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Hauptversammlung SAP bekommt einen neuen Alleinherrscher

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Das am schnellsten wachsende Produkt

Mit dem energischen Schwenk in Richtung Cloud beendet McDermott viel schneller als erwartet die Ära des ausgeschiedenen Technologie- und Innovationschefs Sikka. Der gebürtige Inder, der an der US-Eliteuniversität Stanford in Informatik promovierte, wurde 2002 von Plattner angeheuert. Der bestens im Silicon Valley verdrahtete Manager sollte SAP neue Leichtigkeit und eine Prise Start-up-Mentalität einhauchen. Sikkas wichtigstes Projekt war jedoch die Hochleistungsdatenbank Hana, die gigantische Datenmengen in Echtzeit verarbeiten kann. Hana sollte SAP ins Zeitalter des Cloud Computing befördern und zugleich beweisen, dass der Konzern sich neu erfinden.

Tatsächlich ist das seit Juni 2011 angebotene System das am schnellste wachsende Produkt der Konzerngeschichte. Im vergangenen Jahr setzte SAP damit weltweit 664 Millionen Euro um, etwa vier Prozent am Gesamtumsatz. Im Jahr zuvor waren es 390 Millionen Euro gewesen. Laut SAP nutzen aktuell 3200 Unternehmen Hana.

Teures System

Wie intensiv, ist jedoch umstritten. Das System ist recht teuer. Sikka, der unermüdlich die Werbetrommel für Hana rührte, konterte solche Bedenken der Kunden gern mit indischen Sprichwörtern und Verweisen auf den Leistungsgewinn. „Man kann kein Kamel für den Preis eines Schafes kaufen“, sagte er der WirtschaftsWoche im vergangenen Jahr. Mit Vorliebe dozierte er darüber, dass sich das ganze Leben im Fluss befinde und sich der Mensch mindestens alle sieben Jahre verändere.

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Standort erkennen

    Dass es bei Sikka immerhin zwölf Jahre dauerte, bis er SAP wieder verließ, lag an der lange Zeit schützenden Hand seines Förderers Plattner. Doch dessen Wohlwollen schwand, als Sikka mehr Einfluss in der neuen Konzernstruktur einforderte. Laut Unternehmensinsidern habe der Inder in den vergangenen Monaten vor allem Probleme mit Plattners Plänen gehabt, den SAP-Vorstand um Bernd Leukert, bisher Chef der Anwendungsentwicklung unter Sikka, zu erweitern.

    Mehrfach habe Sikka bei Plattner nachgefragt, was denn dann für ihn Größeres drin sei. Dem Vernehmen nach fürchtete der Inder einen Gesichtsverlust in Walldorf, wenn ein weiterer Manager aus der Entwicklung gleichberechtigt neben ihm im Vorstand sei. Andere interpretieren Sikkas Aufbegehren auch als indirekte Forderung nach höheren Weihen – nämlich Co-Chef neben McDermott zu werden.

    Offenbar hat Sikka damit selbst gegenüber seinem Mentor Plattner den Bogen überspannt. Zumal sich Hana laut Informationen aus Aufsichtsratskreisen zuletzt nicht mehr so gut verkauft haben soll wie geplant. Auffällig: Seit dem ersten Quartal 2014 weist SAP die Hana-Umsätze nicht mehr explizit aus. „Wenn das Geschäft so toll liefe, würde man die Zahlen doch preisgeben“, sagt ein Insider. „Heute ist Hana die Basis unserer wichtigsten Lösungen. Einen integralen Bestandteil unserer Produkte separat auszuweisen, macht keinen Sinn“, betont dagegen SAP.

    Dass Plattner seinen Günstling letztlich ziehen ließ, weckt bei langjährigen SAP-lern Déjà-vu-Gefühle. Denn es war nicht das erste Mal, dass einer seiner engsten Vertrauten überraschend aufgab.

    IT



    2007 war es der damalige Technikvorstand und Plattner-Zögling Shai Agassi, der hoch pokerte und schneller zum Vorstandsvorsitzenden befördert werden wollte, als der Aufsichtsratsboss geplant hatte. Agassi drohte mit Rücktritt, Plattner blieb bei seinem Nein, der damals 39-jährige Israeli ging.

    Im vergangenen Jahr tat es der damalige SAP-Cloud-Chef Lars Dalgaard Agassi gleich. Dalgaard war als neuer Plattner-Liebling über den Zukauf der US-Softwarefirma SuccessFactors 2012 zu SAP gekommen und, trotz seiner Rolle als möglicher Kronprinz, 2013 fast über Nacht ausgeschieden. „Viele von Plattners Personalentscheidungen der letzten zehn Jahren waren ein Flop“, sagt ein SAP-Betriebsrat. „Plattner zieht Leute an, die ähnlich strukturiert sind wie er – gute Visionäre, die aber meist schlecht sind in der Exekution.“

    Wer bei SAP am meisten zu sagen hat, können die Besucher der konzerneigenen Messe Sapphire am 3. Juni in Orlando erleben. Die Eröffnungsrede von McDermott ist auf eineinhalb Stunden angesetzt, die des 70-jährigen Plattner auf zwei.

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