Henrique de Castro Marissa Mayers Topmanager geht

Rückschlag für Yahoo: Einer der Top-Manager des strauchelnden Internetkonzerns streicht nach nur einem Jahr die Segel. Damit wächst auch der Druck auf die junge CEO Marissa Mayer. Es war ihr Kandidat.

Die Herrscherinnen des Silicon Valley
Marissa MayerMarissa Mayer ist ein Google-Urgestein, beim Suchmaschinenkonzern war sie Mitarbeiterin Nummer 20. Zuletzt arbeitete die Google-Vorzeigefrau als Produktchefin. Mit dem Wechsel an die Spitze von Yahoo steigt die Ex-Freundin von Google-Gründer Larry Page endgültig in die Spitze der US-IT-Managerinnen vor. Denn eine ganze Reihe von Spitzenpositionen bekleiden Frauen… Quelle: REUTERS
Margaret WhitmanMeg Whitman ist so etwas wie die Grande Dame des Silicon Valley. Ihren Ruhm und Reichtum begründete Whitman, die eigentlich Ärztin werden wollte, mit Ebay. Sie machte aus dem Startup mit gerade mal 30 Mitarbeitern ein global operierendes Online-Auktions- und dann ein Handelshaus mit 15.000 Angestellten und 8,5 Milliarden Dollar Umsatz. Über zehn Jahre lenkte sie Ebay und trat im März 2008 etwas amtsmüde als Vorstandschefin zurück. Die langjährige Chefin des Internet-Handelskonzerns Ebay löste Ende September 2011 überraschend den glücklosen Vorgänger Léo Apotheker an der Spitze des weltgrößten IT-Konzerns ab. Quelle: dapd
Virginia RomettyDie seit 30 Jahren in den Diensten von IBM stehende Managerin hat Anfang Januar 2012 das Steuer vom langjährigen IBM-Boss Sam Palmisano (links) übernommen. Die Informatikerin und Ingenieurin, die 1981 bei IBM anheuerte muss den von Plamisano verkündeten "Strategieplan 2015" fortsetzen. Quelle: Reuters
Sheryl SandbergChefin ist sie zwar (noch) nicht, doch kaum eine Frau im Valley ist so mächtig, wie Sheryl Sandberg. Die frühere Google-Managerin war 2008 zu Facebook gekommen und hat Zuckerberg seitdem in geschäftlichen Dingen den Rücken freigehalten, so dass er sich ganz auf die Weiterentwicklung des Netzwerks konzentrieren konnte. Sandberg sorgt in ihrer Rolle dafür, dass das Geld hereinkommt, kümmert sich um die Außendarstellung, um die Personalführung und vieles andere. Auch beim Börsengang fiel Sandberg als Architektin des geschäftlichen Erfolgs eine wichtige Rolle zu: Sie versuchte zusammen mit Zuckerberg, Investoren zum Kauf von Aktien zu bewegen. Die Nummer zwei bei Facebook hat im Juni ihre Macht im Sozialen Netzwerk ausgebaut. Die fürs Tagesgeschäft zuständige Managerin und rechte Hand von Firmenchef Mark Zuckerberg ist nun auch in den wichtigen Verwaltungsrat eingezogen. Dies ist das höchste Firmengremium - und das war bislang rein männlich besetzt. Quelle: REUTERS
Carol BartzDoch einige Frauen sind auch schon wieder gescheitert. Zwischen 2009 und 2011 sollte Carol Bartz den Umschwung bei Yahoo schaffen. „Diese Leute haben mich verarscht“, schimpfte Carol Bartz, als sie ihren Posten als Yahoo-Chefin wieder verlor. Als Verwaltungsratschef Roy Bostock ihr am Telefon das von Anwälten formulierte Kündigungsschreiben diktierte schleuderte sie ihm entgegen: „Warum hast Du nicht die Eier, es mir selbst zu sagen?“ Im Januar 2009 war die langjährige Chefin des Softwarehauses Autodesk zu Yahoo geholt worden, um endlich wieder Schwung in die Internet-Ikone zu bringen. Bartz fand ein zerrüttetes Unternehmen vor, ohne klare Management-Zuständigkeiten, Intrigen und kleinen Königtümern. Sie brachte wieder klare Strukturen ins Unternehmen, stellte verlustträchtige Projekte ein und kürzte die Kosten. Eine umstrittene Suchmaschinen-Allianz mit Microsoft sparte zwar Kosten. Doch damit gab Yahoo eigene Expertise ab Quelle: REUTERS
Carly FiorinaFiorina war lange Chefin von Hewlett-Packard, sie leitete HP von 1999 bis 2005 und war dort unter anderem für die Fusion mit Compaq verantwortlich. 2010 kandidierte sie als Senatorin für Kalifornien, verlor aber die Wahl gegen die Demokratin Barbara Boxer. Quelle: AP

