Hewlett-Packard HP macht Fortschritte - aber nur beim Sparen

Erstmals seit langem zeigt sich HP-Chefin Meg Whitman verhalten positiv. Doch der Blick in wichtige IT-Märkte zeigt, wie sehr der US-Konzern weiterhin hinterhinkt.

Der IT-Gigant Hewlett-Packard (HP) hat gestern Abend seinen Finanzbericht für das zweite Geschäftsquartal von Februar bis April 2013 vorgelegt. Quelle: dapd

Der amerikanische IT-Gigant Hewlett-Packard (HP) hat gestern Abend seinen Finanzbericht für das zweite Geschäftsquartal von Februar bis April 2013 vorgelegt. Weil der weltgrößte Computerbauer aber nicht nur vom Branchenwandel weg von PCs hin zu Smartphone und Tablets hart getroffen ist, sondern zugleich seit geraumer Zeit mitten in einem großangelegten Konzernumbau steckt, muss man die Zahlen genauer unter die Lupe nehmen.

Auf den ersten Blick zeigen sie das Bild eines Unternehmens, dessen Niedergang sich gerade beschleunigt: Umsatz minus zehn Prozent auf 27,6 Milliarden Dollar, Nettogewinn minus 32 Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar; zugleich bricht der Absatz von Tischrechnern um 18 Prozent ein und der von Notebooks gar um 24 Prozent – kurzum: Praktisch überall rückläufige Zahlen.

Welcher IT-Gigant am ehesten von HP profitieren würde
HPUmsatz (in Milliarden Dollar): 127,2 Gewinn (in Milliarden Dollar): 7,1 Mitarbeiter: 349.600 Börsenwert (in Milliarden Dollar): 33,5 Geschäftsfelder: Die Hälfte des Umsatzes entfällt auf das Hardware-Geschäft, stark ist HP auch bei IT-Dienstleistungen (28 %), Unternehmens-IT ist die drittstärkste Sparte (17%), Software spielt mit 2% nahezu keine Rolle. Welcher Konkurrent am meisten von einer Übernahme profitieren würde, zeigt die folgende Auswertung.... Quelle: AP
MicrosoftUmsatz (in Milliarden Dollar): 69,9 Gewinn (in Milliarden Dollar): 23,2 Mitarbeiter: 90.000 Börsenwert (in Milliarden Dollar): 254,7 Geschäftsfelder: Der Großteil des Umsatzes speist sich aus der Entwicklung und dem Verkauf von Software (87 Prozent) Was für den Kauf von HP spricht: Gute Ergänzung bei PCs und Unternehmens-IT Was gegen den Kauf von HP spricht: Aufgabe der Neutralität bei der PC-Hardware Fazit: Es spricht eben soviel für wie gegen eine Übernahme von HP. Zahlen stammen jeweils aus dem Geschäftsjahr 2011 Quelle: dpa
OracleUmsatz (in Milliarden Dollar): 35,6 Gewinn (in Milliarden Dollar): 8,5 Mitarbeiter: 108.000 Börsenwert (in Milliarden Dollar): 154,1 Geschäftsfelder: Den Großteil des Geschäfts macht Oracle mit Software (71%), zweitgrößte Sparte ist die Unternehmens-IT mit (17%), der geringste Anteil enfällt auf IT-Dienstleistungen (12%) Was für den Kauf von HP spricht: Stärkung der Hardware-Sparte (Sun Microsystems) Was gegen den Kauf von HP spricht: PC- und Druckergeschäft überflüssig Fazit: Es spricht mehr für als gegen eine Übernahme von HP Quelle: dpa
SAPUmsatz (in Milliarden Dollar): 17,9 Gewinn (in Milliarden Dollar): 4,3 Mitarbeiter: 55.765 Börsenwert (in Milliarden Dollar): 82,5 Geschäftsfelder: Das Gros des Umsatzes macht SAP mit Software (80%), den Rest mit IT-Dienstleistungen (20%) Was für den Kauf von HP spricht: Gute Ergänzung bei Unternehmens-IT Was gegen den Kauf von HP spricht: PC- und Druckergeschäft überflüssig Fazit: Es spricht mehr gegen als für eine Übernahme von HP. Quelle: dpa
DellUmsatz (in Milliarden Dollar): 61,5 Gewinn (in Milliarden Dollar): 2,6 Mitarbeiter: 103.300 Börsenwert (in Milliarden Dollar): 18,3 Geschäftsfelder: Gut die Hälfte des Umsatzes macht Dell mit Hardware (55%), weitere Sparten sind Unternehmens-IT (16%) und Software (17%), sowie IT-Dienstleistungen (12%) Was für den Kauf von HP spricht: Stärkung des PC- und Service-Geschäfts Was gegen den Kauf von HP spricht: Defizite bei Software, fehlende Kapitalkraft Fazit: Es spricht sehr viel mehr für als gegen eine Übernahme von HP. Quelle: REUTERS

In den Augen von HP-Chefin Meg Whitman dennoch alles halb so wild: „Wir machen Fortschritte“, lässt sich Whitman zitieren – und verweist auf leicht verbesserte Gewinnmargen durch die Rosskur, die sie dem Unternehmen seit ihrem Amtsantritt im September 2011 verordnet hat. Bis 2014 baut HP weltweit rund 29.000 Jobs ab. Whitman beteuerte, man sehe nun die ersten Erfolge jenes Sparkurses – und hob trotz des Gewinneinbruchs die Prognose fürs Gesamtjahr.

So weit, so verwunderlich – denn ein dritter Blick auf HP zeigt: Außer eisernem Sparen fällt Whitman und ihrem Management-Team nicht viel ein. Dies beweist vor allem ein Vergleich mit dem chinesischen Rivalen Lenovo, der seit mehreren Quartalen am HP-Thron als Weltmarktführer im PC-Geschäft rüttelt.

Die jüngsten unabhängigen Zahlen über den PC-Markt hat das amerikanische IT-Analysehaus IDC Anfang April veröffentlicht. Demnach sind die Verkäufe herkömmlicher Computer im ersten Quartal 2013 um satte 14 Prozent eingebrochen – der größte jemals von IDC binnen 20 Jahren verzeichnete Rückgang. Der Absatz in Stückzahlen von HP ist in jenem Zeitraum freilich um fast 24 Prozent eingebrochen. Rivale Lenovo dagegen hat seine Verkäufe dagegen im Jahresvergleich sogar konstant halten können.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Soviel zum Hinterhinken von HP im Altgeschäft. Schaut man auf neue Märkte, wirkt der Konzern sogar noch weiter abgeschlagen. Laut jüngsten Zahlen liegt der Markt für Tablet-Rechner bereits bei rund zwei Drittel des PC-Geschäfts. HP spielt dort jedoch nach dem Desaster um das zugekaufte Mobilbetriebssystem WebOS keine Rolle. Ebenso die Situation bei den boomenden Smartphones – von HP ist dort weit und breit nichts zu sehen.

Stellt sich die Frage, wie Whitman in jenen wichtigen Märkten zurück in die Offensive gelangen will. Mit einem Sparprogramm nach dem nächsten und einer seit Jahren demotivierten Mannschaft jedenfalls nicht.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%