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IBM senkt Prognose Konzern muss schrumpfen, um zu wachsen

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Kosten senken

Im Feld der künstlichen Intelligenz beeindruckt IBM zwar seit Jahren mit den Fähigkeiten seines Supercomputers Watson, der alle möglichen Fragen beantworten und Zusammenhänge zwischen verschiedenen Datentypen erkennen kann. Er soll dabei helfen, richtig zu entscheiden – zum Beispiel bei der Behandlung von Krankheiten wie Krebs. Mit solchen selbstlernenden Systemen – Neudeutsch Cognitive Computing genannt – sollen Anbieter dieses Jahr weltweit rund eine knappe Milliarde Euro umsetzen, 2020 sollen es dann 13 Milliarden Euro sein, schätzt der deutsche Digitalverband Bitkom. Doch auch hier ist unklar, wie viel IBM von diesem Markt erobern kann. Die Konkurrenz ist mit Microsoft, Google, Amazon und Facebook groß.

Angesichts unklarer Aussichten und schwindendem Stammgeschäft will die IBM-Spitze um Rometty weiter mit aller Macht Kosten senken: Erst kürzlich hat Finanzchef Martin Schroeter angekündigt, weltweit 200 Millionen Dollar für „Workforce rebalancing“ zurückzustellen, wie es im IBM-Sprech so schön heißt. Dahinter verbirgt sich zwar auch das Einstellen neuer Leute, vor allem aber das Abbauen von Jobs.

Die Entwicklungsstufen Künstlicher Intelligenz

Genau das passiert seit vielen Jahren auch und gerade in Deutschland, bisher noch konzerntypisch fast geräuschlos. „Es gibt nichts, was Leute bei IBM mehr verunsichert als Überraschungen“, sagte mal ein hochrangiger Manager hinter vorgehaltener Hand. Soll heißen: Wenn Wandel bei „Big Blue“, dann behutsam. So hat der Konzern nach Berechnungen der WirtschaftsWoche seine Belegschaft in Deutschland zwischen 2007 und 2015 von fast 21.000 auf nunmehr rund 16.500 Beschäftigte reduziert – ein Minus von fast 22 Prozent.

Martina Koederitz Quelle: Christof Mattes für WirtschaftsWoche

Demnächst könnte es mit dem geräuschlosen Abbau vorbei sein, fürchtet die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi: So hat die Geschäftsführung um Deutschland-Chefin Martina Koederitz Mitte September angekündigt, die Tochtergesellschaft IBM Deutschland Enterprise Application Solutions GmbH mit Sitz in Ehningen zum 31. August 2016 zu schließen – und erstmals betriebsbedingte Kündigungen in Aussicht gestellt. Das betrifft zwar höchstens rund 120 Mitarbeiter; derzeit kämpft Verdi noch um die Beschäftigungssicherung.

In Arbeit
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„Die Schließung der IBM EAS GmbH kann aber als Blaupause für weitere Personalmaßnahmen in Deutschland dienen, wenn die Vorgaben aus Armonk nicht erreicht werden“, fürchtet Bert Stach, zuständig bei Verdi für IBM und Mitglied des lokalen Aufsichtsrats. „IBM wird diesen Schritt so sozialverträglich wie möglich gestalten und gemeinsam mit dem Betriebsrat eine für beide Seiten einvernehmliche Lösung suchen“, heißt es aus der Zentrale in Ehningen. Weitere Pläne wolle man nicht kommentieren.

Trotz des ständigen Schrumpfens: Zumindest einen prominenten Anhänger hat Rometty noch, der sich sogar über den sinkenden Aktienkurs freut. Berkshire Hathaway ist weiter mit 8,2 Prozent größter Anteilseigner von IBM. Dessen Chef, der legendäre Investor Warren Buffett, hat die Schwäche genutzt und gezielt nachgekauft. Seine Verluste mit dem IBM-Investment stören ihn nicht. „Wir investieren immer langfristig.“ Er setzt weiter darauf, dass Romettys Strategie das versprochene Wachstum bringt – auch wenn es länger dauern sollte.

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