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Ideenschmiede Die Zukunft von SAP entscheidet sich in einer Rumpelkammer

Offiziell jubelt der Softwareriese über seine neue Datenbank Hana, die es jetzt auch im Internet gibt. Intern aber kämpft der Konzern gegen die eigene Schwerfälligkeit – vom Silicon Valley aus.

Rumpelkammer statt Rampenlicht: Im sogenannten App House lässt Technikchef Sikka die Zukunft von SAP erproben.

Das App House liegt in einer Seitenstraße der Innenstadt von Los Altos, einem beschaulichen Örtchen mitten im Silicon Valley, auf halbem Weg zwischen dem Hauptquartier von Google und Facebook. Eine steile Treppe führt in ein verwinkeltes Apartmentgebäude zu einer verkratzten Holztür mit Zahlenschloss. Dahinter erstreckt sich ein schlauchartiges Apartment, vollgestellt mit Schreibtischen, Sesseln, Stühlen und zwei roten Ledersofas. 25 Leute arbeiten hier, die meisten zwischen 20 und 30 Jahre alt.

Für eine Empfangszone fehlt der Platz. Schränke sind in einen fensterlosen Aufbewahrungsraum verfrachtet. Alle Möbel haben Rollen, um schnell Platz schaffen zu können. Die Wände sind gepflastert mit weißen Tafeln, vollgekritzelt in grünem Faserstift, daneben hängen Plakate von den Beatles und Star Wars sowie Entwürfe für neue Smartphone-Apps.

Kein Außenstehender würde auf den Gedanken kommen, dass eine solche Location zu SAP gehört, dem milliardenschweren Anbieter von Software zur Unternehmenssteuerung aus Walldorf. Wenn am Dienstag SAP-Mitgründer und -Aufsichtsratsboss Hasso Plattner wieder einmal seinen großen Auftritt hat, wird er dazu in den SAP Labs in Palo Alto auf die Bühne treten. Dort und nicht im App House will er für das große Zukunftsprodukt von SAP, die Hochleistungsdatenbank Hana, eine Cloud-Version vorstellen. Damit sollen die Nutzer die Software aus dem Internet abrufen können.

Die Zukunft entscheidet sich in der Rumpelkammer

So groß die Hoffnung von Plattner auch ist, mit Hana Konkurrenten wie dem US-Riesen Oracle enteilen zu können: Die Zukunft der deutschen Paradesoftwareschmiede entscheidet sich nicht nur im Rampenlicht, sondern auch und gerade in der Rumpelkammer in Los Altos. Hier spinnen Entwickler im Verborgenen an Neuem, in Teams von nicht mehr als zehn Leuten und vernetzt mit acht weiteren Büros in Nordamerika, Europa und Asien.

Für sie zählt, dass SAP rasend schnell, also viel schneller als bisher, auf die heißesten Trends bei Smartphones und Tablets springt. Während herkömmliche SAP-Programmierer mitunter jahrelang an einer Software arbeiten, ist das App House eine Bude für Tempo-Junkies. Ihre Miniprogramme sind in weniger als 90 Tagen fertig. Und sie sind nicht nur für Businesskunden gedacht, sondern auch für Smartphone-Nutzer – etwas, was von SAP noch vor Kurzem niemand erwartete.

Die Entwicklung von SAP

Einkaufsliste für modebewusste Shopper

Zum Beispiel eine Einkaufsliste für modebewusste Shopper: Die App gibt es momentan nur in China und ist dort sehr populär. Oder eine Liste mit aktuellen Rückrufaktionen von Herstellern: Die App heißt Recall plus und informiert Konsumenten über schadhafte Produkte. Und mit der App Photo Tribe können sich Nutzer die Betrachtung von Fotos mit Freunden oder Familienmitgliedern teilen.

Die Denke, die Mitarbeiter, die Softwaregestaltung – für SAP ist das App House wie ein ferner Stern in der Konzerngalaxie. „Wir wenden bei unseren Apps strikt die Sieben-Sekunden-Regel an“, sagt Sam Yen, weltweit für Design und Benutzerführung bei SAP zuständig. Wenn sich der Zweck einer App und ihre Bedienung nicht in ein paar Sekunden erschließt, habe sie keine Chance am Markt. Das sind Worte, die so manchem Anwender herkömmlicher SAP-Programme wie Botschaften eines Außerirdischen klingen.

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