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Innovationschefin Claudia Nemat Deutsche Telekom will mehr experimentieren

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Innovationen bei der Telekom

Warum braucht die Telekom überhaupt Partnerschaften? Apple erfindet alles selbst und ist so zum reichsten Unternehmen der Welt geworden.

Es gibt Themen, die zu unserem Kerngeschäft gehören und wo wir führend sein wollen. Da lassen wir keinen reingucken. Wenn es aber darum geht, neue Anwendungen auszuprobieren, kooperieren wir lieber. Kaum ein Techniklieferant würde seine Lösungen nur für ein Telekom-Unternehmen der Welt erfinden. Die Telekombranche, anders als die Techbranche, basierte schon in den vergangenen Jahrzehnten darauf, dass sich die Unternehmen austauschen. Früher etwa, um überhaupt herauszufinden, wie man Netze zusammenschaltet und das Roaming im Ausland klappt.

Die Telekom hat eine gemischte Innovationsbilanz: Ob Musicload oder der Aufbau eines Konkurrenten zu WhatsApp – am Ende war die Konkurrenz aus dem Silicon Valley immer schneller. Wie wollen Sie das verbessern?

Indem wir wenige Themen besetzen und dann unsere Ressourcen darauf fokussieren. Und nicht sofort bei den ersten Problemen aufgeben. Natürlich kann es passieren, dass wir scheitern. Das ist aber nicht schlimm. Auch dem Silicon Valley gelingt nicht alles. Dort gibt es aber eine viel stärker ausgeprägte Kultur der Fehlertoleranz.

Wie kann das in einem Konzern wie der Telekom funktionieren? Ihr Chef Tim Höttges ist nicht gerade für eine hohe Fehlertoleranz bekannt. Wie bringt man dennoch den Mitarbeitern das Scheitern bei?

Unterschätzen Sie Tim Höttges nicht. Richtig ist, dass wir alle lernen müssen. Das ist ein Weg. Ganz praktisch: Wenn die Mitarbeiter das Gefühl haben, sie werden für Fehler bestraft, dann senden Sie das falsche Signal. Sie müssen die Menschen dazu bringen, über ihre Fehler und was sie daraus gelernt haben zu sprechen.

Das klingt so allgemein erst einmal gut, hilft aber ja konkret nicht weiter.

Wir haben lange mit einem eigenen Bezahlprodukt experimentiert, ohne dass uns der Durchbruch gelungen wäre. Was nicht daran lag, dass jemand Unsinn gemacht hätte. Wenn man aber merkt, dass es so nicht funktioniert, braucht man den Mut, es zu beenden. Da muss man dann sagen, wir waren zu früh oder zu spät, oder andere waren besser. Und dann ziehen wir den Stecker.

Auf welche neuen Technologietrends wollen Sie sich fokussieren?

Sie werden verstehen, dass es jetzt noch zu früh ist, darüber im Detail zu sprechen. Aber grundsätzlich werden wir uns auf ultraschnelle Netze mit sehr geringen Latenzzeiten beim Datentransfer – Stichwort 5G –, sichere Datenspeicherung, Plattformen unter anderem für das Internet der Dinge und den gezielten Einsatz von künstlicher Intelligenz fokussieren. Aus der Kombination dieser Technologien werden sich zahlreiche neue Anwendungsfälle ergeben.

Das wollen doch alle Techunternehmen.

Richtig. Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Aber wenn man darauf rumtrampelt, es nicht gießt, wächst es nicht. Guter Tipp bei Kindern! Das soll heißen: Ich sehe meine Aufgabe darin, die Technologieführerschaft auszubauen und für eine Innovationskultur zu sorgen, intern und auch zusammen mit unseren Partnern und Kunden. Wir werden die Kreativität unserer Mitarbeiter nicht mit Micro-Management und Controlling ersticken.

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