WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Hauptversammlung SAP bekommt einen neuen Alleinherrscher

Seite 2/3

Die zukünftige Richtung

In welcher Richtung es in Zukunft für die Mitarbeiter weitergeht, machte danach McDermott deutlich, der per Videokonferenz aus der SAP-Amerikazentrale in Philadelphia zugeschaltet war. SAP müsse jetzt der weltweit führende Cloud-Anbieter werden. „Die Cloud-Welt ist für die SAP real“, sagte McDermott und nahm Skeptikern den Wind aus den Segeln: „Wir mögen unsere Probleme haben, aber wir haben die Kontrolle.“

Sodann ratterte McDermott den Mitarbeitern stakkatoartig herunter, worauf es ihm künftig ankomme: SAP müsse weiter verschlankt und vereinfacht werden, jeder im Unternehmen wisse nun, wie die Strategie aussehe und was sein Job sei. Jetzt müssten alle SAP-Mitarbeiter mitziehen. „Im Gegensatz zu seinen üblichen Floskeln war das eine total klare Ansage, fast schon brutal“, sagt ein SAPler, der bei der Veranstaltung anwesend war.

Übervater Plattner und sein neuer Allein-Vollstrecker McDermott dürften die verteilten Rollen in den nächsten Jahren noch stärker spielen – und jeder von ihnen seinen Charakter für Veränderungen bei SAP einsetzen.

Haare akkurat gescheitelt

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    McDermott, der redegewandte Amerikaner, stets gekleidet in perfekt sitzenden Anzügen, die Haare akkurat gescheitelt, mit schon beinahe Anchorman-mäßigem Zahnpasta-Lächeln. Ein Vertriebsmann wie aus dem Bilderbuch, der von 2002 an erst die jahrelang kriselnde US-Niederlassung von SAP auf Vordermann brachte und sich so die Lorbeeren für den Durchmarsch ganz an die Spitze erarbeitete.

    Plattner, der grantelnde Berliner, der eher legere Kleidung mag und sich manchmal auch im Professoren-Look mit wilder Mähne zeigt. Ein Technik-Freak mit Fokus auf Innovationen, der neben seinem Aufsichtsratsmandat als oberster SAP-Technologieberater fungiert und sich darin gefällt, seinem eigenen Unternehmen immer wieder die Leviten zu lesen und auf Fehlentwicklungen hinzuweisen. Diese Unterschiede in Auftritt und Mentalität sind es, die Plattner und McDermott zu einem kongenialen Führungsgespann machen, um der neuen Mission bei SAP zum Durchbruch zu verhelfen – alles in die Cloud.

    Die Entwicklung von SAP

    Wie schnell und konsequent der Amerikaner den Wandel durchpeitschen will, ist bereits deutlich geworden. So musste nur wenige Tage nach dem Sikka-Abgang der bisherige Cloud-Chef Shawn Price seinen Hut nehmen – dabei war er erst vor fünf Monaten auf diese Position berufen worden.

    Was SAP bis heute fehle, ist in den Augen von McDermott und Plattner vor allem Geschwindigkeit. Um in der Cloud zu bestehen, muss alles bei SAP schneller werden – ob die Entwicklung neuer Produkte oder die Pflege der Bestandslösungen. Vor allem Plattner ist geradezu berüchtigt für seine Tiraden gegen die vermeintliche Trägheit der SAP, allen voran in der Konzernzentrale in Nordbaden. „Manchmal will ich die Walldorfer Entwickler packen und schütteln und anschreien: Bewegt euch schneller!“, sagte er im vergangenen Jahr.

    Meilenweit entfernt

    Die erklärten Vorbilder heißen Salesforce als Cloud-Marktführer sowie Workday aus den USA. Der auf Personalsoftware spezialisierte Anbieter Workday hat kürzlich angekündigt, den Kunden täglich Software-Updates auszuliefern, wie Chefvisionär Plattner seinen Leuten auf der Mitarbeiterversammlung unter die Nase rieb. Davon sei SAP noch meilenweit entfernt. Die beiden US-Cloud-Anbieter sind börsennotiert – und haben in den vergangenen Jahren beim Umsatz und beim Aktienkurs deutlich stärker zugelegt als SAP. Vor allem Salesforce-Chef Marc Benioff stellt mit Vorliebe SAP und Aufsichtsratschef Plattner als Dinosaurier hin, die zum Aussterben verdammt seien. „Dabei müsste ich SAP dankbar sein“, polemisiert Benioff. „Die haben Internet-Software verschlafen.“

    Laut einer aktuellen Studie des Marktforschungsunternehmens Gartner ist Salesforce mit 16,1 Prozent Marktanteil bei Kundenmanagement-Lösungen Weltmarktführer, gefolgt von SAP mit 12,8 Prozent. Das soll sich laut McDermott bald ändern. Mit zugekauften Lösungen, unter anderem dem im Sommer übernommenen Schweizer E-Commerce-Anbieter Hybris, will der neue SAP-Chef seinen Widersacher Benioff nun angreifen.

    Inhalt
    Artikel auf einer Seite lesen
    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%