Infineon-Chef Ploss "Wir brauchen keine neue Abwrackprämie"

Reinhard Ploss, Chef des Technologiekonzerns Infineon, befürwortet Subventionen für Elektroautos. Warum er von einer großangelegten Förderung im Stile der Abwrackprämie aber dennoch nichts hält.

Infineon-Chef Reinhard Ploss:

WirtschaftsWoche: Herr Ploss, als Sie vor einem Jahr den Vorstandsvorsitz übernahmen, haben Sie angekündigt, den Konzernumsatz von zuletzt knapp vier Milliarden auf fünf Milliarden Euro zu steigern. Wann wollen Sie das Ziel erreichen?

Reinhard Ploss: Ob das nun 2015 oder 2016 sein wird, ist nicht so wichtig. Wichtig für mich ist, dass Infineon profitabel wächst. Über den Konjunkturzyklus hinweg wollen wir eine Marge von 15 Prozent erreichen. Dabei bleibt es.

Deutsche Firmen investieren am meisten in Forschung
Ein Schild mit dem Infineon-Logo Quelle: dpa
Merck Quelle: AP
 In einer Spritzkabine werden die Pflanzen auf rotierenden Tellern durch die Anlage transportiert und mit Wirkstoff besprüht. Quelle: obs
Fahnen mit dem Continental-Logo Quelle: dapd
Das Logo des Softwareherstellers SAP Quelle: dapd
Eine Mitarbeiterin der Bayer Bitterfeld GmbH posiert in Bitterfeld mit einer Aspirintablette des Unternehmens in der Hand Quelle: dapd
Ein Arbeiter montiert im BMW-Werk in Muenchen das BMW-Logo auf eine Motorhaube einer 3er BMW-Karosserie Quelle: dapd

In Berlin laufen die Koalitionsverhandlungen. Was wünschen Sie sich von der künftigen Bundesregierung?

Meine größte Hoffnung ist, dass die Bedingungen für Forschung und Entwicklung in Deutschland verbessert werden. Die Fähigkeit zu technologischen Entwicklungen hierzulande muss dringend gestärkt werden. Ansonsten können wir im globalen Wettbewerb nicht bestehen.

Bei der Forschung steht Deutschland doch gar nicht so schlecht da.

Die Grundlagen für den Erfolg von heute sind gestern gelegt worden. Um aber auch morgen noch erfolgreich zu sein, müssen wir deutlich mehr tun. Länder wie Südkorea investieren erheblich größere Summen in die Forschung. Die Welt differenziert sich nicht um das Thema Produktion, sondern um die Themen Wissen und Kompetenz. Dort müssen wir investieren.

Zwischen 2005 und 2011 sind die öffentlichen Forschungsausgaben in Deutschland um 35 Prozent gestiegen. Reicht das nicht?

Bei der Schulbildung ist seit den Pisa-Tests viel passiert, aber es reicht noch nicht. Wir brauchen viel mehr Hochschulabsolventen in mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern. Es ist wichtig, die jungen Menschen hierfür stärker zu begeistern. Und wenn wir selbst nicht genug junge Leute haben, müssen wir attraktiv für Ausländer sein. Deutschland muss sich beim Wissen von der Konkurrenz abheben. Um das zu erreichen, müssen wir mehr tun, auch bei der öffentlichen Förderung.

Was müsste stärker gefördert werden?

Ich finde beispielsweise hoch spannend, was sich rund um Berlin in der Softwareindustrie tut. Deutschland hat auch großes Potenzial im gesamten Bereich Information, Kommunikation und Telekom. Gerade bei mobiler Datenkommunikation und IT-Sicherheit könnte man ansetzen.

Werden die deutschen Ingenieure dazu richtig ausgebildet?

Ich wünsche mir, dass die Leute stärker zu Generalisten ausgebildet werden. Wir brauchen Absolventen, die die Einzeltechniken, bei denen wir sehr gut sind, orchestrieren können und die Komplexität beherrschen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%