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Internet So teuer wird das Internet

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Nicht mehr konkurrenzfähig

Wo das Internet den stärksten Einfluss auf die Gesellschaft hat
Platz 30Tunesien belegt mit 50,68 Prozent den 30. Platz von insgesamt 61 Ländern, die auf den Einfluss des Internets auf die Gesellschaft untersucht wurden. Quelle: dapd
Platz 29Da es sich nicht um eine Rangliste handelt, in der es nur um die Freiheit des Internets und dessen Nutzung geht, landet China mit mit 51,72 an 29. Stelle. Wenig überraschend fällt vor allem der Einfluss des Internets auf die Politik mit 32,27 gering aus. Quelle: REUTERS
Platz 28Kasachstan schafft es mit immerhin 53,46 Prozent auf Platz 28. Quelle: dpa
Platz 27... geht an die Türkei mit einem Wert von 53,7. Besonders gering ist hier der Einfluss des Internets auf die Wirtschaft (45,98). Quelle: dapd
Platz 26In Kolumbien liegt der Wert bei 53,86. Quelle: dpa
Platz 25Die Polen belegen mit 54,84 Prozent Platz 25. Bei unseren europäischen Nachbarn ist vor allem der Einfluss auf die Politik durch das Internet mit einem Wert von 37,55 eher schlecht ausgeprägt. Quelle: dapd
Platz 24Brasilien liegt mit einem Wert von 56,3 auf Platz 24. Quelle: dapd

Gleiches gilt für die riesigen Datenautobahnen auf den Fernstrecken. Nach dem Platzen der Internet-Blase im Jahr 2002 mussten viele US-amerikanische Glasfaserbetreiber wie Global Crossing oder Worldcom, die im Zuge der Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes entstanden waren, Insolvenz anmelden.

Die verlegten Leitungen bilden heute vielfach die sogenannten Backbones, also das Rückgrat der Datenkommunikation, das zwischen den europäischen Großstädten oder den Kontinenten verläuft. Insbesondere einige hochfrequentierte Transatlantikrouten fielen nach dem Platzen der Dotcom-Blase als Konkursmasse in die Hände neuer Eigentümer.

Ein Großteil dieser zwischen 1996 und 2002 getätigten Investitionen, deren Volumen Experten wie der Buchautor Keith Brody („The Great Telecom Swindle“) auf 4.000 Milliarden US-Dollar schätzen, gelten als sogenannte versunkene Kosten. Die Folge: Der Wegfall dieses Kostenblocks eröffnete den Weg zu einem Preisverfall, durch den die Übertragung eines Bytes zurzeit fast nichts kostet.

Dass sich daran zumindest in der nächsten Zeit nichts ändern wird, liegt an der zweiten Besonderheit der Internet-Ökonomie: der steigenden Leistungsfähigkeit der Technik bei gleichzeitig sinkenden Kosten, ähnlich wie das bei den Computerchips der Fall ist. Denn sobald mehr Bits transportiert werden müssen, setzen die Netzbetreiber die nächstschnellere Generation an Routern ein, die an den Knotenpunkten des Netzes die Daten weiterleiten. Diese Technik vermag immer mehr mit der Folge, dass die Kosten pro Dateneinheit sinken.

„Die Wachstumsrate des Verkehrs war nicht höher als die Leistungssteigerung des Netzequipments“, sagt WIK-Geschäftsführer Neumann. Nach seinen Berechnungen fallen die Übertragungskosten pro Megabit genauso stark, wie der Datenverkehr wächst – im Durchschnitt um jährlich knapp 30 Prozent. „Aus Kostengründen gab es in der Vergangenheit keinen Grund, die Preise anzuheben“, sagt Neumann. „Und es gibt wenig Anlass anzunehmen, dass sich dies in Zukunft ändert.“

Verfügbarkeit von schnellen Internetanschlüssen in deutschen Städten und Dörfern (zum Vergrößern bitte anklicken)

Dass die Deutsche Telekom trotzdem die Preise erhöhen will oder muss, liegt daran, dass für sie die Internet-Ökonomie nicht in vollem Umfang gilt. Denn große Teile des Telekom-Netzes sind nicht mehr konkurrenzfähig und lassen sich, anders als zum Beispiel die Datenautobahnen, nur durch Milliardeninvestitionen auf den erforderlichen Stand bringen.

Prekäre Lage

Mit großer Sorge beobachtet der Telekom-Vorstand, wie stark von Stadtwerken kontrollierte Regionalanbieter wie Netcologne in Köln oder M-Net in München sowie die Kabel-TV-Anbieter mit superschnellen Internet-Anschlüssen mit Geschwindigkeiten von 100 Megabit pro Sekunde und mehr auftrumpfen und ihnen den Nimbus des Technologieführers streitig machen. Die Stadtwerke-Töchter bauen in lukrativen Großstädten eine komplett neue Glasfaserinfrastruktur auf. Und die Kabel-TV-Anbieter profitieren von der Überlegenheit des dort eingesetzten Koaxialkabels, das mit marginalem Aufwand genauso auf Spitzengeschwindigkeiten von bis zu einem Gigabit pro Sekunde beschleunigt werden kann wie ein neu eingerichteter teurer Glasfaseranschluss.

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