbindung zwischen Instagram und Facebook bisher nicht unbedingt so bewusst gewesen sein.“

Instagram hatte „nur“ 31 Millionen Nutzer, als Facebook damals für eine Milliarde Dollar den Zuschlag erhielt. Inzwischen zählt die Foto-App mit mehr als einer Milliarde Nutzern selbst zu den bedeutendsten Plattformen des Internets. Vor dem Verkauf verzichtete der Dienst ganz auf Werbung. Mittlerweile werden zwar Anzeigen eingeblendet - aber längst nicht so penetrant wie bei Facebook.

Das könnte sich nun schnell ändern. Denn das Wachstum von Facebook ist längst nicht mehr so rasant wie noch vor wenigen Jahren. Die Wall Street drängt das Unternehmen daher, auf andere Art für mehr Umsatz zu sorgen. Der Blick vieler Anleger richtet sich dabei ganz klar auf Instagram. Im Juli betonte das Unternehmen gegenüber Analysten, dass die eigenen Dienste - also Facebook, Instagram, WhatsApp und Messenger - jeden Monat von 2,5 Milliarden Menschen genutzt würden. Die Zahl an sich mag wenig aufschlussreich gewesen sein. Doch die Aussage zeigte, welch großen Stellenwert die „sekundären Apps“ in der Gesamtplanung haben.

Facebook veröffentlicht keine gesonderten Angaben dazu, wie viel Geld es mit Instagram verdient. Michael Pachter von der Investmentfirma Wedbush Securities geht aber davon aus, dass der Umsatz in diesem Jahr bei etwa sechs Milliarden Dollar (5,1 Milliarden Euro) liegen wird. Das wären knapp zehn Prozent der für Facebook insgesamt erwarteten Einnahmen von etwa 55,7 Milliarden Dollar.

Unternehmenschef Mark Zuckerberg erkannte früh die Potenziale der Foto-App. Auch deswegen ließ er das Start-up um Systrom und Krieger nach der Übernahme recht autonom agieren. Und der Erfolg gab ihm recht. Instagram erreichte die Grenze von einer Milliarde Nutzern schneller als der Mutterkonzern. Mit der neuen „Stories“-Funktion wurde der Konkurrent Snapchat auf Abstand gehalten. Mit der Möglichkeit zur Einbindung von Videos bot die App sogar YouTube die Stirn.

Gerade in den vergangenen Monaten wurde die zunehmende Bedeutung von Instagram auch nach außen hin sichtbar. Im Juni eröffnete Systrom in New York eine Niederlassung, für die hunderte Programmierer eingestellt werden sollen. Nur einen Monat zuvor war bereits in San Francisco ein schickes neues Büro bezogen worden.

Im Juli bemühte sich Zuckerberg zu versichern, dass Instagram erst durch den Zusammenschluss mit Facebook so schnell habe wachsen können. Trotzdem dürfte die App auch sehr davon profitiert haben, dass sie oft nicht auf den ersten Blick als Teil von Facebook wahrgenommen wird. Denn das Unternehmen hatte zuletzt immer wieder mit negativen Schlagzeilen zu kämpfen - wegen des Umgangs mit privaten Daten der Nutzer ebenso wie wegen seiner Rolle bei der Verbreitung von politischer Propaganda und Falschinformationen.

Wie geht es nun also mit Instagram weiter? „Ich denke, Zuckerberg ist nicht dumm“, sagt Akhtar. „Er weiß, dass die Beliebtheit von Instagram ganz wesentlich darauf beruht, dass es von Facebook unabhängig ist.“ Den Nutzern müsse also signalisiert werden, dass keine komplette Eingliederung der Bilder-App in das soziale Netzwerk bevorstehe. „Damit wäre schon viel gewonnen.“

Dem Unternehmen dürften nun in jedem Fall aber interne Veränderungen bevorstehen. Bereits im Mai hatte Zuckerberg den langjährigen Facebook-Manager Adam Mosseri als neuen Produktchef zu Instagram geschickt. Nach Einschätzung Akhtars und anderer Experten kam dies bei den Gründern gar nicht gut an. Mosseri gilt nun als wahrscheinlicher Nachfolger von Systrom und Krieger. Enge Vertraute der beiden würden sich dann wohl ebenfalls für die Kündigung entscheiden, sagt Akhtar.

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