Hauptversammlung Womit Apple wirklich sein Geld macht

Während Facebook nach der Übernahme von WhatsApp von Anlegern genauso wie Google nach dem Zukauf von Nest bejubelt wurde, ergießt sich über Apple die Kritik. Aber hätte dem Konzern so eine Akquise tatsächlich mehr gebracht als die eigenen Aktienrückkäufe? Wie sich Apple neu aufstellt.

Welche Innovationen Apple sich sichert
Akkulaufzeit neu verwaltenApple hat ein neues Patent angemeldet, dass eine neue clevere Funktion beschreibt. Diese merkt sich über die Geoinformationen den Ort, an dem der Nutzer sein Smartphone in der Regel auflädt. Je nach Akkustand und Entfernung zu der gespeicherten Position, werden im Smartphone Funktionen abgeschaltet, um die Stromversorgung bis zur Energiequelle zu sichern. So würden zum Beispiel bestimmte Apps, die selten benutzt werden und im Hintergrund Strom ziehen ausgestellt, um so den Akku zu schonen.
Patente für den iPenNachdem Steve Jobs den Stift für das iPad und das iPhone immer abgelehnt hatte, setzt Samsung voll auf die Möglichkeiten eines intelligenten Stylus. Vor allem Architekten, Ingenieure und Zeichner wissen die Funktion zu schätzen. Auch Drittanbieter haben versucht die Apple-Produkte mit ihren Stiften zu erweitern. Nun legt Apple offensichtlich nach und setzt voll auf Gesten. Laut Patentantrag soll der sogenannte iPen angeblich erkennen, wie er gehalten wird und diese Informationen über Orientierungssensoren direkt an das Tablet übermitteln. Auf diesem Weg könnte der Zeichner zum Beispiel die Strichbreite einstellen – ganz wie beim Halten eines Füllers. Insgesamt soll Apple laut der  Website Patentlyapple bereits über 20 Patente für Stylus-Geräte bekommen haben. Etliche davon dienen wohl auch nur der Absicherung der Rechte. Ob daraus am Ende auch wirklich ein Stift wird, ist bisher noch nicht klar. Quelle: dpa
Kopfhörer mit SensorenApple hat in den USA ein Patent für neue Kopfhörer eingereicht und genehmigt bekommen. Die neuen "In-Ear" sollen mit Sensoren ausgestattet werden, die Körpertemperatur, Puls und Schweißabsonderung messen und die Daten speichern. Der Vorteil gegenüber Fitnessarmbändern: Die Kopfhörer sind kein Extra-Gadget, sie werden von den meisten Sportlern sowieso am Körper getragen. Erstmals hat sich Apple mit so einer Anwendung vor über sieben Jahren beschäftigt, wie der Patentantrag zeigt. Neben der Tracking-Funktion sollen die Sensoren auch Kopfnicken erkennen. Über diesen Weg ließe sich zum Beispiel die Musik steuern. Quelle: WirtschaftsWoche Online
Beim Mac und iPad anklopfenEs wäre eine spannende Erweiterung der Tastatur - zumindest hat Apple einen Patentantrag genehmigt bekommen, in dem beschrieben wird, wie Tablet und Notebook auf akustische Signale reagieren. Gemeint ist zum Beispiel das Kratzen oder Klopfen am Gehäuse der Geräte. Sensoren im Gerät sollen die Töne erfassen und sie zur Auswertung an den Prozessor schicken, der sie interpretiert. Erleichtern könnte die Technik das Markieren von Texten oder das Aufrufen eines Kontextmenüs. Quelle: REUTERS
Krumme Sensoren auf dem iPhoneApple hat in den USA das Patent für gekrümmte Touch-Sensoren zugesprochen bekommen. Die Herstellung der gekrümmten Sensoren ist aufwendig. Zunächst werden die Sensoren als Rohling mit einer leitenden Filmschicht und dem Deckmaterial in flacher Form angefertigt. Durch gleichmäßige Wärmezufuhr wird das Material gekrümmt. So stellen die Handybauer außerdem sicher, dass die Sensoroberfläche den gleichen Abstand zum Deckmaterial behält. Nur so ist die Touch-Oberfläche in der Mitte wie am Rand empfindlich. Quelle: REUTERS
Solardeckel für das MacbookFür einen ganz neuen Notebookdeckel hat Apple in den USA ein Patent erhalten. Der Deckel soll mit einer Solarzelle den Akku des Computers laden und gleichzeitig als zweiter Display mit Touchscreen arbeiten. Bekannt ist die Technik bereits als elektrochromes Glas in Form eines Sonnen- oder Sichtschutzes im Kfz-Bau. Auch als Trennwand in Büros wird die Technik eingesetzt - allerdings ohne die Displayfunktion. Klappt man das Macbook künftig zu, könnten also auf der Außenseite trotzdem Verkehrsinformationen oder Statusupdates aus sozialen Netzwerken eingeblendet werden. Inwieweit das Patent jedoch wirklich zu einem konkreten Produkt wird, ist derzeit noch fraglich. Quelle: dpa
iWatch aus der Entfernung aufladenSamsung hat mit der Computeruhr Galaxy Gear vorgelegt, nun will Apple nachziehen. Angeblich arbeitet der Konzern bereits seit Jahren mit einer hundert Mitarbeiter starken Mannschaft an dem Gadget fürs Handgelenk. Ein Patentantrag gibt den Gerüchten neuen Aufwind, wie das chinesische Magazin ctech berichtet. Demnach soll sich der Akku der iWatch sogar über mehrere Meter hinweg aufladen lassen. Somit ließe sich das Gadget über den Apple-Laptop oder -Computer laden, ohne es abzunehmen. Quelle: REUTERS

