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Internet Die geheime Macht der Vergleichsportale

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Heißer Kampf um die Touristik

Das tut auch not: In kaum einer anderen Branche tummeln sich so viele Vergleichs- und Vertriebsportale wie in der Touristik. Marken wie Expedia, Opodo, weg.de, Fluege.de, booking.com oder Ab-in-den-Urlaub rangeln um Kundschaft.

Dabei geht es mitunter so robust zu wie beim Handtuchkampf um die beste Liege am Pool, schließlich fließen für jede vermittelte Reise Provisionen an die Portalbetreiber. Lockmittel sind schöngerechnete Preisangaben. So werden zusätzliche Gebühren etwa für die Buchung per Kreditkarte gerne erst im letzten Schritt aufgeschlagen. Ebenfalls beliebt: Viele Anbieter versuchen, ihren Kunden teure Versicherungen aufzuschwatzen.

Als einfallsreicher Preisgestalter hat sich die Leipziger Unister-Gruppe hervorgetan. Mit zig Werbemillionen hat das Unternehmen Internet-Seiten wie Ab-in-den-Urlaub und fluege.de zu Verkaufsmaschinen gepäppelt.

Zahlen zu Mobilfunkpreisportalen

Verbraucherschützer sprachen Warnungen aus, weil fluege.de Zusatzkosten zu spät und Reiseversicherungen unzulässig darstelle. Im Januar legte die sächsische Generalstaatsanwaltschaft zudem eine Anklage gegen fünf leitende Manager des Internet-Unternehmens vor, unter ihnen Unister-Gründer Thomas Wagner. Den Leipzigern wird der unerlaubte Vertrieb von Versicherungsprodukten, Steuerhinterziehung und strafbare Werbung vorgeworfen. Die Beschuldigten wehren sich gegen die Vorwürfe, Unister will zu dem laufenden Verfahren nicht Stellung nehmen.

Pauschalreisen bleiben in der Hand der Touristikbüros

Trotz solcher Vorgänge ist der Online-Trend ungebrochen. 9729 Reisebüros zählte der Deutsche Reiseverband (DRV) im vergangenen Jahr, 2004 waren es noch 13.753. Trotzdem stieg der Gesamtumsatz der Büros im gleichen Zeitraum von 20,5 auf 22,7 Milliarden Euro.

Der Niedergang traf also nicht alle Anbieter gleichermaßen, sondern fegte vor allem die Tante-Emma-Läden unter den Reisebüros sowie Geschäftsreisespezialisten vom Markt. Kein Wunder: Bei Hotel- und Flugbuchungen wildern die Online-Dienste besonders stark. Der Verkauf klassischer Reise-Kombis, etwa für den Jahresurlaub im sonnigen Süden, ist dagegen nach wie vor eine Domäne der niedergelassenen Touristiker. 85 Prozent aller Pauschalreisen werden laut DRV über Reisebüros verkauft. TUI-Chef Friedrich Joussen erwartet, dass das auch so bleibt. Der stationäre Vertrieb werde „auf absehbare Zeit der wichtigste Absatzkanal bleiben“, sagte der Frontmann des Reisekonzerns Ende März.

Warum die Deutschen Versicherungsportale nutzen

Möglich, dass Joussen bei derlei Prognosen an seinen früheren Job als Deutschland-Chef von Vodafone denkt. Beim Vertrieb von Handyverträgen ist der Einfluss der Portale überschaubar. Kein Wunder: Wer nach einem neuen iPhone oder Samsung-Smartphone schmachtet, sucht ein Status-Symbol. Es geht um das Gerät, weniger um die Vertragsdetails. So steigt bei etlichen Mobilfunkanbietern derzeit sogar die Bedeutung des Offline-Vertriebs, zeigt eine Analyse des Frankfurter Marktforschers M&L Mauer Marketing Services.

Ausschau nach Übernahmezielen

E-Plus etwa stockte sein Filialnetz von 1051 auf 1375 Outlets auf, bei der Telekom und bei O2 blieb die Zahl weitgehend konstant. Wichtig sind die Portale indes für die weit über 50 Discounter, die ohne eigenes Filialnetz mit günstigen vorausbezahlten Karten (prepaid) auf Kundenfang gehen.

Im Reisebusiness sieht es anders aus. Wer eine dreiwöchige Fotosafari durch Afrika plane, wird sich auch weiter im Detail von Spezialisten beraten lassen. „Die Buchung des klassischen Mittelmeer-Urlaubs im Sommer wird sich dagegen zunehmend ins Netz verlagern“, ist Kayak-Managerin Stadler überzeugt.

Die Entwicklung macht den Markt auch für Vergleichsportale interessant, für die das Reisegeschäft bisher nur Nebenerwerb war. So hält Check24-Chef Henrich Blase Ausschau nach Übernahmezielen. „Sollten Teile der Unister-Gruppe auf den Markt kommen, werden wir uns das sicher ansehen“, sagt Blase, der sich bisher weniger als Reise- denn als Versicherungskönig unter Deutschlands Portalisten hervorgetan hat.

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