Yahoo-Chefin Marissa Mayer muss sich nach einem neuen Topmanager umschauen. Nach lediglich einem guten Jahr bei dem Internetkonzern geht der fürs Tagesgeschäft verantwortliche Henrique de Castro. Er werde das Unternehmen an diesem Donnerstag verlassen, teilte Yahoo am Mittwoch in einer Börsenmitteilung mit.

Es ist eine Meldung mit Symbolkraft für Yahoo und weit mehr. Ende der Woche wird de Castro das Haus verlassen, zusammen mit einer Schubkarre voll Dollars: rund 62 Millionen Dollar Gesamtvergütung wurden ihm vor 14 Monaten zugesagt, Laufzeit vier Jahre. Auf einen Großteil davon, meist in Form von Aktien, hat er jetzt ein Anrecht. Allein Aktienoptionen im Wert von rund 20 Millionen Dollar werden zum Zeitpunkt seiner Kündigung laut Anstellungsvertrag sofort fällig. Der nicht ganz unerwartete, aber doch plötzliche Abgang wirft aus mehreren Gründen ein unangenehm grelles Schlaglicht auf die charismatische CEO Marissa Mayer.

Zum einen war de Castro ihre ureigene Wahl und eine ihrer ersten und höchst-profiliertesten Neueinstellungen. Kurz nachdem sie selbst von Google gewechselt hatte, holte sie den Werbespezialisten de Castro nach. Daneben kommt die Bekanntgabe der Trennung, bzw. wohl Rauswurfs, nur wenige Tage vor der Veröffentlichung der Quartalszahlen Yahoos. Allgemein wird erwartet, dass Mayer erneut Verluste oder bestenfalls geringe Zuwächse bei der Online-Werbung melden wird, während die Konkurrenten wie Google, Facebook oder Twitter satte Zuwächse verbuchen. Seit ihrem Amtsantritt hat es Marissa Mayer nicht geschafft, Yahoo auf den Wachstumspfad zurück zu bringen.

Während sie Unsummen für Akquisitionen wie der Blogplattform Tumblr oder des Nachrichtensammler Sumly ausgab, brach das Kerngeschäft weiter weg. Erst im Oktober senkte sie erneut die Gesamtaussichten für das Finanzjahr 2013. Ein massiver Kursanstieg auf rund 40 Dollar pro Yahoo-Aktie wird praktisch alleine einem Aktienpaket am chinesischen E-Commerce-Giganten Alibaba zugeschreiben. Der könnte bei einem Börsengang bis zu 20 Milliarden Dollar wert sein, schätzen Analysten. Das wäre rund die Hälfte der derzeitigen Börsenkapitalisierung von Yahoo.

Gründe für den Abgang de Castros nennt Yahoo nicht, aber seit Monaten hatten sich Gerüchte über Probleme hartnäckig gehalten. Nicht zuletzt, weil Mayer Erfolge sehen muss und nicht bekam. Im Gegenteil. 2013 löste Facebook Yahoo als die Nummer zwei im US-Online-Werbemarkt hinter Google ab, schätzt eMarketer. Im September dann holte Mayer den früheren AOL-Topmanager Ned Brody als Amerika-Chef. Zwischen den beiden habe ebenfalls die Chemie nicht mehr gestimmt, berichten Medien.
Wer auf de Castro folgen wird, ist noch unklar. Die Zahlen zum vierten Quartal und Gesamtjahr 2013 werden für den 28. Januar erwartet.

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