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Instagram Mit Bloggen Geld verdienen

In Los Angeles posieren und davon ein Foto bei Instagram posten: Bloggerinnen wie Luisa Lión verdienen Geld, indem sie unter Fotos auf Shops verlinken. Wie solche Selbstinszenierung Erfolg bringt – oder eben nicht.

Durch „Affiliate Management“ ist es Bloggern möglich via Instagram Geld zu verdienen. Quelle: Getty Images

HamburgDer hellblaue Mantel geht ihr bis zu den Knien, schützt sie vor der Kälte, die an einem Februar-Freitag am Hamburger Jungfernstieg herrscht. Sie läuft eilig über die Straße, die Nägel perfekt lackiert, die Handtasche über der Schulter drapiert, die Laptop-Tasche hält sie in beiden Händen. Luisa Lión ist 25 Jahre alt, heißt eigentlich Luisa Eckhard und ist hauptberuflich Bloggerin.

Ihr Stil ist Luisas Markenzeichen, die Fotos und Texte im Blog ihre Einnahmequelle. Mit dem Bloggen angefangen hat sie 2009, direkt nach dem Abitur. Ihr jetziger Blog „Style Roulette“ hieß damals noch „Fashion Shows“. Inhalt? „Es gab peinliche Spiegelbilder mit der Digicam“, sagt die Hamburgerin. Heute besuchen monatlich bis zu 500.000 Leute „Style Roulette“, 107.000 folgen Luisa bei Instagram, 32.000 bei Youtube.

Seit zwei Jahren sei ihr Geschäft profitabel, sagt sie. Was genau sie verdient, will sie nicht preisgeben. Aber sie könne ihr Leben damit finanzieren, inklusive einer Wohnung in Los Angeles und einem Büro in Wien. Das wiederum erlaubt eindeutige Rückschlüsse. Doch, wo genau nehmen Blogger wie Luisa Lión ihr Geld her? Ganz einfach: Werbung – und zwar im großen Stil. 

Meist schreibt Luisa gesponserte Blogbeiträge für ein Unternehmen. Das sieht dann so aus wie der jüngste Post am 14. April für eine Unterwäsche-Firma. Sie berichtet in dem Text über ihre Erfahrungen mit dem Produkt, veröffentlicht Fotos und Videos. Mit einem Video verdiene sie mehr Geld als ohne. Mehr Leistung, mehr Geld – das Prinzip funktioniert in (fast) allen Branchen.

Bei Instagram läuft das mit dem Geld verdienen anders: „Affiliate Marketing“ heißt das Prinzip. Die Bloggerin verweist unter seinem Foto auf einen Shop oder eine Homepage. Indem ihre Fans auf den Link klicken und dieses oder andere Outfits bei dem Portal kaufen, erhält Luisa Lión eine Provision. „Meistens bekomme ich zehn Prozent, manchmal sechs, selten 20“, sagt sie und bezieht sich auf den Gesamtbetrag des Kaufes.

Der Nachteil bei Instagram ist laut Lión, dass man keine direkten Links in den Text unter das Foto setzen kann. Da heißt es, den Linktext händisch im Browser einzugeben. Bei Luisa Lión sieht das dann etwa so aus wie bei diesem Instagram-Post. Sie verweist auf einen Online-Shop, dort könne man ihr Outfit kaufen. Die rund 3300 „Gefällt mir“-Angaben lassen ahnen, wie viele Fans sich das Outfit bei dem Online-Shop angesehen haben.

Aber nicht alle Bloggerinnen und Blogger machen ihr Hobby zum Beruf. So wird etwa der bekannte Blog „Fashion Monger“ von der 25-jährigen Özlem Han betrieben. Han ist Wirtschaftsingenieurin und lebt in Berlin. Die „Slimani-Schwestern“ Lamiya und Dounia hingegen konzentrieren sich zunehmend auf das Bloggen, werben auch via Instagram: Lamiya mit knapp 500.000 Followern, Dounia mit rund 300.000.


