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Innovationschefin Claudia Nemat Deutsche Telekom will mehr experimentieren

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Schwerpunktsetzung

Welche Schwerpunkte werden Sie setzen, wenn Sie den neuen Vorstandsposten als Technologie- und Innovationschefin antreten?

Eine meiner Aufgaben wird sein sicherzustellen, dass die Telekom besser und frühzeitiger versteht, welche Anwendungen die Kunden überhaupt nutzen möchten. Da gibt es so viele Möglichkeiten aus dem Bereich der vernetzten Städte, dem autonomen Fahren oder bei digitalen Lifestyleprodukten. Und nur wenn wir unsere eigenen Techies mit den Kreativen aus anderen Branchen zusammenbringen, seien es Start-ups oder große Unternehmen, werden wir neue Anwendungsfelder auch besser verstehen.

Solche Kooperationen münden nicht selten in Chaos.

Ich sehe mich als Übersetzer zwischen den Welten. Eine meiner Stärken ist es, Menschen zusammenzubringen. Wenn Experten, die radikal verschieden denken, zusammen arbeiten, kommt am Ende immer etwas Gutes dabei raus. Dieses Prinzip habe ich schon in meiner Funktion als Europavorstand beherzt.

Diese Länder haben das schnellste Internet
Breitband-Internet Quelle: REUTERS
Helsinki Quelle: dpa
Prag Quelle: dpa
Irland Quelle: gms
Riga Quelle: dpa
Platz 6: NiederlandeDen Sprung auf 14,2 Megabit pro Sekunde schaffen unsere niederländischen Nachbarn. Quelle: dpa
Schweiz Quelle: dpa

Kommen denn auch Ideen von der Telekom?

Selbstverständlich. Das befruchtet sich gegenseitig. Wir sind Ideengeber und Ideenempfänger. Innovation entsteht meist an der Schnittstelle zwischen bislang getrennten Branchen und wenn junge Kreative und Etablierte zusammenkommen. Ich möchte für mehr Branchen in Zukunft solche Formate wie die Fashion Fusion schaffen. Sowohl extern als auch intern will ich den Mitarbeitern die Möglichkeit geben, an kreativen und auch verrückt klingenden Ideen zu arbeiten.

Andere Telekomkonzerne, insbesondere in Asien, testen viel mutiger neue Produktideen. In Japan verkauft NTT DoCoMo schon Halsbänder mit Funkchip, damit sich entlaufene Hunde und Katzen wiederfinden lassen. Warum gibt es so ein Produkt nicht in Deutschland?

Wir arbeiten mit anderen Telekomunternehmen wie zum Beispiel mit der südkoreanischen SK Telecom zusammen und schauen uns an, was dort gut funktioniert. Das wollen wir ausbauen. Ich empfehle: mit Stolz von anderen Ländern kopieren. Denn oft bedeutet, innovativ zu sein, dass man sich umschaut, was schon anderswo auf der Welt funktioniert, um es dann in Europa mit eigenen Ideen zu kombinieren.

Solch ein Ideentransfer hat aber noch nicht so oft geklappt.

Es gibt viele positive Ansätze. Ein Beispiel, wo wir intensiv mit den Koreanern kooperieren, ist die Smart City. Da geht es zum Beispiel um Straßenlaternen, die sich an die Lichtverhältnisse anpassen und sich selber dimmen. Da prüfen wir jetzt ganz genau, welches die preisgünstigsten Lösungen für unsere Kunden sein könnten. Und wir kooperieren natürlich bei 5G. Da sind die Koreaner in Teilen weiter, in anderen wir.

Hat das Einfluss auf die eigene Innovationskultur?

Ja. Aber vergessen Sie bitte eines nicht. Wir sind gerade bei vielen Technologieinnovationen weltweit führend, zum Beispiel bei der Umstellung der Netze auf das Internetprotokoll. Das ist immer etwas dröge zu erklären. Aber wenn sie ein Netz haben in einem Land, das bereits komplett digital gesteuert wird, können Kunden einen neuen Anschluss mit einem einfachen Klick im Internet bestellen und freischalten. Um das zu kopieren, sind Technikchefs anderer Unternehmen aus der ganzen Welt zu uns gekommen und haben sich das bei unseren Europatöchtern angesehen.

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