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Huawei-Alternative Es bleiben nur Ericsson und Nokia

Huawei: Telekommunikationsanbieter nehmen Abstand Quelle: imago

Immer mehr Netzbetreiber rund um den Globus wenden sich von dem chinesischen Telekommunikationsanbieter Huawei ab. Wie lange kann es sich Deutschland noch leisten, an Ausrüstern aus dem Reich der Mitte festzuhalten?

Der Druck auf den chinesischen Telekommunikationsausrüster Huawei steigt derzeit praktisch im Stundentakt: Erst am Mittwoch wurde die Finanzchefin des Konzerns – zugleich Tochter des Firmengründers – in Kanada verhaftet. Das Unternehmen, so der Vorwurf, soll gegen Sanktionen verstoßen haben, die die USA gegen Iran verhängt hatten.

Und auch anderswo nehmen immer mehr Telekommunikationsanbieter Abstand davon, Huawei-Produkte in ihren Mobilfunknetzen zu verwenden. Australien und Neuseeland haben Ende November wegen Sicherheitsbedenken verkündet, beim Ausbau der neuen Netzwerk-Technologie 5G kein chinesisches Equipment mehr zu verwenden. Sogar noch einen Schritt weiter geht der britische Telekommunikationskonzern BT: Man habe inzwischen damit begonnen, Huawei-Technik aus den älteren 3G- und 4G-Handynetzen zu entfernen, teilte BT am Mittwoch mit.

All diese Länder versammeln sich damit hinter der Kritik der US-Regierung um Präsident Donald Trump, der Huawei bezichtigt, quasi als verlängerter Arm der chinesischen Regierung zu fungieren und versteckte Hintertüren für den chinesischen Geheimdienst in der Netztechnik zu verbauen.

Eine wachsende Anti-China-Front rund um den Globus also – mit einer Ausnahme: Deutschland.

Hier will etwa der Telekommunikationskonzern United Internet aus Montabaur beim Bau seines eigenen 5G-Netzes auf Technologie aus China setzen. Laut WirtschaftsWoche-Informationen hat hier Huawei-Rivale ZTE gute Chancen.

Marktführer Huawei beliefert mit seiner Technik zudem die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica, bekannt vor allem für seine Marken O2 und Blau. Deutschland hat sich wie wenig andere Länder auf der Welt dem „unheimlich erfolgreichen Unternehmen“ – so die große „WiWo-Analyse“ – ausgeliefert. Das gilt für Telekommunikationsnetze ebenso wie für Rechenzentren, auf denen Daten gespeichert und via Internet abgerufen werden.

Jetzt rächt sich, dass es Siemens zu teuer war, weiter in die eigene Netzwerktechnik zu investieren und sich der Münchner Konzern aus dem Gemeinschaftsunternehmen mit dem finnischen Ausrüster Nokia verabschiedete. Mitte 2013 verkaufte Siemens seinen Anteil komplett an Nokia. Damit hat Deutschland die Chance verspielt, eine eigene technische Infrastruktur für Mobilfunknetze zu entwickeln und diese dann auch zu kontrollieren.

Kann und will es sich die deutsche Gesellschaft weiterhin leisten, als eines der wenigen westlichen Länder derart stark auf chinesische Netzausrüster zu setzen? Oder werden auch die ersten hiesigen Mobilfunkanbieter Huawei-Hardware aus ihren Netzen werfen? Diese Frage ist nicht nur eine, die die Telekommunikationsunternehmen beantworten müssen. Sie geht die gesamte deutsche Gesellschaft an. Denn viel von dem Wissen, das den deutschen Wohlstand sichert – von den technischen Plänen für vernetzte Fabriken von Mittelständlern bis hin zu parteipolitischen Strategien für einen fairen Wahlkampf – fließt heutzutage über Mobilfunknetze. Deutschland sollte sich deshalb sehr genau überlegen, China weiter viel Vertrauen entgegen zu bringen – oder ob es nicht naiv wäre, Technik einzusetzen, die es dem Land womöglich erlaubt, Informationen abzugreifen.

Zu dieser Diskussion gehört auch eine ehrliche Antwort auf die Frage, welche realistischen Alternativen es überhaupt noch gibt. Der Versuch, eine eigene Netzwerktechnik zu entwickeln, war vergeblich – wie Siemens' Rückzug aus diesem Geschäft gezeigt hat. Bleibt nur der Fokus auf europäische Hersteller: Die einzigen verbliebenen Netzwerkausrüster sind Ericsson aus Schweden und Nokia aus Finnland. Sie dürften von dem wachsenden Druck auf chinesische Ausrüster langfristig profitieren.

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