Ganz in Schwarz, bei Alexander Wang

Hip sein, Trends setzen, polarisieren. Und das ganz in schwarz. Alice M. Huynh kommt aus dem Oberallgäu, bloggt seit 2007. Heute lebt sie in München. Ihr Markenzeichen: Sie trägt nur schwarze Kleidung. Immer – selten trage sie weiß, Farben nie. Die 24-Jährige hat, wie sie selbst sagt, Spaß daran gefunden, sich und ihren Style auszutesten. In schwarzer Kleidung fühle sie sich einfach „sehr wohl“. Das unterscheidet sie von anderen Mode-Bloggerinnen, die sich gerne grell in Szene setzen.

ahlenmäßig befindet sich Huynh jedoch bei den Anfängen von Luisa Lión und Co: Rund 11.000 Follower hat sie bei Instagram. Ihren Blog „I heart Alice“ besuchen monatlich zwischen 15.000 und 18.000 Leute.

Auf diesem präsentiert die studierte Modedesignerin eigene Kollektionen, schreibt über ihre Erfahrungen in der Blogger-Welt und eben über ihren schwarzen Look. Ein Coup für Huynh war ein Praktikum bei Alexander Wang, einem der berühmtesten Designer der Welt. Wang hat 2005 sein eigenes Label gegründet. Heute ist er Chefdesigner von Balenciaga, einem erfolgreichen Pariser Modeunternehmen. Fünf Monate hat Huynh dafür in New York gelebt, wichtige Personen auch der hiesigen Modeszene kennengelernt, ihr Profil geschärft.

Den Social-Media-Experten Ibrahim Evsan überraschen Lebensläufe wie die von Alice M. Huynh und Luisa Lión nicht. „Die technologischen Möglichkeiten für Selbstvermarktung sind heutzutage einfach gegeben“, sagt er. Das Geschäftliche und Private werde seltener getrennt, weshalb bloggen zum Beruf werden konnte. Evsan hat einen eigenen Begriff für das Phänomen: „Social Trademark“, was so viel bedeutet wie „Soziales Markenzeichen“ oder „Soziale Marke“. Der Mensch wird also zur Marke, mit seiner Kleidung, seiner Art, den Besonderheiten. Ein prominentes Beispiel dafür sei Arianna Huffington, die Chefin der US-amerikanischen Online-Zeitung „Huffington Post“. „Sie hat als Bloggerin angefangen und leitet heute ein internationales Imperium“, sagt Evsan.

Hierzulande hatte sich Alice M. Huynh spätestens einen Namen gemacht, als ihre Mode auf den Berliner Laufstegen gezeigt wurde. Für ihre Bachelorarbeit hat die Münchnerin eine Kollektion entworfen, die dann bei der Fashion Week Anfang des Jahres in der Hauptstadt gezeigt wurde. Nicht nur die eigene Mode, auch das eigene Gesicht bringt Huynh Geld. So hat sie Modell gestanden für eine Düsseldorfer Schuhmesse und war für den Privatsender RTL in einem Werbespot zu sehen. Aus der Bloggerin wurde eine Marke, mit der jetzt auch RTL wirbt.

Der Sende hat nämlich erst im vergangenen Jahr ein Blogger-Portal gegründet, bei dem derzeit 30 deutsche Bloggerinnen gelistet sind. Unter anderem sind das auch Lións „Style Roulette“ und „I heart Alice“. Die Blogs funktionieren nach wie vor für sich, werden nur unter dem Dachportal Blogwalk gebündelt. Die Vorteile für Lión und Huynh seien, dass ihre Blogs so eine höhere Reichweite bekommen; auch durch die Werbung, die RTL zwischenzeitlich jeden Tag in der Primetime gezeigt hat. Ihren Testvertrag mir Blogwalk will sie aber nicht verlängern. Unabhängigkeit sei Huynh wichtiger als Reichweite.

Luisa Lión will mit „Style Roulette“ bei Blogwalk bleiben. Langfristig hat sie aber größere Ziele: Sie will auch in den USA eine bekannte Bloggerin werden. Kurz nachdem das Handelsblatt die Hamburgerin getroffen hat, ist sie für mehrere Woche nach Los Angeles geflogen. Nach einem Stopp in ihrer Studien-Stadt München ging es über den Atlantik, um „Urlaub zu machen“ – und um Kontakte zu knüpfen. Jetzt schlürft sie jedenfalls mit Blogger-Freundinnen Cocktails, geht auf Festivals und führt Sommer-Klamotten aus. Zumindest lassen ihre täglichen Foto-Posts bei Instagram darauf schließen.

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