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Handelsblatt-Tagung Künstliche Intelligenz Wenn das Auto die Emotionen des Fahrers erkennt

Na, sauer? Das Auto wird das bald erkennen können - dank künstlicher Intelligenz. Es ist nur ein Beispiel, wie die Technologie die Wirtschaft verändert.

Ohne künstliche Intelligenz sind derartige Technologien nicht denkbar. Quelle: Aptiv

MünchenWas ist mit der Maschine nicht in Ordnung? Um das zu analysieren, musste Trumpf bislang einen Spezialisten losschicken, der in der Fabrik des Kunden nachsieht. Doch der Marktführer für Lasertechnik hat ein Verfahren entwickelt, um die Bestandsaufnahme deutlich zu erleichtern.

Seit kurzem gibt es eine Smartphone-App, die die Geräusche der Maschinen analysiert – und mithilfe künstlicher Intelligenz mögliche Probleme skizziert. So lassen sich beispielsweise Vibrationen identifizieren, die das Gehör nicht erkennen. Jeder Techniker kann damit das Problem einkreisen – was die Wartung deutlich erleichtert.

Dieses Beispiel steht für einen Trend: Künstliche Intelligenz bietet Werkzeuge, Probleme aller Art in allen Branchen zu lösen. Auf der Handelsblatt-Tagung „Künstliche Intelligenz“ in München zeigten neben dem Maschinenbauer Trumpf auch Firmen wie der Modehändler Zalando und die Bank Comdirect, wie sie die Technologie einsetzen.

Der Einsatz sei nicht nur eine Option, sondern Pflicht, betonte Sabine Schoon, die bei Comdirect den Bereich Corporate Strategy & Consulting leitet – beim intelligenten Umgang mit Daten gehe es um „Make or Break“. Zalando will das Unternehmen gar mithilfe von KI umbauen.

Ein Kasten voller Werkzeuge

Der Begriff künstliche Intelligenz ist schillernd – er suggeriert, dass ein Geist in der Maschine lebt, der dem Menschen je nach Lesart Arbeit ab- oder wegnimmt. Dabei handelt es sich um viele einzelne Technologien: Sprach-, Gesichts- und Bilderkennung etwa, oder die Analyse von Verbindungen und semantischen Zusammenhängen.

Im Hintergrund kommt oft ein Verfahren zum Einsatz, das Experten als Deep Learning bezeichnen. Die Idee bestehe darin, „die neuronale Verschaltungen im Gehirn des Menschen auf die Maschine zu übertragen“, erklärte Damian Borth, vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI).

Dieses Verfahren sei maßgeblich für die Durchbrüche der vergangenen Jahre, ob beim komplexen Brettspiel AlphaGo, dem autonomen Fahren oder der Übersetzung von einer Sprache in die andere, erläuterte der Informatiker, der im renommierten Forschungszentrum den Bereich Deep Learning leitet.

Die Autobranche ist in Deutschland beim Einsatz künstlicher Intelligenz führend. Es handle sich um ein „ganz zentrales Werkzeug, um die Mobilität der Zukunft zu prägen, und damit auch ein zentrales Werkzeug für Daimler“, sagte Steven Peters, der bei Konzern die Forschung an diesem Zukunftsthema leitet. Jeder Ingenieur soll daher in der Lage sein, es anzuwenden.

Das autonome Fahren ist ohne den Einsatz von Bilderkennung nicht denkbar. Doch die Firmen haben andere Einsatzgebiete identifiziert. Etwa in der Produktion, um Dellen im Lack zu entdecken. Oder im Einkauf: „Ein Scheibenwischer hat potenziell in jedem Land einen anderen Preis“, sagte Volkswagen-CIO Martin Hofmann. Die Preise legen Menschen mit Excel und Bauchgefühl fest – ein Algorithmus soll schneller und zuverlässiger sein. 


Die Wall Street stellt scharenweise KI-Experten ein

 

Aufgrund der vielfältigen Möglichkeiten setzt auch die Finanzindustrie große Hoffnungen in künstliche Intelligenz. „Die Wall Street stellt gerade viele Experten ein“, berichtete Damian Borth vom DFKI. So könnten Händler ihre Risikomodelle besser gestalten oder Versicherungen Satellitenbilder auswerten.

Auch bei den Retail-Banken besteht Potenzial – „künstliche Intelligenz ist bei uns ein wesentliches Thema“, berichtete Vordenkerin Sabine Schoon. Die Technologie biete Möglichkeiten, den Absatz zu steigern, die Abläufe effizienter zu gestalten und um bessere Kundenbeziehungen.

In der Vermögensverwaltung setzt Comdirekt schon seit einem Jahr auf KI. Jede Nacht überprüfen Algorithmen, ob die Geldanlagen noch zu den Zielen der Kunden passen. Die Software berechne jedes Mal aufs Neue das optimale Portfolio, sagte Schoon. Allerdings würde das Vermögen nicht jedes Mal umgeschichtet, das würden letzten Ende ohnehin Menschen entscheiden und nicht Maschinen

Comdirect experimentiert zudem mit Spracherkennung, etwa bei Amazons Alexa, wo die Kunden Börsenkurse abfragen können. „Das macht den Menschen Spaß“, so Schoon. Ob es möglich sein soll, per Kommando Geld zu überweisen, müsse man dann sehen.

Viele Technologien sind nicht auf eine Branche beschränkt. Das Münchner Start-up Brighter AI hat beispielsweise eine Software entwickelt, die Kamerabilder in Echtzeit um zusätzliche Informationen anreichert. Sie taugt einerseits für Assistenzsysteme, die Autofahrern bei Nebel zeigen, was auf den Straßen los ist. Andererseits kann sie Sicherheitskameras aufrüsten, indem sie auch aus pixeligen Bildern erkennbare Porträts extrahiert.

Ähnlich ist es bei der Technologie von Tawny: Das Start-up nutzt eine Bilderkennung, um die Emotionen von Menschen zu analysieren – die Mimik gibt darüber Aufschluss. Produkte und Dienstleistungen sollen sich so automatisch auf Menschen einstellen können. Das Auto könnte so auf den Wüterich einwirken, oder ein persönlicher Assistent sich auf den Sprecher einstellen.

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