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Innovationen statt Zerschlagung So kann der Dominator Google besiegt werden

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Google auf nationaler Ebene regulieren?

Dennoch ist Hagens Berman ein ernst zu nehmender Gegner. Die Anwälte setzten bereits Apple so stark zu, dass der Konzern 840 Millionen Dollar zahlte, um ein Verfahren wegen Preisabsprachen bei elektronischen Büchern mit Verlagen zu vermeiden. Um Google ernsthaft unter Druck zu setzen, müsste Hagens Berman nachweisen, dass Google mit seinen Taktiken die Preise für Smartphones erhöht. Doch das dürfte schwerfallen. Auch die EU-Kommission prüft die Vorwürfe zu Android, hat aber noch kein formales Verfahren eröffnet.

Wenig aussichtsreich scheinen Versuche, Google auf nationaler Ebene zu regulieren. So gibt es die Idee von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), Google zu einer Infrastruktur zu erklären („essential facility“). Selbst Thomas Vinje, Rechtsberater der in der Fair Search organisierten Koalition von internationalen Google-Rivalen, hält es juristisch für „sehr schwierig“, Google zum einzigen Eingangstor des Internets zu erklären.

So arbeitet es sich bei Google und Facebook
Bequemer zur Arbeit geht es kaum. Der Google-Shuttle holt die Mitarbeiter vor der Haustür ab und fährt sie bis zum Google-Campus nach Mountain View. Den Verkehr, der regelmäßig morgens und abends den Highway 101 zwischen San Francisco und der südlichen Bay Area verstopft, bekommt man in dem Luxus-Liner kaum mit. Stattdessen ist Arbeiten angesagt. WLAN etwa ist an Bord des Shuttles inklusive. Acht junge Kollegen der Georg von Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten, die bei Handelsblatt und Wirtschaftswoche arbeiten, haben das Silicon Valley besucht. Den kompletten Report ihrer Reise finden Sie hier im Kaufhaus der Weltwirtschaft. Quelle: Sebastian Kirsch
Sonnenschirme, wohin das Auge reicht. So empfängt die Google-Zentrale am 1600 Amphitheatre Parkway in Mountain View jeden Tag ihre Mitarbeiter. Auf der Terrasse im Innenhof wird allerdings nicht nur Kaffee getrunken; hier wird auch gearbeitet. Der Hof ist einer der zentralen Treffpunkte, wichtig für den Ideenaustausch. Quelle: Sebastian Kirsch
Google sorgt sich um das Wohl der Mitarbeiter. Sport machen kann hier jeder – entweder zum Abspannen in einem der Fitness-Studios auf dem Campus. Oder aber bei der Arbeit. Die Mitarbeiterin hält mit dem Laufband Schritt, während sie ein paar Ideen in den Computer tippt. Quelle: Andreas Dörnfelder
Die Mitarbeiter von Google sollen bei der Arbeit die beste Version ihrer selbst sein, so eine Sprecherin. Und so sorgt das Unternehmen dafür, dass die Googler zwischendurch mal richtig ausspannen können. Etwa im Liegestuhl im Innenhof-Gärtchen. Das Smartphone allerdings ist immer dabei. Quelle: Andreas Dörnfelder
Damit kein Googler vergisst, wo er eigentlich arbeitet, ist das Logo der Internetfirma omnipräsent, die Corporate Identity allgegenwärtig. Und sei es nur der Fußabstreifer. Quelle: Sebastian Kirsch
Wie praktisch, dass auch die Billard-Kugeln perfekt ins Google-Design passen. Ein Spielchen zwischendurch soll den Geist beflügeln ... Quelle: Andreas Dörnfelder
Wie der große Innenhof ist auch die Kantine ein Treffpunkt. Bunt und laut geht es hier zu Stoßzeiten zu – alle wichtigen Neuigkeiten aus dem Unternehmen werden hier kommuniziert. Quelle: Sebastian Kirsch

Dienste für Wettbewerber

Selbst wenn dies gelänge, könnte Google zwar gezwungen werden, die eigenen Dienste den Wettbewerbern zu öffnen. Wie bei Telefonleitungen würden dann aber Durchleitungsgebühren anfallen. Justus Haucap, Mitglied der Monopolkommission und ihr ehemaliger Vorsitzender, weist darauf hin, dass eine staatlich verordnete Preisregulierung „für eine unentgeltliche Suchmaschine keinen Sinn macht“.

Ohnehin kritisieren viele Fachleute die Monopoldiskussion als unsinnig. So hält Silicon-Valley-Kenner Moore die oft zitierte Aufspaltung des Telefonkonzerns AT&T Anfang der Achtzigerjahre für einen Fehler. „Die Preise für Telefonate sind vor allem wegen des Wettbewerbs durch Internet-Telefonieunternehmen gefallen“, argumentiert Moore. Und die bei der Zerschlagung entstandenen Gesellschaften haben durch Wettbewerbsdruck wieder fusioniert, in Gestalt der heutigen AT&T.

Weltweite Marktanteile bei mobiler Werbung

Monopolkommission warnt

Erst in der vergangenen Woche hat auch die Monopolkommission in einem Gutachten vor übereilten kartellrechtlichen Eingriffen gegen Google gewarnt. „Die digitale Wirtschaft ist so stark in Bewegung, dass selbst Giganten keine dauerhafte Erfolgsgarantie haben“, sagt Daniel Zimmer, Vorsitzende der Kommission. So herrschte beim Zusammenschluss von AOL und Time Warner 2001 Angst vor der Dominanz des neuen Web-Riesen. Mittlerweile haben sich die vermeintlichen Traumpartner scheiden lassen, AOL existiert kaum mehr. Als Microsoft 2011 Skype übernahm, existierten ähnliche Befürchtungen für die Internet-Kommunikation. Heute kommt die stärkste Konkurrenz von WhatsApp, einem damals noch unbedeutenden Start-up.

Die richtige Antwort auf Googles Machtstreben liegt daher auf der Hand: Wettbewerb und Innovation. Tatsächlich weicht Googles Monopol bei der Suche erstmals seit Jahren auf, weil Smartphone- und Tablet-Besitzer vorwiegend Apps für das Aufrufen von Informationen nutzen und nicht mehr exklusiv Googles Suchmaschine. Google hat deshalb bereits 2013 Marktanteile bei mobiler Werbung verloren (siehe Grafik), so der New Yorker Marktforscher Emarketer – ein Trend, der sich fortsetzt.

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Wettbewerb

Für die Europäer ist das nur ein schwacher Trost. Denn der Gewinner ist mit Facebook ein anderer US-Gigant. Google bleibt aber Marktführer mit 46,8 Prozent, vor Facebook mit 21,7 Prozent. Auch im Online-Speichern von Dokumenten haben sich Silicon-Valley-Entrepreneure wie etwa Drew Houston mit seinem Start-up Dropbox gegenüber Googles Gegenstück Google Drive etabliert.

Google-Kritiker Stoppelman ist ebenfalls davon überzeugt, dass Wettbewerb die richtige Antwort ist. Google, so der Yelp-Chef, wollte sein Unternehmen schon mehrfach „killen“. Warum es trotzdem überlebt habe? „Wir haben das bessere Produkt und Geschäftsmodell“, sagt Stoppelman. „Solange wir das haben, können wir uns gegen Google behaupten.“

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