Hyperloop One und Shervin Pishevar Schwere Vorwürfe treffen Venture Capital-Geber

Mit Schallgeschwindigkeit durch die Röhre will Hyperloop One die Menschen eines Tages schicken. Bremst eine Klage wegen Missmanagement und Vetternwirtschaft nun das ambitionierte Startup?

Die kostspieligen Hobbys der Milliardäre
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Schlammschlacht bei Hyperloop One: Mitgründer Brogan BamBrogan und drei andere Top-Manager haben eine Whistleblower-Klage gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber eingereicht. Bei dem ambitionierten kalifornischen Startup sollen Gelder missbraucht worden sein, „um das eigene Image aufzupolieren, das Liebesleben zu verbessern und die eigenen Taschen (und die von Familienmitgliedern) zu füllen“, heißt es in der Klageschrift, die am Dienstag in Los Angeles eingereicht wurde.

Auf 29 Seiten legen die ehemaligen Hyperloop-Mitarbeiter dar, was sich in den vergangenen Monaten bei dem viel beachteten Startup abgespielt haben soll: Venture Capital-Geber Shervin Pishevar, der Hyperloop One 2014 gemeinsam mit BamBrogan gegründet hatte, soll demnach eine Beziehung mit Hyperloops externen PR-Beraterin gehabt.

Deren Gehalt soll er von 15.000 Dollar auf 40.000 Dollar im Monat erhöht haben. Damit habe sie „mehr als alle anderen Mitarbeiter“ verdient. Als es nicht zu der geplanten Verlobung gekommen sei, habe er die PR-Beraterin entlassen.

Fakten zum Hyperloop

Auch soll Pishevar den Mitgründer BamBrogan, der zuletzt als Technologie-Vorstand arbeitete, gezwungen haben, seine Arbeit zu unterbrechen um Pishevars Freunde durch die Firma zu führen. Darunter soll auch der Türsteher eines Nachtclubs gewesen sein.

Die Klage richtet sich nicht nur gegen das Unternehmen, sondern auch gegen Pishevar persönlich, der auch als Investor bei AirBnB und Uber bekannt ist. Ebenso trifft die Klage Vorstandschef Robert Lloyd und Pishevars Bruder Afshin, der als Chefjurist angeheuert wurde. Ein Anwalt von Hyperloop One wies die Vorwürfe umgehend als „erlogen“ zurück.

Ehrgeizige Pläne für ein Hochgeschwindigkeits-Transportsystem

Hyperloop One hat ein Konzept für ein Hochgeschwindigkeits-Transportsystem entwickelt, bei dem elektrisch getriebene Kapseln auf Luftkissen durch Röhren schießen - und dabei auch Menschen befördern sollen. Noch im Mai hatte Hyperloop One ehrgeizige Pläne verkündet.

Mit einem ersten Antriebstest in der Wüste von Nevada wollte das Startup zeigen, dass das Hyperloop-Konzept umsetzbar ist. Die Idee geht auf Tesla-Chef Elon Musk zurück, der die Idee dazu ein einem Konzeptpapier veröffentlicht hatte.

„Es ist real, und wir werden zeigen, wie dieses Unternehmen den Hyperloop Wirklichkeit werden lässt“, hatte Vorstandschef Rob Lloyd damals angekündigt. „2019 wollen wir Fracht transportieren und ab 2021 dann Passagiere.“ Selbst Elon Musk hatte nach dem geglückten Antriebstest via Twitter gratuliert. Hyperloop One hat rund 90 Millionen Dollar an Kapital eingesammelt.


Wie die Hyperloop One-Manager die Missstände offenlegten

Dem Unternehmen zufolge soll sich an den ambitionierten Zeitplänen nichts ändern. Doch der Weggang von BamBrogan ist ein herber Verlust. Ehe er Hyperloop One gründete, war er einer der führenden Ingenieure bei Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX und galt als zentraler Treiber für das futuristische Transportprojekt.

Die vier Kläger und sieben weitere Manager hatten sich Ende Mai zunächst in einem Brief an Pishevar und Lloyd gewandt und die Missstände aufgezeigt. Die Führung habe laut Klageschrift jedoch mit einem Gegenangriff reagiert.

Röhren des geplanten Hochgeschwindigkeits-Transportsystems von Hyperloop One: Das Start-Up droht in einer Schlammschlacht zu versinken. Quelle: AFP

Bilder der Überwachungskamera, die in dem Gerichtdokument beigefügt sind, zeigen: Chefjurist Afshin Pishevar hängte in einer Nacht eine Schlinge über den Stuhl von BamBrogan – eine Geste, die der Technologiechef klar als Drohung verstand. Der Mitgründer hatte das Unternehmen Ende Juni überraschend verlassen.

Hyperloop One holt unterdessen zum Gegenschlag aus. Die Kläger hätten ihrerseits „einen Coup geplant, der nicht funktioniert hat“, sagt Orin Snyder, Partner der Anwaltskanzlei Gibson Dunn, der Hyperloop One vertritt.

BamBrogan und die anderen Kläger hätten gewusst, dass das Unternehmen ihnen auf der Spur sei, und sie wollten mit der nun eingereichten Klageschrift einen „Präventivschlag“ ausrichten. „Die Vorwürfe sind purer Unfug und werden auf harte juristische Gegenmaßnahmen stoßen.“

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