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Internet der Dinge Mit Software aus Göppingen wird die Welt gesteuert

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Kostenlos fürs heimische Wohnzimmer

Wer die Software lediglich für private Zwecke nutzen will, kann sie sogar kostenlos herunterladen: So kann der Sohn mit einem Klick auf den Rechner seiner 100 Kilometer entfernt wohnenden Mutter zugreifen und helfen, wenn’s im Office-Paket mal klemmt. Der Gedanke dahinter: Ein Manager, der im eigenen Wohnzimmer erlebt hat, wie praktisch die Software ist, wird auch seine IT-Abteilung überzeugen, dass man das im Unternehmen braucht. Spätestens seit dem Siegeszug der iPhones, die die Blackberrys aus den Büros verdrängt haben, wissen auch IT-Anbieter, dass man Kunden mit einfacher Bedienbarkeit begeistern muss, statt sie zu beschwatzen.

Wie gut das TeamViewer gelingt, kann man im Foyer der Zentrale ablesen. Dort hängt ein Laufband mit den tagesaktuellen Zahlen: Ende April sind fast 37 Millionen Geräte gleichzeitig im TeamViewer-Netzwerk eingeloggt. Wer über die Flure läuft, der hört Brasilianisch oder Koreanisch. Die Fernwartungssoftware aus Göppingen ist inzwischen in 30 Sprachen verfügbar, wird von Kunden in mehr als 200 Ländern genutzt.

Und nun also auch im Weltraum. Doch je verrückter die Einsatzorte für die Software auch werden: Dem Wunsch des mittlerweile ausgestiegenen Gründers nach möglichst einfacher Bedienbarkeit fühlt sich das Unternehmen weiter verpflichtet. Deshalb will es im September ein neues IoT-Produkt auf den Markt bringen. Bisher müssen die Kunden noch selber Hand anlegen, um Anlagen wie etwa Solarparks anzuschließen. In Zukunft soll die Software auch das weitgehend automatisiert erledigen. Dazu soll sie Sensoren und beliebige andere Geräte in Echtzeit überwachen und sich bei Bedarf darauf aufschalten.

Derzeit wird das firmeneigene Router-Netzwerk erweitert, damit es auch mit einer weitaus größeren Zahl an gleichzeitig verbundenen Geräten klarkommt. Im ersten Schritt sollen es 200 Millionen sein, in einigen Jahren Milliarden. „Wer TeamViewer nutzt, soll die Software nur ein Mal installieren müssen und keine weitere Beratung benötigen“, verspricht König, der den Chefposten vor etwa zwei Jahren übernahm. „Denn wenn ein IoT-Projekt erst mal 100.000 Euro oder mehr kostet, wird es für Mittelständler unattraktiv.“

Mehr als 1,4 Milliarden Mal wurde TeamViewer heruntergeladen und auf Geräten installiert. „Täglich kommt im Schnitt eine Million hinzu, sodass wir im August bei anderthalb Milliarden ankommen dürften“, sagt König. Auch darin unterscheidet sich das Unternehmen von all den anderen, den analogen Mittelständlern: Teure Fabriken muss TeamViewer nicht bauen, teures Material nicht kaufen. Software wird einmal geschrieben – und dann millionenfach verkauft. „TeamViewer war von Anfang an auf Profitabilität ausgerichtet“, sagt König. „Das ist unsere typisch mittelständische Mentalität.“

Das Unternehmen schreibt im Unterschied zu vielen deutschen Start-ups gute Gewinne. 2015 setzten die Göppinger laut Handelsregister 153 Millionen Euro um, ein Plus gegenüber 2014 um 18 Prozent. Vor Steuern und Abschreibungen lag der Gewinn bei 97 Millionen Dollar – TeamViewer ist also eine regelrechte Gewinnmaschine.

Gelingt es dem Unternehmer, die Weltmarktführerschaft von der Fernwartung auf das Internet of Things auszudehnen, könnte das sowohl das operative Geschäft als auch die Bewertung auf ein Vielfaches katapultieren. Andererseits steigt auch das Risiko, weil TeamViewer jetzt mit IT-Größen wie IBM oder Microsoft konkurriert, die ihrerseits das IoT erobern wollen – mit einer ungleich größeren Marketingmaschinerie.

Dennoch gilt TeamViewer als einer der aussichtsreichsten Kandidaten für einen großen Techbörsengang made in Germany. König wiegelt ab: „Es gibt kein konkretes Szenario. Meine Vorgabe lautet: Baue ein solides Unternehmen mit jedwedem Exit als Möglichkeit.“ Betont bodenständig eben.

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