Herausforderer Instagram und Snapchat Von wegen Facebook stirbt

Wird es Facebook in zehn Jahren noch geben? Der Trend geht zu Snapchat und Instagram, glaubt man Teenagern. Social-Media-Experten zweifeln zwar an dieser Einschätzung. Doch das Rennen ist nicht wirklich ausgemacht.

Facebook wird nicht mehr verschwinden, glauben Experten.

DüsseldorfDie „Generation Facebook“ ist alt, so scheint es. Aus dem hippen, lifestyle-trächtigen Social Network ist eine soziale Klitsche geworden, ein Kanal für Informationen und politische Debatten. Fotos werden heute bei Instagram gepostet oder via Snapchat verschickt. Erst kürzlich schrieb ein 17-Jähriger, er würde sich wünschen, Facebook würde „sterben“: „Und daran sind auch unsere Eltern schuld.“ Denn die tummelten sich zunehmend in dem sozialen Netzwerk und machten es daher für Jugendliche unattraktiv.

Die 15-jährige Lisa* ist seit Anfang 2013 bei Facebook angemeldet, bei Instagram und Snapchat seit 2014. Die beiden letzteren Netzwerke nutzt sie lieber als Facebook: „Der Aufbau ist einfach viel besser, dort werde ich nicht so von Werbung zugespamt.“ Wirklich aktiv sei sie aber nur bei Snapchat. Sie schickt sich mit ihren Freundinnen Fotos hin und her – schöne Fotos, lustige oder welche mit Grimassen. Die Hauptsache für die 15-Jährige sei, dass es Spaß macht.

Die Nutzerzahlen der Portale zeigen: Facebook ist bisweilen zwar das wichtigste Netzwerk im Social Web, denn mehr als 1,4 Milliarden Menschen sind derzeit bei Facebook aktiv. Instagram kommt auf 300 Millionen Nutzer, Snapchat auf 200 Millionen. 

Allerdings ist der Kampf um die junge Zielgruppe entscheidend, da sie die Nutzerbasis der Zukunft darstellen. Nicht umsonst hat Facebook-Gründer Mark Zuckerberg vor knapp drei Jahren Instagram für eine Milliarde gekauft. Anfang 2014 folgte dann Whatsapp als großer Messenger-Dienst – doch an Snapchat-Gründer Evan Spiegel biss er sich die Zähne aus. Drei Milliarden US-Dollar hatte Zuckerberg geboten, doch der 23-jährige Spiegel lehnte dankend ab.

Wenn Lisa Snapchat benutzt, füttert sie Zuckerbergs Datensammlung also nicht. Noch nicht zumindest. Lisa zählt aufgrund ihres Alters zu den sogenannten „Digital Natives“, die in einer Welt mit sozialen Netzwerken und der Allgegenwärtigkeit des Internets aufwachsen. Trotzdem starrt sie nicht den ganzen Tag auf ihr Smartphone. Sie reitet und trifft sich mit Freunden. „Ich habe gar keine Zeit, jeden Tag ein Foto von meinem Essen zu posten.“ Wenn sie ihre Freundinnen dann fragt, welche Social-Media-Plattform ihnen von Facebook oder Instagram besser gefällt? „Instagram. Weil sie finden, dass es übersichtlicher ist und sich geschützter anfühlt.“

Auch der Social-Media-Experte Ibrahim Evsan hat erkannt, dass sich die Kultur bei Facebook verändert hat. „Anfangs fand alles auf der Party- und Freizeit-Ebene statt. Heute überwiegen Business-Themen in den Timelines der Nutzer“, sagt er. Evsan ist Unternehmer und Blogger. Vornehmend beschäftigt er sich mit Strategien fürs Social Web und wird mit Netzkolumnist Sascha Lobo in einer Riege gesehen. Evsan glaubt jedoch, dass Facebook nicht so bald „out“ sein wird: „In zehn Jahren wird es eine riesige Plattform geben. Und diese wird von Facebook dominiert werden.“

Jedes Foto, jeder Post und jeder Kommentar, den die 1,4 Milliarden Nutzer seit ihrer Anmeldung bei Facebook veröffentlicht haben, bilden laut Evsan ein großes digitales Tagebuch. „Mit diesem Tagebuch voller Daten wird es schwierig sein, noch einmal umzuziehen.“ Vor allem, weil in zehn Jahren nicht 40 Prozent aller Menschen, so wie es im Moment der Fall ist, online sein sollen, sondern 100 Prozent.

Laut dem GlobalWebIndex ist allerdings momentan Snapchat die App mit dem größten prozentualen Nutzerzuwachs. 2014 waren das 57 Prozent. Instagram teilt sich mit 43 Prozent den dritten Platz mit Pinterest, einem Sozialen Netzwerk, das ebenfalls auf Fotos ausgelegt ist. Facebook ist nicht unter den ersten zehn. Wenngleich Instagram, der Facebook Messenger (Platz 2) und Whatsapp (Platz 4) natürlich zum Firmennetz von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg gehören.

*Name von der Redaktion geändert


Snapchat: Fotos statt Infos, Spaß statt Debatte

Björn Tantau, spezialisiert auf Online-Marketing, schreibt ebenfalls, dass Facebook heute anders genutzt werde als noch vor wenigen Jahren. Tantau ist Berater und Autor, unter anderem hat er über die Strategie von Google mit dem eigenen Netzwerk „Google+“ geschrieben. Tantau meint: „Die Zielgruppe der 13- bis 17-Jährigen entdeckt immer stärker ein zusätzliches Medium, um mit Freunden und Bekannten in Kontakt zu bleiben.“ Damit bestätigt er die Zahlen des GlobalWebIndex: Snapchat ist im Trend.

Das liege daran, dass der Messenger „eine komplett andere User-Experience bietet als Facebook“. Fotos statt Infos, Spaß statt Debatte. Trotzdem habe Facebook Tantau zufolge kein Problem mit Teenagern, „weil ich mir immer aktuelle Zahlen anschaue, entspricht es auch nicht den Tatsachen, dass es einen 'Teenie-Exodus' bei Facebook gibt.“

Werden Instagram und Snapchat also doch nur gefühlt cooler als Instagram? Es gibt schließlich auch bei Instagram und Snapchat Nachteile. So dürften viele Social-Nutzer Instagram negativ beurteilen, weil die eigenen Fotos von einer große Masse an Unbekannten angeschaut werden können – auch wenn man bei Instagram sein Profil ebenso auf „privat“ stellen kann wie bei Facebook. So können nur Nutzer, die man selbst „bestätigt“ hat, die Fotos sehen, liken und kommentieren. Eine detaillierte Einstellung, wer welches Foto in die Timeline bekommt und wer nicht, gibt es nicht. Ein Nachteil gegenüber Facebook.

Die 15-jährige Lisa aus Moers hat ihre Profile bei Instagram und Facebook nur Freunden freigegeben. Sie will nicht, dass ihre Fotos oder Videos ins Internet gelangen oder von Leuten gesehen werden, die sie nicht kennt. Auch deshalb benutzt sie am liebsten Snapchat. Weil sie dort ihre Fotos direkt an einzelne Freunde senden kann. Doch selbst, wenn die jungen Nutzer wirklich in Zukunft eins der drei Netzwerke konkret vorziehen sollten – Zuckerberg hat bestimmt einen Plan B.

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