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Innovations-Agentur Den „dramatischen Rückstand Deutschlands“ aufholen

Thomas Sattelberger, 69, war Topmanager bei der Lufthansa und Personalvorstand bei Continental und Telekom. Seit Herbst 2017 sitzt er für die FDP im Bundestag. Quelle: imago images

Die Regierung plant eine Agentur für Innovation. Höchste Zeit, sagt der FDP-Politiker und Ex-Topmanager Thomas Sattelberger. Aber er warnt: Nur mit den besten Leuten dafür wird das Prestigeprojekt ein Erfolg.

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WirtschaftsWoche: Herr Sattelberger, die Bundesregierung will eine Agentur für Sprunginnovationen gründen. Klingt gut, oder?
Thomas Sattelberger: Nun ja, vor allem hat es ziemlich lange gedauert, bis die große Koalition in die Hufe gekommen ist. Und bisher gibt es ja gerade mal eine Gründungskommission. Die sollte nun möglichst schnell liefern. Die Regierung selbst hat leider bisher viel zu wenig vorangetrieben.

Was genau sollte aus Ihrer Sicht nun passieren?
Die Kommission um Dietmar Harhoff, der übrigens ein kluger Analytiker und Kenner der Lage ist, muss zügig ein Organisationsdesign für die Agentur finden – eines, das maximal weit entfernt von der Politik ist. Damit die Agentur unabhängig und frei agieren kann.

Kann man Innovation quasi staatlich per Agentur verordnen?
Das ist genau der schmale Grat, auf dem die Kommission wandelt. Natürlich kann Politik das nicht, und sie sollte sich hüten, es zu versuchen. Aber mittels einer Agentur den rechtlichen und finanziellen Freiraum zu schaffen, damit dort die besten Köpfe nach Innovation und Ideen suchen können – das sollte sie unbedingt tun. Eine kluge Regierung zeichnet sich also dadurch aus, dass sie die Grenzen ihrer Fähigkeiten genau kennt – und dann die Fähigkeiten anderer zur Entfaltung kommen lässt.

Wenn es mit den Köpfen steht und fällt: Was müsste der- oder diejenige an der Spitze mitbringen?
Ziemlich viel. Wir brauchen dort eine Persönlichkeit, die den dramatischen Rückstand Deutschlands bei disruptiven Technologien mitanpacken kann. Eine Frau oder einen Mann mit Gründererfahrung, Technologie-Knowhow, mit exzellenten internationalen Verbindungen, voller Ehrgeiz und kühner Entschlossenheit. Darum herum sollte man dann noch einen hochkarätigen Aufsichtsrat gruppieren.

Ein Aufsichtsrat - warum? Und wer sollte da rein?
Weil wir bei der Agentur das Ökosystem aus Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Wagniskapital gleich mitdenken müssen, alles andere wäre doch tölpelhaft. Da müssen also Sparringspartner sitzen, die auf Augenhöhe mit der Agenturspitze debattieren können.

Und wer wäre das, wenn Sie die Wahl hätten?
Ein Kandidat sitzt glücklicherweise schon in der Findungskommission: Ingmar Hoerr, der das Tübinger Biotechunternehmen Curevac gegründet hat. Leute wie die SAP-Gründer Hasso Plattner und Dietmar Hopp gehören da auch rein. Oder Silicon-Valley-Veteranen wie Sebastian Thrun, Topmanagerinnen wie Claudia Nemat und Sabina Jeschke. Glauben Sie mir, da gäbe es genug.

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