Innovation Microsoft startet mit neuer Strategie durch

Der neue Microsoft-Forschungschef Peter Lee will die Zukunft neu erfinden - zum Beispiel mit einer Kamera im Smartphone, die zuhören kann. Wie sich das Unternehmen die neue, mobile Welt vorstellt

Peter Lee ist Forschungs-Chef bei Microsoft Research.

Peter Lee hat große Pläne: Tablets, Smartphones und Computer sollen lernen, was ein Nutzer gerade tut und als nächstes tun will. In der Fachsprache heißt das "Wearable Computing". Hardware soll künftig so konzipiert sein, dass Nutzer natürlicher mit ihr interagieren können. Microsoft Research will in diesen Bereich viel investieren, das hat Peter Lee, Forschungs-Chef bei Microsoft, gegenüber Technology Review im Interview geäußert. Er will auch eine neue Mobilstrategie entwickeln. Das Unternehmen hat derzeit nur rund vier Prozent Marktanteil bei den Mobilbetriebssystemen.

Investieren will Microsoft aber vor allem in Technologien des maschinellen Lernens. So sollen etwa die Spracherkennung oder maschinelle Übersetzungen verbessert werden. "Geräte werden ähnlich gut sehen und zuhören können, wie ein Mensch", sagt Lee im Interview. Erste Schritte in diese Richtung hätte man bereits mit der Kinect von 2010 gemacht: "Wir haben das Cocktail-Party-Phänomen zu einem Kinect-Sensor gemacht. Das menschliche Ohr kann sich ganz natürlich auf eine Geräuschquelle konzentrieren, Kinect mit dem Mikrofon-Array schafft das technisch."

Microsoft hat mit 1100 Wissenschaftlern und Ingenieuren die größte Forschungs-Abteilung unter den Softwareunternehmen. Sie arbeiten in 13 Laboren rund um die Welt. Bald könnten auch die Nokia-Forschungsstätten dazu kommen. Mit dem Kauf der Nokia-Handysparte will sich Microsoft neu am mobilen Markt positionieren. Die vier Prozent Marktanteil sollen bis 2018 zu 15 Prozent werden. Für Peter Lee ist das "Rennen im Smartphone-Sektor" aber noch nicht gelaufen, sagt er im Interview mit der Technology Review.

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Zum Beispiel sei die Touchscreen-Tastatur in Windows-Phone-Geräten auf dem Markt die beste. "Man sieht die Tasten stets auf dem Touchscreen, doch das System lernt gleichzeitig, was die Finger tatsächlich tippen, je nachdem, welches Wort oder sogar welcher Satz es ist", sagt Lee. Das sei der Grund, warum Windows-Phones ein besseres Tippgefühl gäben als etwa das iPhone.

Auch neue Erfindungen soll es unter Peter Lee geben. Microsoft forscht an einer Kamera, die neben dem Bild auch aufnimmt, was während der Aufnahme gesagt wurde und diese Zusatzinformation in der Datei speichert. Die Kamera könnte auch ein Foto von Speisen auf einem Teller auf Kalorien hin analysieren - und so herausfinden, ob die Nahrung in den Diätplan passt. Auch im Bereich der Quantencomputer will das Software-Unternehmen investieren. "Ich bin mir sicher, dass es innerhalb von fünf Jahren in diesem Bereich einen Nobelpreis geben wird – etwa für die Grundlagenforschung auf dem Gebiet", sagt Peter Lee. Es sei faszinierend, Daten mit Quanteneffekten zu codieren und zu berechnen. Das könne auch bei Sicherheit und Schutz der Privatsphäre helfen.

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