Vor der Hauptversammlung lief es für Apple alles andere als rund. Erstmals seit Jahren musste das Unternehmen große Sicherheitslücken in den hauseigenen Betriebssystemen iOS und OSX einräumen. Und dann stuften wieder einmal Analysten den Wert des Unternehmens herab – wie so oft in den vergangenen Jahren. Dieses Mal waren es Vertreter der dritten größten britischen Bank Barclays, die das Urteil „overweight“ auf „neutral“ korrigierten.  

Grund dafür ist das immer größere werdende Unverständnis, für die Ruhe von Tim Cook. Weder prescht er mit neuen Produkten nach vorne, noch tätigt er große Investitionen. Dabei sitzt das Unternehmen auf fast 160 Milliarden Euro und ist damit einer der reichsten Konzerne der Welt. Die Konkurrenz hat weniger Skrupel, Geld auszugeben:

Samsung preschte erst jüngst auf dem Mobile World Congress mit neuen Smartphones, Tablets und Fitness-Gadgets voran. Mit dem Galaxy S5 haben die Südkoreaner sogar den Fingerabdruck-Sensor eingeführt, der bisher Apples Alleinstellungsmerkmal gewesen war.

Microsoft sicherte sich Ende des vergangenen Jahres die Smartphone-Sparte von Nokia und auch Marissa Mayer ist seit ihrem Wechsel an die Yahoo-Spitze auf Dauer-Shopping-Tour. Etliche Startups hat sie dem Unternehmen schon einverleibt. Größte Akquise war dabei der Kauf des Blog-Formats Tumblr für satte 1,1 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr.

Der Deal ist jedoch nichts gegen den Einkauf, den Facebook-Chef Mark Zuckerberg getätigt hat. Für 16 Milliarden US-Dollar erstand der Social-Media-König den Kurznachrichtendienst WhatsApp. Ein strategischer Kauf, mit dem sich Facebook zum einen eine jüngere Zielgruppe und vor allem einen stetig wachsenden Dienst angeschafft hat.

Apple steht passiv daneben

Apple schaut sich das Treiben seiner Mitbewerber an – ohne selbst aktiv zu werden. Dabei dürften Googles Einkauf des Thermostate-Herstellers für Apple schmerzhaft gewesen sein – ist doch das vernetzte Haus einer der ganz großen Zukunftsmärkte, und NestLabs wäre ein interessanter Partner gewesen.

Stattdessen updatet Tim Cook ein Smartphone und Tablet nach dem anderen. Selbst vom iPhone 6 erwartet niemand mehr den großen Wurf. Gerüchten zufolge wird der Konzern aus dem kalifornischen Cupertino vor allem die Bildschirmgröße in Richtung Phablet anpassen – also eine Mischung aus Tablet und Smartphone. Der verstorbene Apple-Chef Steve Jobs hatte dieses Format stets abgelehnt und das „One-Hand“-Prinzip befürwortet. Konkret: Das Smartphone muss mit einer Hand zu bedienen sein. Inzwischen hat aber vor allem Samsung vorgemacht, dass es für unterschiedliche Formate einen Markt gibt. Und sogar Nokia hat mit einer umfassenden Produktpalette in verschiedenen Preiskategorien nachgelegt.

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